Warum die Panoramafreiheit NICHT die Aura von Kunstwerken zerstört!

In der Die Zeit vom 2.7.15 hat Lars Weisbrod einen Kommentar zur Panoramafreiheit geschrieben, der höchstwahrscheinlich witzig und ironisch sein sollte. So schreibt er, dass die Abschaffung der Panoramafreiheit in Europa endlich die Aura von Kunstwerken retten würde. Darüber hinaus erfahren wir, dass der Autor offensichtlich fotowütige Freunde hat, die aus ihrem Urlaub 500 Fotos vom Eiffelturm mitbrachten. Etwas, das ebenso verboten werden sollte. 

Die Aussagen möchte ich eigentlich nur ironisch – gar satirisch – verstehen, befürchte jedoch, da der massive Aufschrei gegen das geplante Verbot in der Öffentlichkeit bisher ausblieb, dass die meisten Menschen gar nicht begreifen wie einschneidend die Abschaffung der Panoramafreiheit in Europa für unsere Lebensrealität wäre. Es geht nicht nur um die 500 mittelmäßigen Fotos vom Eiffelturm. Es geht um essentielle Kommunikationsmöglichkeiten. Museen, die von Star-Architekten wie Zaha Hadid oder Frank Gehry gebaut wurden, dürften nicht mehr abgebildet werden. Der Otto-Normal-Verbraucher dürfte sich streng genommen davor überhaupt nicht mehr fotografieren. Denn sein wir ehrlich, wer kann die Rechtslage öffentlicher Gebäude überblicken? 

Was macht zum Beispiel eine Stadt wie Münster, die alle 10 Jahre die Skulpturprojekte veranstaltet. Eine Ausstellung im öffentlichen Raum, nach der viele Werke in der Stadt verbleiben. Einige davon sind so raffiniert im Stadtbild platziert, dass sie nicht sofort als Kunst erkennbar sind. Ein künstlerischer Kommentar zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. So gibt es im Münster beispielsweise 2 Bushaltestellen, die von Künstlern als Werk zur Ausstellung beigetragen wurden. Die meisten Menschen wissen dies wahrscheinlich gar nicht. Sollte nach Abschaffung der Panoramafreiheit eine dieser Bushaltestellen auf einem Foto auftauchen ist das ein Fest für Abmahnanwälte, aber was hat die Kunst dadurch gewonnen? 

Meiner Meinung gewinnt Kunst an Aura dadurch, dass man über sie spricht, schreibt und sie eben auch abbildet. Das man sie feiert, liebt und wertschätzt. Den Eiffelturm schon tausende Male auf Fotos gesehen zu haben, sinkt nicht die Faszination desselben, ansonsten würde sich dort ja nicht jeder Parisbesucher mindestens einmal ablichten. Es ist der menschliche Wunsch zu zeigen „Ich war hier!“ oder „Das muss man gesehen haben“. Darüber hinaus wird bei dieser Debatte offensichtlich vergessen oder schlicht weg nicht gewusst, dass das Urheberrecht beim Urheber also Künstler/Architekten liegt. Das heißt eben auch, dass Städte nicht mehr mit ihren Wahrzeichen werben dürfen. Also nicht ohne schriftliche Genehmigung und ggf. Lizenzahlungen.

 Viele spannende Gebäude und Kunstwerke im öffentlichen Raum wurden aus Steuergeldern finanziert, ein Umstand, den es zu öffentlichem Eigentum macht. Man kann nicht mit dem Geld der europäischen Bürger unsere Städte immer schöner machen und den Zahlern dann ihr Recht auf Kommunikation und Teilhabe verweigern. Das ist auf mehreren Ebenen eine unfassbare Idee, die gerade in heutigen Zeiten von sozialen Medien und fotofähigen Smartphones einfach an der Lebensrealität von uns allen vorbei geht. Herrn Weisbrod steht es natürlich zu keine Fotos zu machen und mit anderen zu teilen. Das ist seine persönliche Freiheit, die ihm bleibt, mit oder ohne Panoramafreiheit!

Für wen die Panoramafreiheit auch ein absolutes Muss ist, der kann die Petition dafür unterschreiben!

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Veröffentlicht von

Michelle vanderVeen

Digitale Kommunikation & Marketing | Account Manager Digital & Content @GraylingDE | #blogger @MuseumLifestyle | Goldener Blogger 2015

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