#MuseumSelfies, Fotografierverbote und das Urheberrecht

Warum Museen umdenken müssen!

Nachdem in den letzten Wochen nicht nur bei uns im Museum, sondern auch im Netz wieder verstärkt über das Thema diskutiert wurde, habe ich mich entschieden meine Eindrücke und Gedanken dazu doch zu verbloggen. So lange wir in Deutschland keine Rechtssicherheit und klare Regelungen für Museen haben, muss eben über das leidige Thema diskutiert werden.

Sehr anregend für mich war der Vorschlag von der wunderbaren Kunstvermittlerin Anke von Heyl kreativ mit dem neuen Phänomen des Museumselfie umzugehen. Aber kreativer Umgang wird dann schwer, wenn Museen kein Recht haben, die Kunst, die sie zugänglich machen und zeigen auch im digitalen Raum zu präsent zu machen? Und hier sind keine Werbeanzeigen gemeint, sondern das reine unkommerzielle Fördern junger Künstler, das Sichtbarmachen neuer Positionen und das Vermitteln der jüngeren Kunstgeschichte. All dies ist streng genommen mit dem deutschen Urheberrecht nicht vereinbar. Vor allem die Werke, die ein Museum für die eigene Sammlung gekauft hat und die teilweise als Schätze in Depots lagern, weil sie momentan nicht in den Ausstellungsplan passen, dürfen der Öffentlichkeit nicht präsentiert werden.

Das Absurde einer Sammlung

Das ist vor allem absurd, da besonders in der Politik (beim Ringen um öffentliche Gelder) immer betont wird, dass Museen erhalten und finanziell unterstützt werden müssen, weil sie Kunst für die Gesellschaft bewahren und sich verpflichten ihre Sammlungen zugänglich zu machen. Wie soll das nun praktisch funktionieren, wenn die meisten Museen zuviel Angst vor hohen Lizenzforderungen haben, um sich zu trauen ihre Sammlungen online zugänglich zu machen. Ein wichtiger Schritt nicht nur für die Gesellschaft, sondern ebenso für die Forschung, die ebenso nicht im Geld schwimmt und daher darauf angewiesen ist, dass Museen ihre Werke zugänglich machen.

In den Diskussionen wird dann meist auf die VG Bild-Kunst geschimpft. Das ist einfach und ich gebe zu, dass ich auch schon geflucht habe. Nicht weil ich etwas gegen diese Institution, die letztendlich die Rechte der Künstler vertritt habe, sondern weil das Ergebnis in der Regel ist, dass ich Werke der dort vertretenen Künstler schlichtweg nicht zeigen kann. Die meisten Museen können es sich eben schlicht nicht leisten im Jahr mehrere tausend Euro zu bezahlen nur um Werke digital abbilden zu dürfen. An dieser Stelle betone ich gerne nochmal, es geht hier um die reine Zugänglichmachung, es geht nicht um kommerzielle Zwecke, für die sehr wohl gezahlt werden sollte. Selbstverständlich könnte man nun sagen: „Dann zeigt wenigstens die Künstler, die sich noch nicht vertreten lassen.“ Kann man machen, aber auch dann sollte man mit jedem Künstler eine Vereinbarung treffen. Sonst können in Zukunft Forderungen entstehen.

Momentan sieht es also so aus, dass man eigentlich mit jedem Künstler bzw. Rechteinhaber eigene Verträge aufsetzen muss, einfach nur, damit man online beispielsweise seine museumseigene Sammlung präsentieren kann. Selbst bei einer kleinen Sammlung ein immenser Aufwand.

„Fotografieren verboten!“ und die verschenkte Chance der Besucherinteraktion

Aktuell ist die gelebte Praxis oft das strikte Fotografierverbot in deutschen Museen. Ein nicht mehr zeitgemäßer, grauenhafter Zustand. Wer mutig ist, muss sich innerlich zumindest auf Zahlungsaufforderungen vorbereiten. Kann es doch sein, dass ein glücklicher Besucher sein Selfie vor dem „falschen“ Bild macht und in den virtuellen Raum schickt. Dabei liegt gerade in diesem Verhalten die große Chance für die Zukunft der Museen und ebenso für die Künstler.

