Museen und Influencer | (k)eine Liebesgeschichte

Sie sind der neue Hit im Marketing-Bullshit-Bingo, aber wenn man das für einen Moment außen vor lässt, geht es um eine spannende Sache. Viele Unternehmen haben sie bereits für sich entdeckt und arbeiten nachhaltig und intensiv mit ihnen zusammen. Die Influencer.

Diesmal soll es hier nicht spezifisch um das Verhältnis von Museen zu Bloggern gehen, sondern im Allgemeinen um den Umgang und das Potenzial von Influencer Marketing. Blogger sind ein Teil davon, aber nicht alles. Längst erstreckt sich die große Menge von potentiellen Influencern und Personen, die sich als solche identifizieren lassen, auf diverse Plattformen.

Die Möglichkeiten und der inhaltliche Spielraum, der sich Museen und Kulturinstitutionen durch eine Zusammenarbeit mit Influencern erschließen könnte, scheint in Deutschland noch nicht klar zu sein. Das wundert mich (!) und deshalb möchte ich mit diesem Beitrag Museen dazu ermutigen mehr zu experimentieren und ihren Fokus auf eine Marketingform zu lenken, die in Deutschland eigentlich noch gar nicht von Museen genutzt wird.

Natürlich gab es bereits einige Community-Abende und Blogger-Reisen, aber bisher scheint mir hier keine nennenswert sinnvolle Auswahl der Teilnehmer getroffen worden zu sein. Zumindest die ganz großen Blogger, Youtuber, Instagrammer und Snapchatter hat man bei sowas noch nicht gesehen. Vor allem wird nicht über den Tellerrand geschaut. Ich möchte mit diesem Beitrag auf keinen Fall klein reden was alles schon umgesetzt wird, sondern einen Marketingaspekt beleuchten, der noch nicht in Museen angekommen ist.

Wer oder was ist ein Influencer?

Der (bereits abgenutzte) Begriff kommt, welch Überraschung, aus dem Englischen und bedeutet:

Influencer (von engl. to influence: beeinflussen) ist ein um 2007 entstandener Begriff für eine Person, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in den sozialen Netzen des Internets für das Marketing interessant wird.

(Quelle: Wikipedia)

Wer und wo sind die Influencer?

Ein Influencer kann per Definition vom Blogger bis zum Snapchatter jeder sein, der über eine relevante Reichweite verfügt. Eigentlich gibt es sie schon ewig, bekannt unter dem etwas weniger hip klingenden deutschen Begriff „Markenbotschafter“.

Die Reichweite einer Person ist auf allen Plattformen unterschiedlich zu bewerten. Hier empfiehlt es sich, zu analysieren und genau zu definieren, welche Zielgruppe man auf welcher Plattform erreichen möchte. Ein Blogger mit 10.000 Lesern kann dabei genau so wichtig sein, wie ein Instagrammer mit 20.000 oder ein Youtuber mit 1 Million, da diese vermutlich ganz andere Communities aufgebaut haben und keine identischen Fans vorweisen. Eine Million muss auch nicht besser sein als 10.000, wenn die Zielgruppe nicht stimmt. Ebenso ist das Verhalten der Nutzer sehr unterschiedlich auf den Plattformen. Nicht nur reine Followerzahlen, sondern vor allem die Follower-Like-Ratio gibt Einblick wie viele User tatsächlich im Schnitt auf Beiträge reagieren. Diese also auch tatsächlich wahrgenommen haben. Zudem können Follower gekauft sein, vor allem auf Instagram ziemlich beliebt momentan. Wer dort 3000 Follower, aber nur 20 Likes unter jedem Bild hat, hat wahrscheinlich eingekauft und kann keine gewachsene Fanbase vorweisen. Das ist wirklich ein häufiges Phänomen und nicht verwunderlich, sobald man festgestellt hat, dass 2000 Follower auf Instagram bereits für das Schnäppchen von 30€ zu haben sind.

Wie immer beginnt die Identifikation eines Influencers mit der Recherche und mit der Frage an wen man eigentlich was kommunizieren lassen möchte. Eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Plattformen ist ebenfalls obligatorisch als Vorbereitung. Ansonsten wird man diese kaum bewerten und einordnen können in die eigene Strategie. Vorausgesetzt so weit ist man überhaupt schon. Ansonsten erstmal Strategie überlegen!

Warum ausgerechnet Influencer?

Museen selbst haben einen klaren Bildungsauftrag und müssen gleichzeitig der Politik jährlich ihre Zahlen präsentieren und sich im Zweifelsfall auch öffentlich für diese rechtfertigen. Dadurch entsteht doppelter Druck, das ist ganz klar.

Auf den eigenen Kanälen, auch in den sozialen Netzwerken, darf nicht immer experimentiert werden, inhaltlich ist man auf jeden Fall gebunden. Wildes experimentieren scheint auch nicht immer sinnvoll oder empfehlenswert.

Wenn man jedoch zum Beispiel einem bekannten Youtuber das Haus überlässt, können dabei unterhaltsame Dinge entstehen:


Zum Video: Der Franzose Jerome Jarre hat knapp 960.000 Abonnenten auf Youtube. Das Video wurde bisher fast 300.000 mal geschaut, hat 1.200 begeisterte Kommentare und kann damit als äußerst erfolgreich für das Museum gelten, das selbst nur auf 4.700 Abonnenten kommt. Die Filme, die das Museum selbst postet, erreichen im Schnitt etwa 3.000 Aufrufe. Einige wenige zu Blockbuster-Ausstellungen haben auch hier knapp eine halbe Million Aufrufe erreichen können. Allerdings über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. Eine Zusammenarbeit mit dem Youtuber war folglich ein echter Coup, wenn man davon ausgeht, dass dieser Menschen erreicht, die das Museum noch nicht kennen oder noch nicht dort waren und ganz sicher das Museum nicht abonniert haben.

Das ein Museum es in Europa auf fast 1 Million Abonnenten bringt, halte ich für höchst unwahrscheinlich, wenn ich mir die erfolgreichen Youtuber und ihre Formate anschaue. Sehr wahrscheinlich ist es sogar schlichtweg unmöglich zum jetzigen Zeitpunkt als Museum auf eine Million Follower zu kommen. Der Louvre zum Beispiel hat keine 8.000 und steht damit als Museum schon ziemlich gut da. Diese 8.000 sind deshalb nicht schlecht oder weniger wert, sie sind sogar wichtig, denn eine solide Fanbase braucht jeder, der sich im Netz bewegt!

Nun könnte man sagen, Museen werdet kreativer, werdet innovativer und macht alles anders. Doch ehrlich gesagt kann dieser Anspruch von Museen mit ihrer aktuellen finanziellen Ausstattung kaum geleistet werden. Das ist utopisch!

Deshalb verstehe ich auch nicht warum hier nicht viel mehr mit Influencern, beispielsweise Youtubern, gearbeitet wird. Das wäre nicht günstig, aber weitaus nachhaltiger als eine Printkampagne, die im Anschluss in der Versenkung bzw. im Papiermüll verschwindet. Zumal davon ausgegangen werden kann, dass eine große Aktion mit einem bekannten Youtuber auch mediale Aufmerksamkeit erregen würde. Ist so etwas doch immer noch die große Ausnahme. Man denke nur an die umfassende Berichterstattung als LeFloyd die Kanzlerin interviewen durfte oder als Bibi für DM einen Duschschaum kreiert hat.

Überwindet Eure persönlichen Vorlieben!

Das größte Problem, dass ich bei erfolgreichem Influencer Marketing von Museen sehe, sind die persönlichen Vorlieben und Vorurteile. Viele Museumsmitarbeiter, die ich getroffen habe, können mit Blogs, Snapchat, Instagram oder Youtube gar nichts anfangen. Müssen sie privat auch nicht! Wobei das Besetzen von Stellen mit Menschen, die sich auch privat für diese Dinge interessieren, sicher von Vorteil ist. Dieses Fass lasse ich heute allerdings fest verschlossen.

Marketing bedeutet nicht, dass zu machen, das am besten zu einem selbst passt, sondern was am besten für die Institution funktioniert. Das setzt natürlich auch wieder eine genaue Zielvorstellung voraus und eine gute Einarbeitung in das Thema, aber das ist ja Teil des Jobs und wurde auch von jedem im Studium erlernt.

Mein ganz persönliches Lieblingsbeispiel ist die Museumsgeschäftsleitung, die ihren Mitarbeiterinnen verbot, mich für MuseumLifestyle schreiben zu lassen, weil Lifestyle- und Fashionblogs angeblich abgehoben und für ein Museum nicht angemessen seien. Nach meinem ersten Ärger, lache ich heute über eine solche Engstirnigkeit. Kann man so entscheiden, zeigt auch wieder wunderbar den Handlungsspielraum der Mitarbeiter an manchen Häusern.

Natürlich muss man Blogs nicht gut finden, man muss sie auch privat nicht lesen, man sollte aber so weit abstrahieren können, dass ein solcher Blog mit mehreren tausend Lesern im Monat, Menschen erreicht, die ein Museum ansonsten eben nicht unbedingt erreicht. Das gleiche gilt auch für Youtuber oder große Instagrammer. Gerade für die Youtuber noch viel mehr, da diese einfach gleich mehrere 100.000 Abonnenten mitbringen. Und das sind eigentlich alles schon „Klassiker“ des Social Webs. Das sind Plattformen und Kommunikationswege, die es seit über 10 Jahren gibt und nicht erst seit Vorgestern. Die gehen auch nicht wieder weg 😉 Und auch wenn die ein oder andere Plattform in der Zukunft verschwinden mag, die sozialen Medien werden sich nicht in Luft auflösen.

Unternehmen arbeiten schon hart daran sich Snapchat und Whatsapp zu erschließen, während Museen offensichtlich noch generell mit dem digitalen Verhalten der Allgemeinheit hadern.

Traut Euch einfach!

Es wird immer geklagt, dass Geld wäre knapp, die personellen Ressourcen sind es sowieso, und trotzdem sind die großen Kunstmagazine voll mit Anzeigen, trotzdem sehe ich Plakate an Bahnhöfen und Litfaßsäulen. Nun seien wir also mal ehrlich, Budgets gibt es, nur das Einsatzgebiet ist nach wie vor eher konservativ. Das personelle Ressourcen an allen Ecken und Enden fehlen ist gerade ein Argument für mehr Aktionen mit Influencern, denn hier gebe ich die Arbeit guten Gewissens an jemanden ab, der das erwählte Medium und seine Community ohnehin viel besser kennt und Erfahrungen mit gutem Content hat.

Das kostet selbstverständlich Geld, aber so ist das nun mal mit gutem Marketing. Dafür bringt jemand nicht nur Zeit, sondern auch Know-How und die notwendige Technik mit. Ebenso sich selbst. Die Rechnung kann bei guter Planung aufgehen. Das Resultat kann sogar eine Geldersparnis sein. Man lässt zwei Anzeigen weg pro Ausstellung, engagiert für das Geld 1-3 richtig gute Personen, die verschiedene Plattformen bedienen und bekommt auch noch Inhalte, die sich gut teilen lassen und viel mehr Menschen erreichen als eine Printanzeige in einem Special-Interest-Magazin. Da gibt es unglaublich viel ungenutzte Gelegenheiten und Potential.

Macht es nachhaltig!