Ein Selfie ist niemals vor einem beliebigen Bild gemacht worden, sondern vor einem, das Eindruck hinterlassen hat. Neben dem Bild wird in der Regel stolz verkündet wo es aufgenommen wurde und wer der Künstler ist. Hier entsteht ein emotionaler Moment mit der Kunst, den keine Präsentation, kein Wandtext … schaffen kann. Und der verbreitet sich auch noch und wird nicht geheim gehalten. Das „Schlimmste“, das daraufhin passieren kann ist, das weitere Besucher kommen und Menschen erreicht werden, die bisher noch nicht im Museum waren oder Museumsbesuche nicht unbedingt für ihre Freizeit in Erwägung ziehen.

Aus diesen Gründen brauchen wir ein Umdenken in Deutschland. Die Museen müssen sich trauen das Fotografieren endlich flächendeckend zu erlauben. Nur in der Masse wird das dazu führen, dass neue Regeln entwickelt werden. Ein runder Tisch und eine offene Diskussion, nicht nur unter geplagten Museumsmitarbeitern, sondern mit Juristen, der VG Bild-Kunst und der Politik ist längst überfällig und sollte dringend in Angriff genommen werden. Museen brauchen die Möglichkeit ihre eigenen Sammlungen auch online zugänglich zu machen! Und Besucher brauchen das Vertrauen und die Wertschätzung „ihre“ Museen in Besitz nehmen zu dürfen und stolz auf deren Arbeit zu sein!

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Veröffentlicht von

Michelle vanderVeen

Digitale Kommunikation & Marketing | Account Manager Digital & Content @GraylingDE | #blogger @MuseumLifestyle | Goldener Blogger 2015

30 Gedanken zu „#MuseumSelfies, Fotografierverbote und das Urheberrecht“

  1. Ich freue mich, Michelle, dass ich mit meinem Beitrag weitere anregen kann. Super, deine Überlegungen sind eine wichtige Ergänzung zu dem, worüber ich nachgedacht habe. Besonders der Aspekt des „Nicht-Kommerziellen“ ist zu betonen. Es geht ja um Bildung im weitesten Sinne. Da macht sich ja niemand die Taschen voll!
    Und wie du ganz richtig sagst, geht es um ein emotionales Erlebnis, um einen persönlichen Kommentar.
    Lass uns weiter diskutieren und nach Lösungen suchen.
    Liebe Grüße von Anke

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    1. Danke für deinen Kommentar. Der Artikel ist tatsächlich irgendwie eine Antwort auf deinen, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Betrifft es mich im Museumsalltag doch fast jeden Tag. Ich hoffe wir bekommen die Diskussion so groß, dass sie irgendwann gehört werden muss 😉 Manchmal frage ich mich allerdings in wie weit, dass wirklich in allen Institutionen als „Problem“ verstanden wird?!
      Lieben Gruß

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  2. Liebe Michelle,

    oh, Du sprichst mir so sehr aus der Seele. Ich hatte auch kurz überlegt, einen Blogbeitrag zu diesem Thema zu schreiben, einfach, weil es mich so annervt und nicht nur meine Arbeit im Museum sondern auch meinen privaten Blog betrifft. Darum hatte ich vorgehabt, es mir von der Seele zu schreiben. Aber ich kann ja auch hier kommentieren.

    Mir ist es nicht nur einmal passiert, dass ich einen wunderschönen Blogbeitrag fix und fertig hatte, sondern mittlerweile mehrfach. Ein Beitrag über eine wirklich tolle Ausstellung oder ein schönes Museum – mit tollen Fotos, die das ganze anschaulich gestalteten. In letzter Sekunde bevor ich auf den Button „veröffentlichen“ drückte, kam mir wieder plötzlich der Gedanke: Moment mal! Wie ist das eigentlich mit den Bildrechten bzw. durfte ich das Kunstwerk überhaupt ablichten?

    Panik bricht in mir aus. Denn ich hatte schon Fotos bei Twitter und Instagram veröffentlicht. Schnell fragte ich in dem Museum nach und wie erwartet, wurde meine Angst geschürt: Nein, es darf kein Bild im Blog veröffentlicht werden. Erster Gedanke: Ach du liebe Güte, was hast Du getan. – Löschen! Sofort alles löschen. (Natürlich quatsch, weil es schon viel zu spät war.) Egal, alle Tweets, alle Bilder löschen.

    Traurig starre ich auf meinen fertigen Blogbeitrag. Er ist so wunderschön. Ich würde ihn so gern veröffentlichen. Ich werde wehmütig und gleichzeitig stocksauer. Was soll ich tun? Ich bin meistens so angenervt, dass ich alles lösche. Aber in diesem Fall? Ich machte mir die Mühe und fragte mich weiter durch (Galerie, Galerie fragt dann Künstler)… nun warte ich. Warte sehnsüchtigst, dass ich den Beitrag veröffentlichen darf. – Ich warte schon seit zwei Wochen!!! Gerade beginnt meine Laune zu kippen. Fragen kommen auf: War die Ausstellung wirklich SO gut, dass sich dieser Aufwand lohnt? Ich könnte ja einen neuen Beitrag schreiben und die Ausstellung durch den Kakao ziehen, bzw. mich lediglich auf die negativen Aspekte beschränken. Will ich das? Eigentlich nicht.

    Abschließend kann ich nur sagen, wenn mir das schon so geht – wie geht es denn dann bitte erst Bloggern, die täglich schreiben oder gar davon leben? – Aus Museumssicht: Hörst Du jetzt ein ganz lautes Seuftzen aus dem Norden! Die Rechtslage ist eindeutig und trotzdem denke ich mir, Museen sollten/müssen ihre Sammlungen öffnen in welcher Form auch immer.

    Wenn ich weiter darüber nachdenke, dann bin ich auch wieder direkt bei meinem Thema „Pressebilder“ angekommen: Warum gibt es auf Homepages von Museen Presseseiten mit Passwörtern? (https://kulturundkunst.wordpress.com/2014/12/12/seminar-grundlagen-pressearbeit/)

    Fotos und Bilder… ein Thema, das mich mehr und mehr nervt. Ich würde viel mehr Fotos aus Museen posten, viel mehr darüber schreiben, aber oft sind mir die Hände gebunden. Ich gucke mir sehr viele Ausstellungen an, auf meinem Blog landet nur ein Bruchteil – oft: weil ich die Fotos nicht verwenden darf.

    Schade, für Blogger und die Museen. Kostengünstigere Werbung für eine Kultureinrichtung kann es doch nicht geben. Mich macht es oft traurig. Und dann denke ich an die Menschen, die nicht in der luxuriösen Situation sind, öfter ins Museum gehen können, einfach, weil sie es sich nicht leisten können. Ihnen bleibt unser kulturelles Erbe vorenthalten.

    Ok, ich höre jetzt auf, wie Du siehst, es wäre ein eigener Blogeintrag gewesen. Evtl. kopiere ich mir meinen Kommentar noch mal. 😉

    Liebe Grüße
    Wera

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    1. Liebe Wera,

      ich bin begeistert, dass Du dir soviel Zeit für einen Kommentar genommen hast. Ich hoffe es folgen noch mehr solcher Kommentare um die Größe des Problems sichtbar zu machen. Im Marta Herford haben wir den Pressebereich gerade geöffnet. Passwort geschützt sind diese Bereiche oft, weil man den Journalisten ja auch Texte etc. zur Verfügung stellen möchte. Manche Autoren erlauben das nicht, wenn die Bereiche offen sind. Also wieder ein ähnliches Problem wie mit den Bildern.

      Ich bin vor allem immer wieder frustriert, weil gleichzeitig einfach der Druck steigt ein offenes Museum für jeden zu schaffen. Dieser Bildungsauftrag geht online verloren, wenn man keine Abbildungen zeigen kann.