Wenn mit jemandem gearbeitet wurde, sollte das natürlich auch für das eigene Haus genutzt werden. Videos sollten auf die Homepage eingebunden und den eigenen Kanälen geteilt werden. Das gleiche gilt für Blogbeiträge. Bis heute ist es mir vollkommen unverständlich, dass ich eingeladen werde und schreibe und dann passiert…. nichts! Das Internet ist doch keine Einbahnstraße, sondern ein fließender Kosmos, in dem sich Menschen bewegen. Warum sollte man jemanden einladen, der schreibt/filmt/instagramt oder ähnliches und das nicht teilen. Auch das verschenktes Potential, verschenkter Content. Ich meine den eingeladenen Personen wird es am Ende egal sein, sie haben ja Content für ihre Kanäle und eine Bezahlung bekommen, aber das Museum als Auftraggeber eine Chance verpasst.

Und macht Euch die Mühe die Personen persönlich auszuwählen anstatt irgendwelche „exklusiven“ Events zu veranstalten, auf die man sich bewerben kann. Das nennt man Gewinnspiel oder Verlosung und hat mit echtem Influencer Marketing überhaupt nichts zu tun. Besonders albern wird es dann, wenn „heimlich“ einige Personen doch eingeladen werden. Spricht sich immer rum!

Welcher gut ausgelastete Blogger/Youtuber/Instagrammer bewirbt sich auch auf sowas? Gar keiner, der damit sein Geld verdient! Ich habe auch noch nie einen Aufruf gesehen, in dem Grafiker gebeten werden sich zu bewerben, damit sie gratis einen Katalog gestalten dürfen.

Und wenn dann die Reichweite oder das Ergebnis eines Events nicht stimmt, heißt es in der Geschäftsleitung „Bringt ja eh nichts!“. Nee, tut es so auch nicht! Behauptet auch keiner, der was von der Materie versteht.

Also traut Euch und entwickelt neue Formate mit den Menschen, die das richtig drauf haben. Da gibt es viele und sicher sind genug dabei deren Themen gut zu Museen und Ausstellungen passen würden.

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#KulturBlogger United | Statement zu erfolgreichen Kooperationen mit Institutionen

Ein Gruppenbeitrag von Angelika Schoder, Wera Wecker und mir.

Die Kulturblogger-Szene ist klein. Wir kennen uns fast alle persönlich und stehen über die sozialen Netzwerke in engem Kontakt und Austausch. Auf diesem Wege erfahren wir oft schnell von den Kooperationsanfragen und Einladungen zu Bloggerreisen. Es zeigt es sich immer wieder, dass Kooperationen und Einladungen für viele Institutionen noch neu sind. Dabei passieren natürlich auch immer wieder Pannen oder Missverständnisse. Wie man aus solchen lernen kann, hat Angelika exemplarisch an der Kunsthalle Karlsruhe in diesem Artikel festgehalten. Michelle hat in diesem Beitrag zudem erste Schritte für Blogger Relations zusammengefasst und Wera hat für Kulturinstitutionen bereits einen Leitfaden geschrieben.

Pannen sind menschlich und wir erwarten keine Perfektion, da wir selbst nicht perfekt sind. Bloggen ist bei den meisten von uns eine Leidenschaft, wir brennen für unsere Themen, sonst würden wir nicht so viel Zeit investieren. Bei einigen Anfragen zu Kooperationen, wie etwa Bloggerreisen, fällt uns jedoch auf, dass immer wieder ähnliche Fehler gemacht werden. Darum haben wir uns nun dazu entschieden, in diesem Beitrag Anregungen und Hilfestellungen zu geben, wie man als Institution auf Blogger zugehen kann, damit in Zukunft einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Kulturblogger-Szene und den Museen nichts mehr im Wege steht.

Wir nennen weder Namen noch Häuser, aber aufgeführte Beispiele sind tatsächlich geschehen. Wir würden uns freuen, wenn wir zu einer besseren Kommunikation beitragen können und möchten jedes Haus dazu ermutigen, den Schritt in Richtung Blogger-Relations zu wagen und vielleicht auch eine Reise für Blogger anzubieten.

Diesen Artikel haben wir zu dritt verfasst, Angelika, Wera und ich. Wir hoffen, dass er wächst und sich weitere Blogger anschließen. Jeder, der diesen Beitrag als in seinem Sinne empfindet, ist eingeladen sich via Kommentar oder in einem eigenen Beitrag anzuschließen.

Aber nun zu den Tipps für interessierte Institutionen.

Das Anschreiben

Eine persönliche Ansprache ist das A und O in der Kommunikation. Blogger-Relations funktionieren anders als die klassische Presseansprache. Blogger wünschen sich eine individuelle Ansprache. Da in der Regel eine erste Kontaktaufnahme per E-Mail erfolgt, sollte man zu einer höflichen und vor allem namentlichen Anrede tendieren, wobei das „Sie“ immer eine gute Wahl ist. In den sozialen Netzwerken ist das wieder anders. Jedes Medium funktioniert nach eigenen Regeln. Sollten Sie die Blogger bereits kennen, steht einem “Du” selten etwas im Wege.

Tipp: Starten Sie eine Kontaktaufnahme lieber zu förmlich als zu informell.

Die Zusammenarbeit mit Bloggern ist eine Win-Win-Situation für alle und sollte direkt am Anfang bereits mit gegenseitigem Respekt beginnen. Viele von uns haben studiert, mancher sogar promoviert, sind berufstätig und ebenfalls vom Fach. Gerade das sollte nicht vergessen werden. Und ein Kunsthistoriker, der selbst in einem Museum arbeitet, ist selten begeistert von Sätzen wie “und bei der Veranstaltung können Sie dann auch direkt sehen, wie ein Kurator so seine Recherche gemacht hat”. Schnell entsteht auf diese Art der Eindruck, dass Sie sich nicht mit uns und unseren Blogs auseinandergesetzt haben, sondern nur mit dem Fakt, dass unsere Blogs eine gewisse Bekanntheit erreicht haben.

Die Auswahl

Es gibt eine überschaubare Zahl an Kulturbloggern, aber wir sind doch zu viele, um eine feste Liste für Events darzustellen. Jeder von uns hat bestimmte Schwerpunkte und Themen über die er schreibt. Kooperationsanfragen, die damit nichts zu tun haben, bringen unsere Blogs nicht voran und die  Institution ebenso wenig, denn an jedem Thema und Blog hängt eine individuelle Leserschaft. Das gilt im übrigen für alle Blogs.Überlegen Sie von Beginn der Planung an, welche Ziele die Reise hat, welche Themen Sie bedienen und während der Reise aufgreifen und welche Blogger dazu passen könnten. Fragen Sie gerne nach Media-Kits und Lesern, wenn Sie eine bestimmte Zielgruppe erreichen möchten.

Tipp: Laden Sie sich ruhig eine bunte Mischung von Bloggern ein. Schauen Sie ebenfalls über den Tellerrand! 

Viele Reisen können dadurch bereichert werden, dass zusätzlich Architektur-, Reise- oder Lifestyle-Blogger eingeladen werden. Manche Kultur-Blogger pflegen zum Teil auch mehrere Blogs und es lohnt sich, eine kleine Recherche zu starten, zu welchem Blog die eigene Kooperationsanfrage am besten passen würde. Es gibt keine größere Enttäuschung vor Ort, wenn Blog und Event nicht zusammen passen. Keiner von uns dreien wird sicher vergessen, wie eine uns bekannte Foto-Bloggerin mit einem Fotoverbot konfrontiert wurde. Sie konnte also nicht über das Event berichten und hat im Prinzip ihre Zeit verschwendet.

Achtung: Es wäre eine Fehlannahme zu denken: „Die hat aber doch ein exklusives Event besucht.“ Wie fänden Sie es denn, wenn man Ihnen Ihre Traumschuhe in der falschen Größe schicken würde, um Ihnen dann zu sagen: „Freuen Sie sich doch, immerhin haben Sie nun tolle Schuhe zu Hause.“?

Die Kostenfalle

Die traurige Wahrheit ist, wie alles im Leben kosten Blogger-Relations Geld. Besonders Bloggerreisen sind ein teurer Spaß für jede Institution, deshalb sind wir jedes mal sehr begeistert, wenn dieses Abenteuer gewagt wird. Reisen sind die Königsklasse der Blogger-Relations und keineswegs muss gleich damit begonnen werden.

Tipp: Machen Sie im Vorfeld kleine Events und lernen Sie örtliche Blogger kennen.

Die Blogger, die im eigenen Ort wohnen, können Ihnen regelmäßig wunderbaren Content liefern. Pflegen Sie im Vorfeld diese Beziehungen, bevor Sie direkt mit einer Reise mit Bloggern aus ganz Deutschland starten.

Wenn eine Reise geplant werden soll, lohnt sicher auch ein Anruf bei einer anderen Institution, die bereits erfolgreich ein solches Event organisiert hat. Selbstverständlich kann man auch einen Blogger seiner Wahl kontaktieren und sich erkundigen oder diesen sogar mit der Planung beauftragen. Wenn eine Reise geplant wird, sollte man sich jedenfalls im Klaren darüber sein, dass sämtliche Kosten übernommen werden müssen. Die Aufgabe der Blogger ist, das Event in den Sozialen Medien zu begleiten und darüber zu berichten. Die Aufgabe der Institution ist die Organisation, die Betreuung und die Übernahme der Kosten. Selbst wenn wir Honorare beiseitelassen, die im Allgemeinen nicht unüblich sind, müssen auf jeden Fall die Fahrten, die Unterkünfte und die Verpflegung gewährleistet sein. Wir bloggen aus Leidenschaft. Für Reisen nehmen wir uns mitunter Urlaub und bringen viel Zeit mit. Nicht nur während des Events, sondern auch im Anschluss, wenn wir unsere Fotos bearbeiten und die Beiträge schreiben. Der Aufwand, der hinter Kulturblogs steht, wird häufig unterschätzt. Hätten Sie gedacht, dass hinter jedem Blogbeitrag mehrere Arbeitsstunden bis zu mehreren Tagen stehen? Stellen Sie sicher, dass zu diesem hohen Zeitaufwand nicht zusätzlich ein finanzieller Aufwand entsteht.

Fairness

Fairness ist für uns ein ganz wichtiger Punkt. In einer so kleinen Szene kennen sich die meisten Blogger untereinander und tauschen sich aus. Wenn Sie Blogger hier zu unterschiedlichen Konditionen einladen, spricht sich das schnell herum und sorgt für Unmut bei denjenigen, die benachteiligt werden.

Tipp: Bieten Sie Bloggern die gleichen Konditionen.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Blogs, sowohl was Qualität als auch Quantität und Reichweite der Beiträge angeht. Hinter jedem Blog steht aber eine Person, die diesen mit Liebe führt und pflegt. Das verdient Respekt und Fairness.

Wenn Sie 10 Blogger einladen, aber nur 4 Bloggern eine Kostenerstattung anbieten, spricht sich das schnell herum. Laden Sie in einem solchen Fall besser weniger Blogger ein und konzentrieren sich zusätzlich auf lokale Blogger, die keine Anreisekosten haben. Alles andere ist zutiefst unfair. Langfristig wirft es auch ein sehr schlechtes Bild auf eine Institution.

Hinweis: Wir verpflichten uns dazu, Kooperationen und bezahlte Beiträge auf unseren Blogs zu kennzeichnen. Wir sind der Auffassung: Jedwede Kostenübernahme seitens einer Institution sollte gekennzeichnet werden! Wir möchten jeden Verdacht von Schleichwerbung ausräumen. Darüber hinaus steht die Szene ohnehin für Transparenz. Ob ein Beitrag im Rahmen einer Kooperation entstand, ist wichtig für unsere Leser. Keiner von uns setzt für eine kleine Reise seinen guten Ruf aufs Spiel. Und ohne den würden Sie uns auch nicht einladen.

Wir wissen, Blogger Relations sind nicht ganz einfach und es gibt vieles zu beachten. Wer aber den Schritt wagt, kann ein wichtiges Netzwerk bauen und viele neue Möglichkeiten entdecken, um ein Projekt auf kreative Art zu fördern und bekannt zu machen.

In diesem Sinne empfehlen wir Ihnen auch die verlinkten Beiträge zum Thema und freuen uns auf die kommenden Events.

Beitragsbild: Impression vom Instameet in Hamburg (Oktober 2015), fotografiert von Angelika Schoder.

 

Rezension von #BlogBoosting | Was kann der Ratgeber?

Als ich vor Kurzem entdeckte, dass der Ratgeber Blog Boosting in zweiter Auflage erschienen ist, musste ich das Buch einfach kaufen. Verfasst von den zwei bekannten Bloggern Robert Weller und Michael Firnkes verspricht es nicht weniger als das umfangreiche Handbuch für Blogger zu sein, egal ob diese im Coporate Bereich tätig sind oder ihren eigenen Blog betreiben. Ich stehe Büchern, die als Ratgeber für digitale Aktivitäten verkauft werden, generell kritisch gegenüber. Viel zu oft schon ist es mir passiert, das für solch ein Buch mit Statistiken gearbeitet wurde, die mehrere Jahre alt sind oder die Autoren einfach schlichtweg Pech hatten, weil in der Zwischenzeit ein neues Google Update die Hinweise irrelevant gemacht hat. Lieber verlasse ich mich auf einschlägige Blogs, die oft aktualisiert werden und ältere Artikel immer wieder auf den neuesten Stand bringen. Die Tatsache einer zweiten, überarbeiteten Auflage hat mich aber neugierig gemacht. Selbstverständlich möchte ich auch wissen was potentielle

Das Buch "Blog Boosting"
Das Buch „Blog Boosting“
Kunden oder Partner bereits gelesen haben könnten. Nicht selten führt nämlich genau der ein oder andere Ratgeber dazu, dass ich Diskussionen über Dinge führen muss, die keine Rolle mehr spielen. Das beste Beispiel ist hier der Google PageRank, der ja bekanntermaßen seit bereits 2 Jahren eingestellt wurde. Trotzdem treffe ich immer wieder auf Gesprächspartner, die diesen nach wie vor für einen wichtigen Faktor halten und gar nicht wissen, das er de facto nicht mehr existiert. Auch mit Kollegen kann es in solchen Dingen zu den unsinnigsten Diskussionen kommen. Für mich ist das aber auch generell ein Problem von Ratgebern, die immer den Anspruch verkaufen, sie hätten einen Masterplan für jeden. Nachdem ich das Buch nun vollständig gelesen habe, möchte ich hier kurz festhalten für wen ich es geeignet finde, welche Inhalte mich begeistert haben und welche Kritik ich für unabdingbar halte.

Für Einsteiger | die Kapitel 2-7

Insgesamt ist das Buch in 12 Kapitel plus Einleitung und Fazit aufgeteilt. Bedauerlicherweise sind die ersten 6 Kapitel, die durch die Nummerierung der Einleitung Kapitel 2-7 sind, reine Einsteigerkapitel. Hätte ich dieses Buch nicht für meinen Blog rezensieren wollen, hätte ich es wahrscheinlich beiseite gelegt. Natürlich ist es immer schwierig eine gute Mischung zu finden und nicht jeder Leser ist ein alter Blog-Hase, trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Autoren genauer definieren wen sie mit dem Buch ansprechen wollen. Der Klappentext richtet sich explizit an Blogger, die ihren Blog optimieren möchten. Die ersten 6 Kapitel, die 2/3 des Buches füllen, drehen sich jedoch nur um den richtigen Aufbau eines Blogs. Wobei bei den gängigen Blog-Plattformen das wissenschaftliche „Hypotheses“ nicht einmal erwähnt wird. Da drängt sich mir die Frage auf, ob die Autoren dieses eigentlich kennen. Vielleicht stehen wissenschaftliche Blogs aber auch nicht auf ihrer Agenda.

Das nützlichste Kapitel ist in diesem Teil noch Nummer 6 zum Thema SEO, das sicher noch nicht jedem ausreichend vertraut ist. Dieses wird jedoch nur oberflächlich behandelt, da es, wie von den Autoren richtig angemerkt, ansonsten ein eigenes Buch füllen würde. Glücklicherweise werden auch einige empfohlen mit denen jeder das Thema weiter vertiefen kann. Für den Einstieg in die Materie halte ich das Kapitel aber für durchaus gelungen und sehr hilfreich.

Dagegen hätte ich mir vom Kapitel „Monitoring“ mehr erwartet. Gerade das ist ja ein ganz wichtiger Punkt beim Bloggen, dem jeder Blogger viel Zeit opfern sollte. Mir fehlen dort zudem wichtige Tools, die nicht genannt werden. Im Allgemeinen ist es ein großes Problem des Buchs, dass die beiden Autoren sehr von ihren eigenen Erfahrungen ausgehen, so das mancher Tipp mir sehr einseitig erscheint und nicht unbedingt für jeden Blogger geeignet ist. Doch dazu mehr in meiner Kritik am Ende des Beitrags.

Insgesamt werden in den ersten Kapiteln wichtige Dinge angesprochen, die jedem Blogger bewusst sein sollten. Beispielsweise die Macht des Designs, der Mehrwert des Contents und das Wichtige an der Blogger Community. Diese werden auch wirklich oft wiederholt. Etwas zu oft für meinen persönlichen Geschmack. Wer also über einen Blog nachdenkt oder gerade erst einen begonnen hat, dem wird dieses Buch gute Dienste erweisen. Eine weitere Einarbeitung in die jeweilige thematische Blogger Szene erübrigt es jedoch nicht.

Für Fortgeschrittene | die Kapitel 8-10

Nachdem ich mich die ersten Kapitel lang gefragt habe, wann den nun inhaltlich etwas für mich interessant ist, war ich froh bis Kapitel 8 durchgehalten zu haben. Kapitel 8 dreht sich um die Vermarktung von Blogs und hier werden wirklich alle Möglichkeiten vorgestellt. Von Netzwerken bis zur Blogparade ist alles dabei. Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass auch die Pressearbeit für Blogs als wichtiges Tool hervorgehoben wird. Dieser Aspekt entfällt bei den meisten Bloggern, die ich kenne vollständig. Eine Tatsache, die ich ebenso wie die Autoren nicht nachvollziehen kann, da gute Pressearbeit immer noch sehr viel bewirken kann. Noch ist Print nicht tot und auch Online Magazine bedienen sich natürlich guter Pressemitteilungen.

Zu Kapitel 8 passt dann auch direkt Kapitel 9 zum Thema „Monetarisierung“ von Blogs. Hier werden schließlich sämtliche Formen der Werbung und des Verkaufs von Blogs und Inhalten umfassend vorgestellt. Das einzige, das ich in Kapitel 9 vermisst habe, war die generelle Reflexion von bezahlter Werbung auf Blogs. Man merkt sehr, dass die beiden Autoren gute Erfahrungen mit Bannern und Affiliate Programmen gemacht haben. Ich finde einem Ratgeber steht es im allgemeinen jedoch gut, Dinge zu hinterfragen. Die zunehmende Werbung auf vielen Blogs irritiert mich zum Beispiel sehr. Damit meine ich vor allem Werbebanner etc., nicht bezahlten Content. Irgendwie feiern große, bunte, blinkende Werbebanner neuerdings ein Revival und das kann ich nicht gut heißen. Schnell kann die falsche Werbung die Reputation eines Blogs für immer zerstören. Ich persönlich bevorzuge jedenfalls werbefreie Angebote. Auch das Thema Ad-Blocker wird von den Autoren nicht berücksichtigt. Jedoch wird zurecht darauf hingewiesen, dass niemand sich auf eine Werbeart festlegen sollte, weil sich das Angebot und der Markt sehr schnell verändern. Ich denke viele Blogger wird dieses Kapitel besonders interessieren und wenn man an einer Monetarisierung interessiert ist, dann gibt es zahlreiche nützliche Hinweise. Mir ist es jedoch zu unkritisch und auch die rechtlichen Hinweise sind mit einer Seite doch etwas zu kurz gekommen.

Kapitel 10 mit „Profitipps für mehr Umsatz und Reichweite“ halte ich für eine ganz gute Zusammenfassung einiger wichtiger Punkte, über die man sich im klaren sein sollte. Wenn man schon einige Jahre erfolgreich bloggt, sollte jedoch alles davon hinreichend bekannt sein. Wobei ich hier möglicherweise den selben Fehler mache wie die Autoren und von mir auf andere schließe. Es geht auf jeden Fall unter anderem um Dinge wie Google Trends und Keywords, Email-Verteiler und Landing-Pages. Nichts davon ist Geheimwissen und auch online leicht auffindbar, der ein oder andere wird sich aber sicher über die Bündelung freuen und die Tipps behandeln auf jeden Fall alle wichtige Themen.

Für alle | die Kapitel 11-13

Die Kapitel 11 und 12 drehen sich um „Chancen und Risiken des Berufsbildes“ sowie um „Trends der Zukunft“ und sind recht allgemein geschrieben. Genauso gut hätten sie an den Anfang des Buchs gepasst. Bei den Risiken fehlt mir wieder ein umfassender, rechtlicher Ausblick wie in allen Kapiteln zuvor ebenfalls. Die beiden Kapitel sind auch mehr ein informativer Zusatz und stellen keine direkten Ratschläge für Blogger dar, verraten aber einiges über die Ansichten der Autoren. Mit ihren vorausgesagten Trends, liegen sie sehr wahrscheinlich gar nicht falsch, prophezeien sie doch den Anstieg von Newsfeeds im Netz und weniger Besuchen von Einzelseiten. Trends sind natürlich immer so eine Sache, aber ich finde es durchaus interessant, wenn Autoren eine Einschätzung zum Thema geben.

In Kapitel 13 zu „Praxistipps“ ist im Prinzip das ganze Buch nochmal in Kurzform gut übersichtlich zusammengefasst. Wenn man mit den Themen bereits vertraut ist, reicht vermutlich ein Lesen desselben vollkommen aus, um die Kernaussagen des Buchs zu begreifen. Ansonsten findet jeder Leser hier nochmal alles gebündelt an einem Ort. Definitiv ein Vorteil bei häufigem Gebrauch. Jedoch finde ich die „8 Erfolgsbausteine des Bloggens“ am Ende etwas überzogen. Wenn es so einfach wäre erfolgreich zu bloggen, nur weil man 8 Regeln beherzigt, dann würde es viel mehr erfolgreiche Blogs geben. Sehr viel mehr. Die Erfahrung zeigt dann doch, dass es weit mehr erfordert als 8 Schritte.