      Ich denke dabei oft an die Monopol Ausgabe, in der alle Abbildungen von Werken von Damien Hirst fehlten, weil das Büro des Künstlers keine Erlaubnis gegeben hatte. Genau das werde ich in Zukunft auch tun. Ich glaube, dass solche Beiträge helfen, zu zeigen wie absurd diese Regelungen sind.

      lieben Gruß aus Münster

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  3. Liebe Michelle,
    toller Beitrag. Du sprichst wichtige Punkte an. Auch ich habe fast täglich mit Bildrechten im Museumsbereich zu tun. Da gibt es noch einiges an Diskussionsbedarf auf diesem Feld.
    Mit besten Grüßen aus Bonn
    Stephie

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      1. Liebe Michelle,
        puh, wo fängt man da an. Aber mir wäre wichtig, dass die Museen nicht alle immer so ängstlich wären. Ein offenes Museum, wie es an anderen Stellen schon anklingt, wäre toll. Es ist klar, dass die Strukturen überall anders sind und auch anders schwierig. Aber mit offenen Augen und Ohren solchen Fragestellungen gegenüberzutreten, fände ich toll. Es wird ja häufig gesagt, das ist bei uns im Museum nicht möglich. Und damit ist die Diskussion schon beendet. Das finde ich wirklich schade.
        Liebe Grüße
        Stephie

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  4. Im Kunstmuseum Ravensburg wurde (ganz zufällig kurz nachdem ich in meinem Blog genau das mitsamt Formulierungsvorschlag angreregt hatte) das Fotografieren erlaubt, aber auf den entsprechenden Schildern vor dem Hochladen urheberrechtlich geschützter Kunst ins Internet gewarnt. Das finde ich löblich. In anderen Museen, selbst in solchen, die nur sehr alte Kunstwerke oder auch sonstige Objekte (Volkskundliches z. B.) ausstellen, wird das Fotografieren hingegen verboten. Und zwar nicht mit Bauchschmerzen aus den besprochenen rechtlichen Gründen, sondern schlicht und ergreifend mit dem obrigkeitlichen Argument „Da könnte ja jeder kommen“. An Bildrechten ist für diese Museen ohnehin kein Pfifferling zu verdinen, es ist also wirklich nur der Größenwahn der Museumsdirektoren, gemischt mit einer Portion Marketingdummheit und allgemeiner Gestrigkeit. Beispiel in meiner Region: das Ulmer Museum, und auch das Landesmuseum Zürich. Toll auch das brandneue Fotografierverbot im Städtischen Museum in Wangen im Allgäu, eingeführt von einer neuen Leitung, wobei das Aufseherpersonal nur mit dem Kopf schüttelt und diesen dann gnädig auch in eine andere Richtung schüttelt, wenn man doch fotografiert… Ein Problem sind auch die Bedingungen von Leihgaben in Sonderausstellungen. Besonders albern ist das dann, wenn in einer Sonderausstellung in München Werke nicht fotografierbar sind, die es in ihrer „Heinat“ z. B. in Berlin im Museum durchaus sind…

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    1. Man könnte diese Geschichten auch mal Sammeln für eine eigene Absurditätenseite oder gleich ein Buch. Aber es ist trotzdem schön, dass sich wenigstens etwas bewegt und die ersten Museen ein Einsehen haben.

      Aber es stimmt, dass es oft von den Direktoren abhängt, die eben die Linie eines Hauses prägen. Das merkt man besonders an den Social Media Aktivitäten. Manch tolle Seite ist ja ins Vergessen geraten nachdem sich Strukturen änderten.

      Das Phänomen das die selben Werke nicht überall gleich fotografiert werden dürfen liegt am selben Prinzip. Manche Häuser, die es erlauben möchten dann, dass das auch nur bei Ihnen passiert wegen dem Werbeeffekt. Das ist dann aber schon die nächste Dimension des Verbots – aber nicht weniger absurd.

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  5. Meine Erfahrung ist, dass es zwar in Museen aus rechtlichen Gründen oft „Fotografieren verboten“-Schilder gibt, die Haltung der Aufseher aber eher Laissez-faire ist. Diese Praxis wird sicherlich dazu führen, dass früher oder später mal ein Museum abgemahnt wird (weil es nicht ordentlich aufgepasst hat), aber das werden absolute Einzelfälle bleiben. Es dürfte für Museen unterm Strich jedenfalls wesentlich günstiger sein, als sich die notwendigen Rechte zu kaufen. Insofern finde ich diese Handhabe ok.