Kritik am Buch

Keineswegs ist es mein Anliegen hier einen Verriss zu veröffentlichen, aber ich finde zu einer guten Rezension gehört durchaus konstruktive Kritik, wenn es etwas zu kritisieren gibt. Im Allgemeinen finde ich das Buch sehr gut und einfach geschrieben. Empfehlenswert finde ich es allerdings vor allem für Einsteiger und unerfahrene Blogger, die damit ein gutes Basiswissen für sich gewinnen. Auch Firmen, die einen Corporate Blog aufsetzen möchten, können viele Infos für sich verwenden und so von Anfang an Fehler vermeiden. Keineswegs ist es meiner Meinung nach geeignet für erfahrene Blogger. Mir hätte es zum Beispiel kaum Mehrwert gebracht außer 2-3 weiterführenden Links, die ich vermutlich auch über Google gefunden hätte. Ein Buch zum Thema ist natürlich indirekt sehr hilfreich, da es das Thema nochmal anders greifbar macht. Das ist für mich ein klarer Gewinn.

Da die Autoren im Buch wiederholt nach Rückmeldungen fragen, möchte ich hier einige allgemeine Kritikpunkte äußern, die in der 3. Auflage korrigiert werden könnten.

  • Es gibt eindeutig zu viele Wiederholungen. Das wissen die Autoren auch selbst, denn sie kündigen diese gleich zu Anfang an. Nun gewinnt das Buch dadurch nicht an Mehrwert, sondern vor allem an Seiten. Auch als Nachschlagewerk ist es nur bedingt geeignet, wenn sich viele Themen in unterschiedlichen Kapiteln ständig wiederholen. Mich hat es beim Lesen tatsächlich gestört.
  • Die einzelnen Praxisbeispiele im Buch kommen zu gefühlt 90% von den beiden Autoren selbst. Das macht sie leider sehr einseitig. Ich hätte mich gefreut, wenn verschiedene Blogs herangezogen worden wären, vor allem auch aus den verschiedenen Bereichen.  Was bei einem Finanz- oder Marketingblog funktioniert, muss eben noch lange nicht für einen Reise- oder Lifestyleblog gelten.
  • Tatsächlich haben mich auch die vielen Links etwas genervt. In einem Kapitel weisen die Autoren darauf hin, dass man Links im Web mit Hilfe eines Tools kürzen sollte, setzen jedoch ständig in Klammern ihre eigenen Blogartikel in voller Länge. In einem Ebook mag das ja gut funktionieren, wenn ich ein Buch lese, möchte ich jedoch nicht ständig ewig lange URLs in ein Gerät tippen um einen weiterführenden Artikel zu lesen. Ein bisschen behandeln die Autoren das Buch wie einen Blog, was mir nicht so recht gefällt.
  • In vielen Kapiteln werde einige sinnvolle Tools genannt, beispielsweise zum Monitoring oder Teilen von Beiträgen. Viele große wie Hootsuite oder FanPageKarma fehlen jedoch. Natürlich gab es irgendwo wieder einen langen Link, der zu einer Linkliste auf einem Blog verweist, aber im Buch fehlen sie eben. Anstatt dem Kapitel zur Zukunft des Netzes, hätte es vielleicht eines zu wichtigen Tools auch getan.
  • Vielleicht ist eines der Hauptprobleme des Buchs, dass es zu wenig Autoren hat. Das soll jetzt bitte nicht falsch verstanden werden. Die beiden sind auf jeden Fall kompetent genug dieses Buch zu schreiben und wissen definitiv worüber sie schreiben, jedoch fehlen mir viele Aspekte der Blogger-Szene, die irgendwie nicht berücksichtigt wurden. Buch, Lifestyle, Fashion und Kultur beispielsweise. Blogs dieser Themen funktionieren anders als die Blogs der Autoren. Und einiges lässt sich nicht ohne weiteres übertragen. Einen Ratgeber, in dem auch thematisch andere Blogger zu Wort kommen, würde ich sehr begrüßen.
  • Leider gibt es kein Kapitel zu Recht im ganzen Buch. Immer mal wieder wird etwas angesprochen, aber wirklich auf die Dringlichkeit sich an geltende Bestimmungen zu halten, geht niemand ein. In den Einsteigerkapiteln gibt es keine ausführliche Beschreibung der Impressumspflicht, etwas das immer noch viele Blogger missachten. Auch der Aspekt der Schleichwerbung geht in einigen wenigen Sätzen unter. Hier wäre es sicher gut gewesen, ein Kapitel von einem Anwalt oder einem passenden Blogger verfassen zu lassen. Gerade dieses Thema hatte ich in einem Ratgeber erwartet.

Fazit

Wer den ganzen Beitrag gelesen hat, kann sich wahrscheinlich denken wie mein Fazit ausfällt. Ich finde das Buch nicht schlecht und besonders für Einsteiger sehr geeignet. Die Autoren sind selbst Blogger und kennen sich aus. Für Fortgeschrittene oder gar Profis halte ich es nicht für einen Mehrwert.

Darüber hinaus finde ich einiges verbesserungswürdig, da ich teilweise (auch durch den Klappentext) andere Erwartungen an den Inhalt des Buchs hatte.

Wer sich also einen Überblick übers Bloggen und die damit verbundenen Tätigkeiten verschaffen möchte, zum Beispiel um den Aufwand für einen Corporate Blog abzuschätzen, der sollte sich das Buch auf jeden Fall zulegen. Wer bereits einen sehr erfolgreichen Blog hat und sich beispielsweise dem Thema SEO widmen möchte, sollte sich lieber eine andere Lektüre suchen.

Blogger Relations | 6 Basics für erfolgreiche Kooperationen

Heute folgt nun endlich der zweite Teil meiner Grundlagen für erfolgreiche Blogger Relations. Im ersten Teil ging es darum, was meiner Meinung nach aus Blogger-Sicht von Institutionen und Firmen berücksichtigt werden sollte, wenn mit Bloggern dauerhaft kooperiert werden soll. Nun hat alles im Leben zwei Seiten und wenn eine Zusammenarbeit nachhaltig und erfolgreich sein soll, gibt es natürlich auch Grundlegendes, das man als Blogger beherzigen sollte. Selbstverständlich ist es nicht das Ziel jedes Bloggers kommerzielle Kooperationen einzugehen, geschweige denn hauptberuflich zu bloggen. Trotzdem tritt man natürlich, wenn der Blog frei zugänglich ist, in die digitale Öffentlichkeit und sollte sich dessen auch bewusst sein. Wenn man aber regelmäßig über Ausstellungen, Produkte, Bücher, Events oder Fashion schreiben möchte, sollte man das ein oder andere beherzigen. Den ersten Post habe ich aus Sicht eines Bloggers geschrieben, heute möchte ich versuchen aus der Sicht des Unternehmens/Museums zu schreiben, als jemand der Blogger betreut und regelmäßig sowohl Anfragen bekommt als auch solche stellt. Immer wieder merke ich in Gruppen, in denen ich mich mit anderen Bloggern austausche große Unsicherheiten und natürlich auch eine große Bandbreite an Erfolgen einzelner Blogger. Manchmal scheint mir, dass es nur an Kleinigkeiten liegt, warum der eine erfolgreicher ist als der andere. Natürlich nicht nur, aber auch. Vor allem, wenn man kommerzielle Kooperationen eingehen möchte, sollte man die folgenden Punkte auf jeden Fall berücksichtigen. Jeder muss natürlich seinen eigenen Weg gehen und jeder Blog ist anders, aber hier geht es erstmal nur um Basics, die eigentlich für Fashion- genauso relevant ist wie für Kulturblogger. Dieser Posts ist keineswegs erschöpfend oder gar ausreichend, wenn man erfolgreich sein möchte. Basics in rechtlichen Fragen etc. muss man sich auf jeden Fall auch aneignen. Und natürlich freue ich mich wie immer, über Erweiterungen und Hinweise, was möglicherweise fehlt oder auch noch dringend beachtet werden sollte. Natürlich sind das hier auch meine individuellen Erfahrungen, da gibt’s bestimmt noch mehr hinzuzufügen.

Gleichzeitig ist dieser Post auch als kleine Hilfe für Kollegen gedacht, die sich an manchen Tagen fragen, was man eigentlich bei so einer Zusammenarbeit mit Bloggern vom Gegenüber erwarten darf.

Immer schön höflich bleiben

Bereits in meinem ersten Post für Unternehmen und Institutionen habe ich auf den richtigen Umgang mit Mails etc. hingewiesen. Das gleiche gilt natürlich auch für Blogger. Wenn man mit offiziellen Vertretern eines Unternehmens Kontakt aufnimmt oder eine Anfrage erhält, tauscht man keine Mails mit seinen Freunden aus. Ein förmliches Sie sollte zunächst immer benutzt werden. Nun merke ich auch oft, dass man als Blogger einfach geduzt wird, das heißt aber noch nicht, dass man das mitmachen muss. Wie im Berufsleben zeigt sich, dass eine professionelle Sprache und Ansprache manchmal Gold wert ist. Denkt darüber nach welche Zielgruppe Ihr habt und wie Ihr von Unternehmen wahrgenommen werden wollt. Es macht einen großen Unterschied ob man eine Email mit „Hi“ oder „Hey Du“ beginnt oder mit „Guten Tag“ oder „Sehr geehrte(r)…“. Am Ende darf das natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ich finde es aber einfach höflicher. Die Emailadresse sollte natürlich auch professionell sein und auf den Blog verweisen und nicht „sexyMietze48“ im Namen führen 😉

Noch wichtiger ist das Berufen auf die allgemeine Höflichkeit natürlich, wenn mal etwas nicht so läuft wie es soll. Als Blogger hat man im Idealfall ein mächtiges Organ mit seinem Blog. Macht sollte man aber immer mit Bedacht ausüben. Nur weil man eine unverschämte Anfrage bekommt, muss man diese nicht auf dem gleichen Niveau beantworten. Legt Euch eine Standardvorlage zurecht für die 100. Email à la „Wir haben hier einen tollen Müsliriegel. Wenn wir Ihnen einen zuschicken, erwarten wir als Gegenleistung einen 900 Wörter Post!“. Nicht aufregen, höfliche Antwort hinschicken und fertig. Tut keinem Weh und zeigt dem jeweiligen Unternehmen im Zweifel, dass man mit Bloggern so nicht umgehen kann. Sollte ein Event völlig schief gelaufen sein, fragt erstmal höflich nach wie das sein kann. Gebt konstruktive Kritik und Vorschläge was anders hätte laufen müssen. Und bitte schreibt nicht sofort einen Verriss auf dem Blog. Vielleicht war etwas nicht beabsichtigt und das Unternehmen ist sogar dankbar für Eure Hinweise. Und am Ende des Tages hat man ja immer noch die Möglichkeit einfach gar nichts zu schreiben. Macht weniger Arbeit und sieht im Zweifel auch für Euch besser aus. Und jedem von uns passieren mal Fehler im Leben, die meisten Probleme lassen sich im persönlichen Austausch am besten klären.