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    1. Naja ich kenne Kollegen, die bereits für Besucherfotos nachträglich Gebühren bezahlen mussten. Je verbreiteter Phänomene wie Selfies werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich Zahlungen häufen. Ich plädiere für neue Regeln, weil auch Museen „ihren“ Leihgebern und Künstlern Vertrauen schulden. Es kann auch nicht die Lösung sein, dass man weg sieht und sich dem Problem nicht weiter stellt. Ich hoffe es wird bald diskutiert und eine Lösung gefunden, die für alle funktioniert.

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  6. Liebe Michelle,

    danke für deinen Beitrag! Besonders schön finde ich deine Anmerkung dazu, dass Besucher durch Museumselfies einen emotionalen Moment mit der Kunst erleben. Kunst erzeugt idealerweise beim Betrachter Emotionen – und wenn ein Selfie diese festhält, können Andere durch das Teilen dieses Moments in Sozialen Medien sogar daran teilhaben.

    Der Kommentar von Wera spiegelt meine eigene Sorge, die ich bereits einige Male beim bloggen hatte. Das Museumselfie in meinem Blogbeitrag zur Degas-Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe (http://musermeku.hypotheses.org/2153) hatte mir auch einen panischen Moment beschert, in dem ich es aus dem Blogbeitrag löschte und aus meinem Twitterprofil. Nach der Panik fasste ich mir ein Herz und fragte bei der Kunsthalle an, ob sie beim Leihgeber des Bildes, dem Kunstmuseum Winterthur, eine Veröffentlichungserlaubnis für mich erfragen könnten. Glücklicherweise erhielt ich die Erlaubnis und durfte das Bild wieder in den Blog einfügen.

    Es wäre gut, wenn Museen – nicht nur für Blogger sondern auch für Besucher – im Vorfeld Sicherheit schaffen könnten, welche Werke fotografiert werden dürfen.

    Viele Grüße
    Angelika

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    1. Liebe Angelika,

      danke für deinen Kommentar. Für Blogger Sicherheit zu schaffen ist einfacher, denn diese können im Zweifel die Pressebilder benutzen. Ich finde es sollte auch mehr davon Gebraucht gemacht werden, Blogger darauf hinzuweisen, dass diese Option existiert. Darüber hinaus sollte man interessierten Bloggern sicherlich auch anbieten in Presseverteiler etc aufgenommen zu werden, wenn diese das wünschen.

      Für Besucher ist es ungleich schwieriger und sehr davon abhängig mit welchen Leihgebern, Künstlern etc. man zu tun hat. Axel hat zudem eine verbreitetes Phänomen angesprochen, dass viele Museen mittlerweile auch schon mal wegsehen. Andere dagegen sind total rigoros und wieder andere erlauben es eben einfach. Nichts davon scheint mir auf Dauer eine wirklich elegante Lösung zu sein. Ich sehe Museen eben auch in der Pflicht aufzuklären und Medienkompetenz zu vermitteln. Wir sollten zeigen wie man vernünftig und bewusst mit Werken und ihren Abbildungen umgeht und ebenso auf Künstler und Leihgeber zugehen um Skepsis abzubauen. Auch können Mitarbeiter, die Führungen und Workshops machen für diese Fragen sensibilisiert und geschult werden. Als direkte Ansprechpartner können sie das Auge des Besuchers auf spannende und gute Fotomöglichkeiten hinweisen und aufklären warum manche Werke eben nicht fotografiert werden können. Das selbe gilt selbstverständlich für den Besucherservice und so weiter. Aber es hat ja niemand gesagt, dass es nicht noch einiges zu tun gibt 😉

      Lieben Gruß

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      1. > Für Blogger Sicherheit zu schaffen ist einfacher, denn diese können im Zweifel die Pressebilder benutzen.

        Das ist halt die Frage: Als Blogger mit einem privaten Blog bin ich ja erstmal nicht Presse, sondern halt Privatperson. Man kann sich jetzt lange streiten, ob ich Presserechte für mich in Anspruch nehmen kann, aber im Zweifelsfall gehe ich dann doch das Risiko eines Rechtsstreits ein und verzichte auf das Pressematerial. Wenn ich jetzt aber „nur“ auf Facebook oder Twitter unterwegs bin, bin ich dann aber definitiv keine Presse mehr.

        Dazu kommt gerade in den Pressebereichen ein weiteres Ärgernis: Es gibt nicht zu jedem Objekt ein Foto, sondern häufig nur 4-5 Bilder der herausragensten Stücke. Will ich jetzt aber über etwas schreiben, das mich selbst besonders beeindruckt hat, finde ich kein Bildmaterial. Vielleicht gibt es das im Katalog, aber dann auch meistens nur als kleine Abbildung, die ich auch nicht scannen darf.

        > Momentan sieht es also so aus, dass man eigentlich mit jedem Künstler bzw. Rechteinhaber eigene Verträge aufsetzen muss, einfach nur, damit man online beispielsweise seine museumseigene Sammlung präsentieren kann. Selbst bei einer kleinen Sammlung ein immenser Aufwand.

        Fotoverbote gibt es leider auch in „historischen“ Museen, die Bilder und Gegenstände zeigen, deren Urheber schon lange tot sind. Die Nofretete darf ich nicht fotografieren, obwohl es dort keine Rechte mehr gibt. Es gibt natürlich konservatorische Bedenken bei massivem Blitzlichteinsatz durch die Besucher, aber im Kern wären Bilder unter freier Lizenz wenigstens von den gemeinfreien Ausstellungsstücken Pflicht.

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      2. Vielen Dank für den Beitrag, ich bin begeistert was für eine Diskussion ans Laufen gekommen ist.

        Zu den alten Werken kann ich nur immer wieder sagen, dass Fotoverbote nicht zur Debatte stehen sollten. Blitzlicht kann ja verboten sein, aber Fotografieren muss hier heutzutage möglich sein.

        Beim Blogger kommt es darauf an um welchen Typ Blog es sich handelt. Schreibt man über Inhalte, die einen auch nur leicht beruflich berühren sagt die deutsche Rechtssprechung, dass es sich nicht mehr um rein private Nutzun handelt und es z.B. eine Impressumspflicht gibt. Demnach bin ich der Meinung, dass viele Blogger den „Pressestatus“ für sich beanspruchen könnten. Für einen Rechtsstreit braucht es letztendlich auch einen Schaden, der nachgewiesen werden muss. Das ist aber wieder ein wirklich anderes Feld, für das ich kein Experte bin.

        Zu Pressebereichen auf Museumsseiten kann ich aber sagen, dass auch die dort bereitgestellten Bilder von Leihgebern und Künstlern abhängen. Wenn diese Abbildungen gegenüber skeptisch sind ist das Bildmaterial meist rar. Im Zweifel lohnt sich eben ein Anfragen bei der Presseabteilung nach anderen Abbildungen für Blogger. Das machen Journalisten auch regelmäßig. Positive Kontakte führen auch hier sicher zu mehr Sensibilisierung für Bloggerbedürfnisse.

        Viele Grüße

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  7. Hinweise zur Rechtslage habe ich in Archivalia gegeben, man muss sich durch einige Links klicken, sorry. http://archiv.twoday.net/stories/1022392720/

    Für private Zwecke darf nach dem Urheberrecht GRUNDSÄTZLICH in Museen geschützte Kunst fotografiert werden (§ 53 UrhG). Veröffentlicht werden darf nach dem UrhG a) was als Pressebild freigegeben ist, b) was vor Ort erlaubt wird, c) was der aktuellen Berichterstattung dient (muss nach einem Jahr oder so leider wieder gelöscht werden), d) was im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG) Ausführungen BELEGT.