Die Kunst Danke zu sagen

Das gehört natürlich auch irgendwie mit zum Thema Höflichkeit im Umgang. Dieses Thema ist mir aber so wichtig, dass ich ihm gerne einen eigenen Abschnitt widmen möchte. Ich bin selbst immer die erste, die sich beschwert, wenn ein Unternehmen/Museum meine Beiträge nicht teilt, nicht kommentiert oder überhaupt scheinbar nicht wertschätzt, selbst wenn ich eingeladen war. Das gleiche gilt natürlich auch andersherum. Wenn ich wirklich hervorragend betreut worden bin und die andere Seite ganz wunderbar war, dann verschicke ich ganz altmodisch eine Danke-Karte. Das mache ich übrigens auch, wenn erst was schief ging, dann aber sehr viel Zeit investiert worden ist, um es wieder gut zu machen. Wir sind alle nur Menschen. Als Blogger sind wir oft auch in einer privilegierten Situation, wir dürfen auf Eröffnungen, zu Events, bekommen Dinge gratis, die wir wollen (manchmal auch nicht) und werden im großen und ganzen meist sehr gut umsorgt. Das sollte man zu schätzen wissen. Danke-Karten sind im anglo-amerikanischen Bereich übrigens verbreiteter. Eine altmodische, handgeschriebene Karte ist in heutigen Zeiten auch einfach etwas besonderes und kann zum Ausdruck bringen, dass man sich ebenfalls die Zeit genommen hat Danke zu sagen. Eine Email ist natürlich auch eine Möglichkeit, die ich ebenfalls meistens benutze, aber manchmal möchte, dass mein Danke mehr ist als eine Email, die dann im Nirvana des Alltäglichen verschwindet. Richtige Karten kann ich Euch nur ans Herz legen, die kommen wirklich gut an.

Professionalisiert Euch

Neben einem guten Umgang und der Kunst Danke zu sagen, sollte man sich als Blogger auch allgemein professionalisieren. Dazu gehört auch eine eigene Emailadresse für den Blog. Das geht bei einem guten Website-Design weiter. Heute gibt es für jede Plattform und jedes CMS so unendlich viele gute kostenfreie oder günstige Templates, die man installieren kann, das mir völlig unklar ist, warum es immer noch so viele Blogs in 90er-Jahre Optik gibt. Wenn ich eine Anfrage von einem Blogger bekomme und es kaum ertragen kann die Seite anzuschauen, weil ganz viel blinkt und springt oder einfliegt, dann bin ich mit einer Kooperation zurückhaltend. Für mich als Unternehmensvertreter steht immer die Frage im Raum und an erster Stelle, wer sind die Leser und kann ich die Beiträge später guten Gewissens über meine Kanäle teilen. Auch die Frage ob die Optik zum Stil des Unternehmens passt, spielt bei meinen Antworten und auch bei meiner Blogger-Auswahl eine große Rolle. Dabei sollte aber auch keine andere Seite kopiert worden sein, einfach einigermaßen zeitgemäß und passend zum jeweiligen Thema sollte es sein. Und natürlich responsiv!

Ganz wichtige Basisausstattung für jeden Blogger sind zudem Visitenkarten. Man könnte denken, dass wäre auch altmodisch, aber nach wie vor sind Visitenkarten das A und O des professionellen Umgangs. Ich trage zum Beispiel ständig drei unterschiedliche mit mir herum. Eine für diesen Blog (schließt meine Beratungs- und Schulungstätigkeiten ein), eine für MuseumLifestyle und natürlich eine vom Verlag. In meinem Filofax habe ich außerdem Hüllen mit allen Visitenkarten wichtiger Kontakte, die ich so in den letzten Jahren gesammelt habe. Visitenkarten haben den großen Vorteil, dass man seine Kontakte schnell wiederfindet, auch wenn man den Ansprechpartner vielleicht nicht mehr weiß. In meinem mobilen Adressbuch wäre ich aufgeschmissen, wenn ich nicht mehr wüsste wie der Nachname des Ansprechpartners war oder die Mailadresse. Darüber hinaus haben Visitenkarten den großen Vorteil, das sie etwas über Euch und euren Blog erzählen können. Vom Papier über das Design bis hin zur gesamten Qualität kann eine Visitenkarte darüber entscheiden, ob Euch ein Unternehmensvertreter interessant findet. Eine Visitenkarte ist Eure Handschrift im Kleinformat, deshalb sollte in die Auswahl Zeit investiert werden. Am besten ist es natürlich Ihr habt ein eigenes Blog-Logo, das auf eine Seite gedruckt werden kann. Ein Logo ist auf Dauer auch ein wichtiger Wiedererkennungswert. Wenn Ihr im Lifestylebereich unterwegs seid, kommt Ihr auf keinen Fall drum herum. Aber auch hier heißt das oberste Gebot Professionalität. Bastelt auf keinen Fall selbst irgendwas, wenn Ihr von Typographie und Design nichts versteht. Schaut Euch im Bekanntenkreis um, ob es jemanden gibt, der Euch helfen kann!

Zur Professionalität gehört natürlich auch eine gewisse Qualität. Gute Texte ohne Rechtschreibfehler und hochwertige Fotos sind mittlerweile ein unbedingtes Muss für jeden Blog. Die Zeiten der verwackelten Handyfotos sind vorbei! Schaut Euch mal richtig erfolgreiche Blogger an, die meisten arbeiten mit Fotografen zusammen. Natürlich kann sich das gerade am Anfang kein Mensch leisten. Einfach nehmen, geht natürlich auch gar nicht. Auch bei Unternehmen gibt es immer weitere Rechtinhaber und die Nutzung von Fotomaterial muss unbedingt immer vorher abgeklärt werden! Man sollte sich auf jeden Fall eine gute Kompakt- oder Spiegelreflexkamera besorgen und Basics in Photoshop oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen sollte man sich ebenso zulegen. Selbst für Instagram reichen verwackelte Handybilder nicht aus. Damit lockt man keine Sponsoren oder Kooperationspartner an. Auf den meisten Blogs begegnen mir auch wirklich gute Bilder, oft sind aber die Texte nicht so toll. Natürlich zählt immer um welches Produkt es geht und auch die Textlänge ist mir erstmal egal, aber wenn jeder Satz grammatikalisch eine Zumutung und die Rechtschreibung mangelhaft ist, dann kommt für mich eine Zusammenarbeit schon nicht mehr in Frage, auch nicht bei den tollsten Bildern. Auch der Inhalt muss stimmen. Wenn Ihr unsicher seid, besorgt Euch am besten jemanden der Korrektur liest. Das ist total OK, das machen viele Blogger. Die richtigen Profis haben oft sogar Lektoren und Übersetzer. Das ist keine Schande, jeder professionelle Autor hat die auch an seiner Seite.

Für Kooperationen sollte dauerhaft außerdem ein Media-Kit mit allen Zahlen erstellt werden. Da könnt Ihr Euch bei klassischen Magazinen oder anderen Blogs inspirieren lassen, aber auch, wenn es bloß ein einfaches PDF ist, sollte es alle Daten zu Followern, Email-Abonnenten etc. enthalten. So sieht jemand direkt auf einen Blick welche Reichweite euer Blog hat. Selbstverständlich kann man auch weitere Kooperationspartner nennen, um Interesse zu wecken.

Ein Einlesen in Marketing-Strategien und Social Media Management kann ich auch nur empfehlen. Bei manchen Bloggern scheitert es vor allem daran, dass sie ihre Texte einfach nicht zu ihren potentiellen Lesern bekommen. Heute reicht es leider schon lange nicht mehr irgendwo im Internet gute Inhalte zur Verfügung zu stellen. Man muss diese fleißig teilen und dahin bringen wo die Leser sind. Wenn man irgendwann einen großen Stamm Email-Abonnenten hat, steht man natürlich schon richtig gut da, aber auch da muss man erstmal ankommen und prinzipiell gibt es immer noch irgendwo Leser, die man noch nicht erreicht.

Kennt Euren Wert

Egal ob Ihr auf kommerzielle Kooperationen wert legt oder nicht, kennt Euren Preis und Euren Marktwert. In den USA spricht man schon lange von Benchmarks, wenn es um Blogger geht. Hier ist das noch nicht so üblich. Immer öfter höre ich aber Klagen über unverschämte Angebote. Da schicken Unternehmen Gutscheine raus mit einer ganzen Latte von Forderungen als Gegenleistung. Das ist nicht in Ordnung, aber auch für die wirklich netten Anfragen ist es gut, wenn man eine feste Preisstaffel im Hinterkopf hat. Überlegt Euch wie lange Ihr für einen Beitrag braucht, wie viele Leser (unique user) Ihr monatlich erreicht und ob Ihr Fotografen engagiert oder nicht. Natürlich sollte man realistisch bleiben! Trotzdem auch standhaft. Ich habe bereits mehr als einmal Angebote abgelehnt, auch wenn es natürlich nett gewesen wäre ein bisschen „Taschengeld“ zu verdienen. Aber auch Agenturen, Firmen und Institutionen sprechen miteinander. Tut Euch den Gefallen und werdet nicht der Blog, von dem alle wissen, dass man dort Beiträge schon für 50 Euro bekommt. Damit macht Ihr euch selbst das Geschäft kaputt und anderen Bloggern natürlich auch. Nach wie vor sind Blogger, selbst wenn sie einige hundert Euro für einen Beitrag nehmen, viel günstiger als klassische Werbung. Wenn Ihr einen professionellen Blog betreibt, der einige tausend Leser erreicht, dann seid Ihr das wert. Das soll nicht heißen, dass man nicht kleine Labels, gute Museen oder soziale Projekte mit Beiträgen umsonst unterstützt oder über Events schreibt, auf denen man Spaß hatte. Auch wenn ich irgendwo hin möchte und frage ob ich als Blogger kommen kann, erwarte ich natürlich nicht das gleiche wie bei einer Anfrage, die mir gestellt wird, weil jemand unbedingt möchte, dass ich über ihn schreibe. Da sollte man schon unterscheiden. Mein Grundsatz ist einfach, dass ich nicht umsonst arbeite. Wenn mich jemand engagiert, dann kostet das eben Geld wie jede andere Dienstleistung auch. Positive oder vorgeschriebene Beiträge lasse ich mir natürlich trotzdem nicht diktieren. Als Grundeinstellung würde ich das prinzipiell auch allen anderen Bloggern empfehlen.

Bleib Dir treu

Mit diesem Punkt hätte ich auch beginnen können. Blogs leben von der so oft zitierten Authentizität eines Bloggers. Egal wie viel Geld man möglicherweise verdient, egal wie viele Produkte oder Einladungen man bekommt, man muss sich treu bleiben, sonst verliert man seine Leser. Und verliert man seine Leser, macht das Bloggen keinen Sinn. Der rote Faden eines Blogs entwickelt sich natürlich und auch jeder Blogger entwickelt sich weiter. Manchmal kann es auch Zeit für einen neuen Blog sein, weil manche Themen einfach nicht auf den alten passen oder eine ganz andere Lesergruppe ansprechen. Verliert Eure Ziele und Wünsche niemals aus den Augen. Manchmal kann das am schwersten sein. Manchmal ist es hart eine Anfrage abzulehnen, die wirklich lukrativ wäre, aber am Ende des Tages fühlt man sich doch wohler, wenn man sich nicht „verkauft“ hat. Für diesen Blog habe ich bereits mehr Anfragen abgelehnt als angenommen, aber ich habe das Gefühl, dass das die Qualität erhalten und den Inhalt auf Kurs gehalten hat. Lasst Euch niemals aus der Bahn werfen, wenn Euer Blog eine Herzensangelegenheit ist, dann steht man auch jede Durststrecke durch. Lasst Euch auch nichts erzählen, die Menge der Beiträge ist zum Beispiel nicht zwangsläufig entscheidend. Dieser Blog lebt und wächst seit zwei Jahren stetig, obwohl ich im Schnitt nur einmal im Monat einen Beitrag schreibe. Wichtig ist, dass Ihr zufrieden seid!

Manage deine Erwartungen

Der letzte Punkt für diesen Beitrag hat einen direkten Bezug zu allen Hinweisen davor. Als Blogger muss man unbedingt seine Erwartungen auf einem realistischen Level halten. Immer wieder begegne ich Bloggern, die die nächste Masha Sedwick werden wollen. Generell lebe ich auch nach dem Motto „Think big“, aber realistisch sollte man schon sein. Nicht jeder Blog wird es soweit bringen, dass man plötzlich hauptberuflich bloggt und 6 Angestellte hat, die einen unterstützen. Das ist und bleibt die Ausnahme. Dafür gibt es einfach zu viele von uns. Und auch in schlechten Zeiten, wenn einem nicht so recht das richtige Thema einfällt oder negatives Feedback kommt, muss man in der Lage sein sich selbst zu motivieren und darf auf keinen Fall die „beleidigte Leberwurst“ spielen. Auch wenn man alles Herzblut in eine Anfrage steckt, weil man wirklich gerne mit einem Unternehmen zusammenarbeiten möchte, kann es eine Absage geben. Auch wenn man auf eine Ausschreibung antwortet, wird es immer mal wieder zu Rückschlägen kommen. Am besten cool bleiben und immer wieder zwischendurch die eigenen Erwartungen überprüfen. Manchmal hat man auch schon viel gewonnen, wenn man fragt, ob man obwohl es nicht geklappt hat, in den Verteiler für die Zukunft aufgenommen wird. Daraus kann dann später immer nochmal eine Zusammenarbeit entstehen. Es hat auch einfach noch niemandem geholfen, größenwahnsinnig zu werden. Und natürlich sind Blogger heute ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation, auch im Marketing weiß man das in der Regel. Trotzdem hat kein Unternehmen und mit Sicherheit kein Museum auf den Blogger mit Star-Alluren gewartet. Da habe ich wirklich schon die wildesten Forderungen gehört. Eine Kooperation ist eine Zusammenarbeit, man arbeitet also zusammen und nicht gegeneinander. Das Unternehmen braucht gute Blogger, wir brauchen aber auch Menschen, die mit uns zusammenarbeiten möchten. Ich kenne genug Kollegen, die an vielen Tagen keine Lust mehr auf Kooperationen haben, weil die mitunter wirklich anstrengend werden können. Auch hier hilft ein gesundes Bewusstsein für die eigenen Erwartungen. Wenn man dabei realistisch bleibt, steht erfolgreichen Kooperationen nichts mehr im Weg.

Fazit

So ganz habe ich es natürlich nicht geschafft, meine eigenen Erfahrungen als Blogger außen vor zu lassen. Ich bin eben doch nie nur Unternehmensvertreter, sondern immer auch Blogger und umgekehrt. Manchmal hilft das auch für das gegenseitige Verständnis. Ist ein bisschen wie mit den Auto- und den Fahrradfahrern, die Rücksicht steigt, wenn man mal die Seiten wechselt. Und generell hilft es natürlich, wenn man sich mal in die Situation des Gegenüber hineinfühlt. Aber bevor das hier Punkt 7 wird und ein Buch statt einem Blogbeitrag, ist für heute Schluss. Als nächstes widme ich mich dann dem wichtigen Thema der Krisenkommunikation, wenn etwas mal so richtig schief läuft bei einer Zusammenarbeit. Nun bin ich gespannt auf Rückmeldungen.

Blogger Relations | 5 einfache Grundregeln

Dieses Thema brennt mir schon länger unter den Nägeln. Leider habe ich in letzter Zeit einfach nicht die Muße gefunden endlich aufzuschreiben was es bei Blogger Relations zu beachten gibt. Dieser Post richtet sich an Institutionen und Firmen. Der zweite Teil, der bald folgen wird, richtet sich dann an andere Blogger.

Wenn es um die Zusammenarbeit mit Bloggern, oder selbst die erste Kommunikation geht, sollten einige simple Regeln beachtet werden. Eigentlich sollte man meinen, das manches selbstverständlich ist, leider erlebe ich jeden Tag das Gegenteil. Dabei geht es mir vor allem darum anderen Bloggern, wie auch denen, die sie betreuen möchten oder sollen, ein paar einfache Grundsätze mit auf den Weg zugeben, die das Leben für alle Beteiligten einfacher machen. Das ich bisher noch nicht dazu gekommen bin diesen Post endlich zu schreiben, liegt auch an meinem neuen Blogprojekt, das ich gemeinsam mit Wera Wecker im Juni online geschickt habe. Ein Lifestyle-Blog zu schreiben und zu organisieren, hat mir einige Aspekte des Bloggerdaseins neu vor Augen geführt. Obwohl es Blogs nun seit über 10 Jahren gibt, steckt der Umgang zwischen Bloggern und Institutionen/Firmen immer noch in den Kinderschuhen. Oft auch auf beiden Seiten. Was ich im Folgenden den Mitarbeitern von Museen oder Firmen mit auf den Weg geben möchte, schreibe ich als Bloggerin. Als Bloggerin von Kunst, Kultur und tatsächlich mittlerweile auch Lifestyle-Themen. Alle Situationen, die ich schildere sind mir selbst passiert und basieren nicht auf der Annahme, das sowas möglicherweise passiert. Anregungen, die sich an andere Blogger richten, beruhen auf meinen Erfahrungen als Betreuerin und Ansprechpartnerin von Bloggern im Museum und im Verlag. Selbstverständlich nenne ich weder Namen, noch Blogs, noch die konkreten Events. Es soll hier wirklich darum gehen Anregungen und Hilfestellung zu geben. Wer findet, dass das erwähnte selbstverständlich sein sollte, darf sich vor Augen führen, dass ich alles selbst erlebt habe 😉

Blogger Relations im Unternehmen oder Museum

I. Der Email-Kontakt
Liebe Kollegen, wenn Euch jemand eine freundliche Email schreibt und Euch mitteilt, dass er über Eure aktuelle Ausstellung berichten möchte, antwortet auf die gleiche freundliche Art. Macht Euch klar, dass es viele Blogger gibt, die nicht aus dem Kunstbereich kommen und keine Experten für Bildrechte, Fotografieverbote oder andere Aspekte der Kunstwelt sind. Für mich persönlich ist das kein Problem, aber generell sollte man interessierte Blogger nicht alleine lassen. Erstellt Euch einen FAQ Zettel mit den wichtigsten Hinweisen zu Eurem Haus und der Ausstellung, den Ihr als pdf versenden könnt. Noch besser ist es natürlich diesen bereits im Pressebereich der Homepage zu platzieren. Das gleiche gilt natürlich für Unternehmen, wenn ein Blogger freiwillig über ein Produkt schreiben möchte, dann beantwortet wenigstens die Mail, das gebührt die allgemeine Höflichkeit und wurde mal im Volksmund als „gute Manieren“ bezeichnet. Das gilt umso mehr, wenn Ihr einen Aufruf an Blogger online gestellt habt. Oft schreiben Firmen und mittlerweile auch Museen aus, dass sie Blogger für bestimmte Events oder Kooperationen suchen, antworten dann aber wochenlang nicht auf Mails. Liebe Kollegen das ist ganz schlechter Stil. Es ist immer viel zu tun, aber wenn Ihr explizit dazu aufruft, dass Blogger sich melden sollen, dann ist eine Eingangsbestätigung mit einem Hinweis wann die Auswahl getroffen wird, Pflicht und keine Kür.

Und bitte freut Euch einfach, wenn jemand sich an Euch wendet und aus freien Stücken ohne Bezahlung (!) über Euch schreiben möchte, das ist ein großes Kompliment!

II. Der Pressebereich
Die vorbildlichen und auch zeitgemäßen Internetseiten, egal ob nun von Museen oder Unternehmen, sprechen nicht nur die Presse an, sondern auch Blogger. Ihr erspart Euch viel Zeit und Arbeit, wenn Ihr bereits auf der Presseseite klar kommuniziert auf welche Weise Ihr mit Bloggern zusammen arbeitet, oder auch nicht. Gerne auch, ob diese den Pressebereich nutzen dürfen, wie man Zugang zu diesem erhält und ob Ihr beispielsweise freien Eintritt für Blogger anbietet. Firmen sollten für den eigenen Email-Frieden daraufhinweisen, ob sie Interesse an Bloggern haben oder bereits mit einer festen Auswahl zusammenarbeiten. Verlage sollten erklären, ob es Rezensionsexemplare für Blogger gibt und mit welchen Auflagen diese verbunden sind. Auch hier niemals Erklärungen zu möglichen Rechten Dritter und Fotografieregeln vergessen. Ich denke niemand möchte derjenige sein, der für eine Abmahnung eines Bloggers bekannt wird. Blogger sind keine Journalisten, der Großteil bloggt als Hobby und aus Leidenschaft. Ein gut gepflegter Pressebereich ist also eine Win-Win-Situation für alle. Positive Beispiele unter den Museen sind beispielsweise das Rijksmuseum Amsterdam, die Bundeskunsthalle in Bonn oder das Max-Ernst-Museum in Brühl.

III. Der FAQ Zettel
An dieser Stelle sei nochmal ganz klar gesagt, Blogger sind keine Journalisten. Auch wenn es hauptberufliche Blogger gibt, die sehr erfolgreich sind, sind diese deshalb noch keine Experten auf dem Gebiet des Urheberrechts. Und machen wir uns nichts vor, auch die von uns, die es aus beruflichen Gründen am besten wissen sollten, sind oft unsicher, wenn es um das Internet gibt. Deshalb kann ich jedem nur eine gut geführte FAQ Liste empfehlen. Macht Euch klar an welchen Stellen es Unsicherheiten geben könnte. Seht es aber auch unter dem Service-Aspekt! Schreibt Eure Hashtags rein, macht klar wer die Ansprechpartner im Haus sind und weist darauf hin wie mit Gratis-Produkten umgegangen werden darf. Dürfen diese beispielsweise weiterverkauft oder verschenkt werden. Sehr vorbildlich auf diesem Gebiet ist die Verlagsgruppe Randomhouse, die auf ihrem Bloggerportal (ja ein ganzes Portal nur für Blogger ;-)) eine umfangreiche FAQ Seite haben, auf der eigentlich jede Frage beantwortet wird, die rund um ein kostenfreies Rezensionsexemplar entstehen könnte.

IV. Das Blogger-Event
Der Punkt ist erreicht an dem konkret auf Einladung mit Bloggern zusammengearbeitet werden soll. Ihr seid der Meinung, dass es Blogger gibt, die Euch durch einen Bericht digital weiterbringen oder eine Zielgruppe erreichen, die Euch einfach nicht beachtet? Gut! Das sind die richtigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Blogger-Event. Wenn Ihr Zweifel habt, ob wirklich stimmt was alle sagen und ihr Blogs eigentlich unsinnig findet, lasst es bitte. Blogger merken das. Blogger merken auch sofort, ob Ihr ihren Blog gelesen habt. Ich war tatsächlich schon als Gast auf Events und wurde von Menschen eingeladen, die keinen blassen Schimmer hatten, über was ich wirklich schreibe. Das war nicht nur ein wirklich seltsames Gefühl, sondern auch einfach respektlos! Vor allem kann sowas auch daneben gehen. Ich stand schon daneben als eine Foto-Bloggerin eine Sinnkrise hatte, weil sie auf ein Event eingeladen wurde, wo man nicht fotografieren durfte. Sprich sie konnte nicht berichten und hätte sich das Event auch sparen können. Wer jetzt gedacht hat, aber sie war doch auf ein tolles Event eingeladen, sollte nochmal nachdenken und einsehen, dass er noch nicht bereit für Blogger Relations ist! Ich persönlich werde lieber zu 100 Events nicht eingeladen, die ohnehin nicht zu mir passen, als meinen Abend irgendwo zu verbringen, der meinen Blog nicht weiterbringt und den Veranstalter auch nicht, da ich im Zweifel nicht drüber schreiben werde.