    Anders als Angelika habe ich KEIN Verständnis für Museen, die in Ausstellungen gemeinfreier Werke das Fotografieren verbieten. In der Regel haben aber leider die Social Media Fuzzys der Museen nicht das Standing, den für die Verhandlungen mit den Leihgebern Zuständigen auf die Füße zu treten, dass dieses Verbot völlig unsinnig ist und auch nicht mit EU-Vorgaben in Einklang steht (Gemeinfreies muss bei der Digitalisierung = Aufnahme mit der DigiCam gemeinfrei bleiben). Ich stell mir das so vor: Kurator fragt (bestenfalls): Können wir denn Ihre Bilder fotografieren lassen. Leihgeber sagt: Nein. Kurator sagt: Vielen Dank, das wollte ich hören. Keine Veränderung wagen.

    Mit zuviel Verständnis für die bisherige Praxis ändert sich NICHTS.

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    1. Guten Abend Herr Graf,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und den Link. Ich stimme Ihnen vollkommen beim Thema Gemeinfreies zu. Deshalb gilt ja eigentlich: „wohl dem, der alte Neister zeigt!“ Bei der neueren Kunst ist es ja leider komplizierter. So als Social Media Fuzzy 😉 kann ich sagen, dass es nicht darum geht den Kollegen auf die Füße zu treten. Die Anbahnung eines Leihvertrages ist komplex und beinhaltet mehr Personen als den Kurator. Manchmal werden Bedingungen erst spät mitgeteilt oder bereits im Vorfeld ist bekannt, dass es Werke nur unter strengen Auflagen geliehen gibt. Soll man diese deshalb nicht Zeigen? Das kann keine Lösung sein. Aber nun bin ich wieder bei meiner Forderung nach einer Diskussion und neuen Regelungen gekommen.

      Viele Grüße

      Gefällt 1 Person

  8. Ich habe in einem Museum in Amsterdam erlebt, wie jemand mit einer Spiegelreflaxkamera die komplette Ausstellung „durchfotografiert“ hat. Das war schon sehr sehr nervig. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die Leute auch noch anfangen, sich gerade vor den interessanten Werken selbst in Szene zu setzen, dann wird das eher zum Kasperevent und man kommt gar nicht mehr dazu, sich mit einem Werk in Ruhe zu beschäftigen. Ich finde die jetzige Lösung besser: Man kann sich ja doch immer, wenn man will ein Erinnerungsfoto stibizen – man darf es nur nicht zu auffällig machen.

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    1. Das ist natürlich eine persönliche Befindlichkeit. Schlechtes Benehmen kann man natürlich durch Verbote regeln und so etwas ist ärgerlich, aber kein hinreichender Grund für ein Fotoverbot. Ich als Kunsthistorikerin habe ein Museum auch am liebsten leer und für mich allein, deshalb kann ich aber keinen Einlassstopp von Schulklassen oder Führungen fordern. Manch einer mag nicht wenn es Unterhaltungen gibt während er Kunst anschaut, deshalb gibt es trotzdem kein Redeverbot. Ich fühle
      mich auch oft von Audioquides gestört, weil viele Nutzer nicht schauen wo sie hinlaufen.

      In jeder Kirche knipsen sich Touristen heute wie verückt. Das mag auch ärgerlich sein, aber deshalb sollte man es nicht gleich verbieten. In der Erlaubnis liegt die Chance Kompetenzen zu vermitteln und das Museum zu einem lebendigen Ort zu machen. Menschen mit schlechtem Benehmen wird es immer geben. Dafür gibt es auch noch das Aufsichtspersonal.
      Und wenn wir alles verbieten, dass möglicherweise jemanden stört, dann wird diese Welt ein ganz schön trister Ort!

      Viele Grüße

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    2. Wer wirklich die komplette Ausstellung fotografiert, ist entweder wissenschaftlich daran interessiert oder gar für eine entsprechende Arbeit darauf angewiesen oder lädt es in die Wikimedia Commons hoch oder beides… Solange Museen selbst ihre ausgestellten Objekte nicht oder nur mit nicht frei lizenzierten Bildern bzw. mit mehr oder weniger Thmbunails im Netz präsentieren, ist diese Arbeit absolut notwendig und hilfreich.

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