Und bitte, bitte macht Euch auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit klar. Viele Anfragen sind ein Aufruf zur Schleichwerbung und das ist schlichtweg verboten. Und Juristen ist es herzlich egal ob mancher mittlerweile lieber „Native Advertising“ sagt. Zu diesem Thema kann ich diesen Beitrag einer Juristin nur als Pflichtlektüre empfehlen.

V. Die richtige Auswahl
Das bringt mich auch schon zu meinem letzten Punkt für Museen und Firmen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass es sich hier um Grundregeln handelt. Am Ende gehört natürlich noch eine ganze Menge mehr Arbeit zu nachhaltigen Blogger Relations. Diese Grundregeln sollen den Einstieg erleichtern. Aber wenn der Einstieg erstmal geschafft ist, hat man eine solide Grundlage für erfolgreiche Blogger Relations. Die Auswahl der richtigen Blogger für die eigenen Events ist nicht ganz einfach und erfordert sehr viel Recherche und Arbeit. Oh ja echte Arbeit 😉 aber dabei gilt wie für alles im Leben, was sich lohnt, fällt eben nicht vom Himmel. Wenn man selbst keine Blogs liest, ist es doppelt hart. Denn dann ist nun der Moment gekommen, damit anzufangen. Macht Euch Gedanken welche Art von Blog zu Euch passt, letztendlich findet man fast alles im Netz. Und denkt dabei bitte nicht zuerst an Reichweite und große Followerzahlen. Das ist nicht alles! Es lohnt sich immer zu schauen welche konkreten Inhalte es gibt, welchen roten Faden, der Blogger verfolgt, wie rege die Beteiligung der Community ist und welche anderen Partner der Blogger hat. Ihr vertreibt Champagner? Dann wird der Teenager, der Primark-Tüten auspackt nicht zu Euch passen. Egal ob dieser eine Million Fans hat. Wenn jemand wie ich über Digitales in Museen schreibt, dann ladet mich bitte nicht auf ein Symposium zu Architekturtheorie ein. Das ergibt einfach keinen Sinn. Fangt erstmal an zu lesen und macht Euch eine Liste, wen Ihr interessant findet. Verfolgt die Blogs eine Weile und hinterlasst auch mal einen freundlichen Kommentar. Das ist ein erster Kontakt. Das macht eine spätere Anfrage auch gleich viel leichter.

Ebenso ist es wichtig, sich klar zu machen in welcher Lebenssituation der Blogger ist. Dieser Punkt ist wirklich sehr wichtig für den Erfolg. Bloggt jemand hauptberuflich, muss er damit seine Miete bezahlen. Das heißt er wird eine Bezahlung erwarten und zwar mit gutem Grund oder arbeitet Ihr umsonst? Wenn jemand wie ich in seiner Freizeit bloggt und vollzeit arbeitet, sind Einladungen für Werktage ans anderen Ende von Deutschland eher nicht von Erfolg gekrönt. Und wenn Ihr mich wirklich sehen wollt und ich mir Urlaub, ein Bahnticket und ein Hotel nehmen soll, erwarte ich ebenfalls die Übernahme der Kosten. Ist es eine wirklich gute Veranstaltung direkt um die Ecke, kann es auch ohne klappen. Aber es kann ja wirklich keiner erwarten, dass man bei einer konkreten Einladung auch noch Geld mitbringt, oder? Die Blogger, die ich gerne lese und die richtig gute, aufwendige Blogs führen, sind es wert eingeladen zu werden, aber man sollte die Rahmenbedingungen wie Entfernung, Arbeitsausfall und Aufwand schon mitdenken.

Das waren meine 5 Grundlagen für jeden, der mit Bloggern zusammenarbeiten möchte. Grundlagen sind natürlich kein Master-Plan und hinter einer erfolgreichen Zusammenarbeit steckt darüber hinaus viel Engagement und Arbeit. Richtig angefangen wird sich diese aber dauerhaft auszahlen, denn die meisten Blogger sind sehr treue Seelen, die gerne und viel kommunizieren. Das war mein erster Teil mit 5 einfachen Regeln für gute Blogger Relations. Der zweite Teil folgt in Kürze!

#kbreise15 | Digitales in Karlsruhe und Basel

Mein zweiter Beitrag zur #kbreise15 ist wirklich überfällig, denn wie bei meinem ersten Beitrag zur Reise, bieten mir die Kunsthalle Karlsruhe und die Fondation Beyeler die Möglichkeit eines Vergleichs unterschiedlicher Strategien neue Technologien in Ausstellungen einzubinden. Die Kunsthalle Karlsruhe setzt auf Bewährtes und die Fondation Beyerle wagte etwas Neues. Beides hat seine Berechtigung sowie Vor- und Nachteile. Doch bevor ich mein Fazit vorziehe, möchte ich beide Lösungen zunächst vorstellen.

Technologien in der aktuellen Ausstellung zur Markgräfin Karoline Louise in der Kunsthalle Karlsruhe

Die Kunsthalle setzt in ihrer Ausstellung auf Bewährtes und vor allem auf wenig Technik. Konzeptuell ist das für mich vollkommen in Ordnung. Man muss ja auch nicht! Nach wie vor sollen Museen keine Freizeitparks sein, trotz allem konkurrieren sie mittlerweile mit diesen. Der Museumsbesuch steht für viele eben nicht mehr auf dem Pflichtprogramm am Wochenende.

Die wenigen technologischen Elemente, die in die Ausstellung integriert worden sind, überzeugen und erweitern die Ausstellung sehr sinnvoll. Sowohl narrativ als auch pädagogisch. Gemeinsam mit Studenten wurden Filme erarbeitet, die einen Einblick in die zahlreichen Korrespondenzen der Markgräfin sowie in das Leben bei Hofe geben. Ich fand die Filme sehr unterhaltsam und kurzweilig, auch wenn ich sie auf Grund unseres straffen Zeitplans leider nicht vollständig gucken konnte.

Blick auf den Film zum Leben am Hof der Markgräfin.
Besonders gelungen fand ich die Media Station in Saal 7 der Ausstellung. Da in diesem Saal die originale Hängung der Sammlung gezeigt wird, wurde hier bewusst auf Schildchen  verzichtet. Die Präsentation an sich hat mir bereits sehr gut gefallen, bin ich doch ein großer Fan von Petersburger Hängung. Um dem Besucher trotzdem die Möglichkeit zu geben, herauszufinden welche Werke gezeigt werden, wurde eine Media Station in den Saal integriert. Hier kann man an einem Touch-Screen jedes Bild anklicken und bekommt sowohl die Werk-Info als auch Scans der Originalquellen wie Briefe oder Urkunden zum Erwerb. Hier hätte man noch narrativer sein können, aber an sich finde ich das Ganze sehr gelungen. Vor allem die Chance zu nutzen  auf diese Weise mehr zu den Werken zu präsentieren, weil man durch den Screen viel mehr Platz zur Verfügung hat als auf einem kleinen Schild. Und man ermutigt den Besucher aus seiner Gewohnheit auszubrechen immer erst auf die Schilder zu gucken, welches Werk/welcher Künstler zu sehen ist. Das ist ja so eine Unart in Ausstellungen nicht mehr die Kunst zu genießen, sondern zunächst zu schauen ob da ein allgemein anerkannter Meister hängt oder nicht.

Schwierig finde ich jedoch, dass es nur eine einzige Media Station im Raum gab. Wie das genau logistisch funktioniert, wenn das Museum wirklich voll ist, ist mir ein Rätsel.

Oben: Ein Gemälde aus Saal 7. Jean-Baptiste Perronneau, Mädchen mit Katze, 1747/50, Kunsthalle Karlsruhe. Unten: Die Ansicht vom Gemälde in der Media Station.

Am Ende der Ausstellung erwartet den Besucher in der Kunsthalle Karlsruhe dann noch eine Computer Station, an der die gesamten Forschungsergebnisse zur Ausstellung eingesehen werden können. Da der Ausstellung eine zweijährige Forschungsphase voran ging, gibt es sicher viel zu entdecken und zu lesen. Auch hier leider wieder nur ein einziger Rechner. Aber der Ansatz ist der Richtige. Leider konnte ich mir diese Station nur im Vorbeilaufen anschauen, hoffe aber, dass die Ergebnisse dauerhaft online zugänglich sein werden, sind sie doch ein wichtiger Teil der Stadt- und Sammlungsgeschichte.

 

Die Paul Gauguin Bücher in der Fondation Beyerle

In der Fondation Beyeler haben wir uns eigentlich die Marlene Dumas Ausstellung angeschaut, die, wie nicht anders zu erwarten von diesem erstklassigen Museum, ganz wunderbar war. Nun ist die Marlene Dumas nicht ganz mein Fall, aber das ist natürlich eine Geschmacksfrage und hat nichts mit der Ausstellung zu tun. Besonders interessiert haben mich die Paul Gauguin Bücher, von denen ich bereits im Vorfeld soviel gehört hatte. Und ich kann nur sagen, die sind wirklich großartig. Hier wurde ein Medienmix umgesetzt, der meiner Meinung nach für jede Altersgruppe eine echte Bereicherung darstellt. Die Besucher sehen das wohl genauso, denn um die Bücher scharrten sich massenweise Jung und Alt. Gott sei Dank gab es einige davon. Ein ganzer Raum wurde dafür zur Verfügung gestellt. Und selbst, wenn man die Technik verstanden hat, die unten im zweiten Trailer von den Machern der iart AG ganz wunderbar erklärt wird, sind diese Bücher beinahe magisch in ihrer Funktion. Hier ist nochmal eine ganz neue Dimension des Eintauchens in die Welt des Künstlers möglich. Fast meint man, die Werke führten hier ein Eigenleben, an dem man teilhaben kann.

Und hier die Making-Of Trailer zu den Büchern:

 

Mein Fazit

Durch die #kbreise15 durfte ich zwei Museen kennen lernen, die ich bis dahin leider noch nicht besuchen konnte. Gleichzeitig war es wunderbar in so kurzer Zeit zwei Häuser zu erleben, die sich sehr unterschiedlich präsentieren. Die Kunsthalle Karlsruhe ist ein sehr sympatisches Haus, das aber noch einen weiten Weg vor sich hat, wenn es um neue Medien und Technologien geht. Leider gibt es noch kein WLAN und die Leihgeber lassen auch hier keine Fotografie in der Ausstellung zu. Aber dieser Problematik habe ich ja ebenfalls einen Beitrag gewidmet und werde das an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Als Lösung sehe ich aber beispielsweise Foto-Stationen, an denen die Besucher ihre Lust auf Erinnerungsbilder kontrolliert ausleben können. Die Ansätze neue Technologien zu integrieren und eine zeitgemäße Präsentation zu erreichen finde ich gelungen, wenn auch noch etwas zurückhaltend. Da darf gerne noch mehr kommen in der Zukunft! Loben und hinweisen möchte ich aber auf die Tatsache, dass die Kunsthalle es schafft immer noch zu forschen. Forschung in Museen wird aus Geld- und Zeitgründen immer weniger und die Leistung zwei Jahre in ein umfangreiches Projekt zur Sammlungsaufarbeitung zu investieren, verdient Respekt und Anerkennung.

Die Fondation Beyeler legt die Latte für Museen sehr, sehr hoch. Der Ort an sich begeistert natürlich schon, vor allem an einem so sonnigen Tag wie wir ihn erleben durften und ich werde noch diesen Jahr wieder hinreisen. Lobenswert finde ich das äußerst gut funktionierende, öffentliche WLAN, das jedem Besucher auf dem gesamten Gelände zur Verfügung steht. Auch hier aber leider ein Fotografierverbot, das der Gesetzeslage und den Leihgebern geschuldet ist. Für uns gab es glücklicherweise eine Ausnahme, was die Probleme natürlich dauerhaft  nicht löst. Die Paul Gauguin Bücher haben mich jedoch voll für die Fotoproblematik entschädigt! Was für ein tolles Projekt. Ich wünsche mir, dass sich diese Technik durchsetzt und sie flächendeckend für mehr Museen machbar und finanzierbar wird. Mit den Büchern hat man Spaß, man lernt etwas, die haptische Erfahrung rundet den Besuch  ab und natürlich wird auch das wertvolle Medium Buch wieder in das Bewusstsein der Menschen gebracht. Großes Lob dafür! Und auch ein großes Lob dafür, dass die Informationen dazu so umfangreich ins Netz gestellt werden. Alleine zur Gauguin Ausstellung findet man 45 Videos auf dem Youtube-Kanal des Museums. Ich glaube mehr kann man kaum erwarten.

#kbreise15 | Die Stadtgeist KA App und das Tabevent Basel

Am Wochenende (5.6.-7.6.2015) habe ich an der Bloggerreise #kbreise15 teilgenommen. Dem Thema was Bloggerreisen sind und ob diese Sinn machen oder nicht, habe ich vor Kurzem bereits einen Beitrag gewidmet, nachdem ich an einer Podiumsdiskussion teilgenommen hatte. Ob meine Teilnahme an der Reise meine Sicht verändert hat, werde ich die Tage nochmal ausführlich verbloggen. Zunächst möchte ich meine Eindrücke des gebotenen Programms notieren solange diese noch frisch sind. Es war alles in allem eine ganz großartige Reise und ich hatte Gelegenheit, die von mir noch nicht bereisten Orte, Karlsruhe und Basel kennenzulernen. Sogar das Radio war dabei. Unsere Gastgeber das Karlsruhe Tourismus, die Kunsthalle Karlsruhe, das Stadtmarketing Basel und die Fondation Beyeler haben sich nicht lumpen lassen und uns ein volles Programm wie Rund-um-sorglos-Paket geboten. Neben der Unterbringung in den 4-Sterne-Hotels Blauer Reiter (Karlsruhe) und Hotel Euler (Basel) gab es reichlich vorzügliches Essen. Da es nicht meine Art ist lange Reisebeschreibungen auf diesen Blog zu stellen, möchte ich als erstes zwei Programmpunkte vorstellen, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber beide auf GPS-Lösungen basieren.

Die Stadtgeist Karlsruhe App

In Karlsruhe haben wir am Samstag eine Führung zur Stadtgeist Karlsruhe App bekommen. Die App ermöglicht es dem Nutzer innerhalb des Stadtraums verschiedene relevante Punkte zu erkunden. Hier scheint vor allem die historische Relevanz ein Auswahlkriterium gewesen zu sein. Entstanden ist das Konzept zunächst unabhängig von der Stadt. Nachdem es den deutschen AppCampus Award 2013 gewonnen hatte, war es dank dem Preisgeld möglich das Projekt an die Stadt heranzutragen.

Ein internationeler Wettbewerb ausgeschrieben von Microsoft und Nokia für das nächste große mobile Ding, dotiert mit 70.000€. Im Rahmen der SmarterCity Initiative der Stadt wurde dieses Konzept für Karlsruhe umgesetzt. Zusammen mit der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH und in Kooperation mit der Karlsruher Tourismus GmbH und der Karlsruher Schienen- und Infrastruktur Gesellschaft (KASIG). Fachlich begleitet durch das Stadtarchiv. (Quelle: stadtgeist-karlsruhe.de)

Das Entwicklerteam stellte uns die App persönlich vor und gemeinsam haben wir zwei markante Punkte besucht. Location-Based-Marketing beziehungsweise GPS-basierte Angebote werden immer relevanter. Vor allem wenn es um App-Lösungen geht. Was kann nun diese App eigentlich? Und welchen Mehrwert bringt sie bei einem Besuch von Karlsruhe. Die App zeigt auf der Karte diverse Punkte in Karlsruhe, die für ein Stück Stadtgeschichte stehen, das sich einem nicht ohne weiteres am Ort selbst erschließt. Auf der integrierten Karte ist es möglich alle Punkte anzuschauen und einen auszuwählen. Daraufhin kann man entweder mit Hilfe der Karte oder des Kompasses die Stelle ausfindig machen. Angenehm fand ich die Anzeige der genauen Entfernung. Leider ist noch keine Routenlösung integriert, so dass man eine Menge Batterie und Datenvolumen braucht um an Ort und Stelle zu kommen. Vor allem natürlich Batterie. Das ist sicher ein Minuspunkt. Hat man den gewählten Punkt erreicht, scannt die App mit Hilfe der Kamera und Augmented Reality Technik die Umgebung. Eine historische Ansicht des Ortes erscheint und über den Button „Guide“ stehen nun Video- und Audiodateien zur Verfügung. Ein Kopfhörer ist hilfreich. Die wichtige Frage nach dem Mehrwert lässt sich guten Gewissens mit einem JA beantworten. Wer Karlsruhe kennt oder auch nicht, bekommt hier zahlreiche Geschichten direkt an den Orten erzählt, an denen sie sich ereignet haben. Ich fand es sehr nett, dass die Entwickler uns einen Einblick in den Enstehungsprozess gegeben haben, selbstverständlich braucht man für die App natürlich keine Führung um sie nutzen zu können. Die Hinweise zur Bedienung sollte man jedoch schon ansehen, da die Handhabe nicht vollständig selbsterklärend war. Insgesamt finde ich die App sehr gelungen. Sie bietet mir als Besucher von Karlsruhe eine Möglichkeit nach meinen individuellen Bedürfnissen die Stadt und ihre Geschichte zu erkunden und zu erleben. Mit 17 MB ist sie nicht wahnsinnig groß und die meisten sollten den Platz auf ihrem Smartphone übrig haben. Die Inhalte werden gestreamt, was natürlich die Appgröße klein hält, aber Datemvolumen frisst. Karlsruhe hat allerdings im öffentlichen Raum ein freies WLAN, das meist funktioniert hat. Auch dieser Schwachpunkt ist also vertretbar. Minuspunkt ist einzig der hohe Batterieverbrauch, den ich nur durch meinen Travelakku kompensieren konnte. Das Nachmachen einer solchen App in anderen Städten würde ich auf jeden Fall empfehlen!

Das Tabevent in Basel

Am Sonntag wurde für uns in Basel ein Tabevent veranstaltet. Das Ganze ist im Wesentlichen schnell erklärt. Ein Tabevent ist eine moderne, GPS- und Cloud-basierte Schnitzeljagd, die mit Hilfe von Tablets durchgeführt wird. Nichts verstanden? Kein Wunder. Lässt man das Marketing-Vokabular weg, lässt sich das Konzept folgendermaßen beschreiben: Eine Gruppe wird in Teams eingeteilt. Jedes Team bekommt ein Tablet in die Hand und los geht’s. In der Anwendung sieht man eine Karte, die Aufgaben mit unterschiedlicher Schwierigkeitsstufe anzeigt. Diese kann man nun aufsuchen. In einem Umkreis von 80 Metern steht die Aufgabe zur Verfügung. Von Multiple-Choice-Fragen zu historischen Gebäuden oder Landmarken bis hin zu interaktiven Aufgaben, kann alles hinterlegt werden. Die Teilnehmer entscheiden ganz frei wie sie die Schnitzeljagd strategisch bewältigen wollen. Sämtliche Ergebnisse wie auch Fotos oder Videos, die für die einzelnen Aufgaben erstellt wurden, gehen in die Eventcloud. Die wird vom Operator überwacht, der bei falscher Umsetzung, Punkte abziehen kann. Mit diesem kann man auch über eine Chatfunktion kommunizieren, falls man Hilfe benötigt. Ebenso lässt sich der Highscore aller Teams einsehen.

Kreativität war gefragt. Hier unser #Selfie zum Thema "Fragen knacken bei Tabevents". Hinten rechts Sabrina und vorne Tamara von Blonderblog.ch
Kreativität war gefragt. Hier unser #Selfie zum Thema „Fragen knacken bei Tabevents“. Hinten rechts Sabrina und vorne Tamara von Blonderblog.ch
Ich bin via Losverfahren in einem Team mit den Mädels von Blonderblog gelandet. Tamara und Sabrina kannte ich vor der Bloggerreise nicht und ich bin mir auch nicht sicher ob ich das Glück gehabt hätte, ihren Blog zu entdecken, da sie über Fashion und Lifestyle schreiben. Das ist einer der Punkte, den ich an der Reise ganz wunderbar fand. Ich habe andere Blogger kennengelernt, die nicht auf meiner persönlichen Agenda standen und deren Artikel ich ganz großartig finde. Genauso wie die Menschen, die dahinter stehen. Da wir das „Blondienen-Team“ waren, hat uns ein besonderer Ehrgeiz gepackt. Nach einem schnellen Strategie-Meeting hatten wir entschieden: schnell und effizient wollten wir sein. Also nichts wie hin zu den 50 und 100 Punkte fragen. 10er, 20er und 30er haben wir bewusst außen vorgelassen und uns vor allem mit den schwierigen Aufgaben auseinandergesetzt. Da neben vielen Wissensfragen auch kreative Fotoideen gefragt waren, sind wir richtig aufgedreht und waren nicht mehr zu bremsen. Das war wirklich ein riesen Spaß und das, obwohl es sonntagmorgens stattfand. Ich bin ein großer Fan dieses neuen Formats und kann es sowohl für Reisegruppen als auch für Firmenevents nur empfehlen. Wenn sich jetzt einige kluge Köpfe auch noch ein tolles Angebot für Museen ausdenken, dann wäre ich noch begeisterter. Ich könnte mir viele Szenarien vorstellen, wo eine solche Lösung zum Einsatz kommt. Zum Beispiel bei Schulklassen.

 

Das war mein erster Post zur #kbreise15.

Für die Vollständigkeit hier auch die anderen Teilnehmer, die in den nächsten Tagen sicher ebenso fleißig bloggen werden. Ein dickes #ff für alle davon!

Anke von Heyl
www.kulturtussi.de

Michelle van der Veen
www.museumsglueck.wordpress.com

Angelika Schoder
www.musermeku.hypotheses.org

Miriam Steinbach
www.dieschreibmaschine.net

Lea Zeitman
www.isawsomethingnice.ch

Sabrina Pesenti und Tamara Cantieni
www.blonderblog.ch

Dimitri Burkhard
www.newlyswissed.com

Wera Wecker
www.kulturundkunst.wordpress.com