Warum die Panoramafreiheit NICHT die Aura von Kunstwerken zerstört!

In der Die Zeit vom 2.7.15 hat Lars Weisbrod einen Kommentar zur Panoramafreiheit geschrieben, der höchstwahrscheinlich witzig und ironisch sein sollte. So schreibt er, dass die Abschaffung der Panoramafreiheit in Europa endlich die Aura von Kunstwerken retten würde. Darüber hinaus erfahren wir, dass der Autor offensichtlich fotowütige Freunde hat, die aus ihrem Urlaub 500 Fotos vom Eiffelturm mitbrachten. Etwas, das ebenso verboten werden sollte. 

Die Aussagen möchte ich eigentlich nur ironisch – gar satirisch – verstehen, befürchte jedoch, da der massive Aufschrei gegen das geplante Verbot in der Öffentlichkeit bisher ausblieb, dass die meisten Menschen gar nicht begreifen wie einschneidend die Abschaffung der Panoramafreiheit in Europa für unsere Lebensrealität wäre. Es geht nicht nur um die 500 mittelmäßigen Fotos vom Eiffelturm. Es geht um essentielle Kommunikationsmöglichkeiten. Museen, die von Star-Architekten wie Zaha Hadid oder Frank Gehry gebaut wurden, dürften nicht mehr abgebildet werden. Der Otto-Normal-Verbraucher dürfte sich streng genommen davor überhaupt nicht mehr fotografieren. Denn sein wir ehrlich, wer kann die Rechtslage öffentlicher Gebäude überblicken? 

Was macht zum Beispiel eine Stadt wie Münster, die alle 10 Jahre die Skulpturprojekte veranstaltet. Eine Ausstellung im öffentlichen Raum, nach der viele Werke in der Stadt verbleiben. Einige davon sind so raffiniert im Stadtbild platziert, dass sie nicht sofort als Kunst erkennbar sind. Ein künstlerischer Kommentar zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. So gibt es im Münster beispielsweise 2 Bushaltestellen, die von Künstlern als Werk zur Ausstellung beigetragen wurden. Die meisten Menschen wissen dies wahrscheinlich gar nicht. Sollte nach Abschaffung der Panoramafreiheit eine dieser Bushaltestellen auf einem Foto auftauchen ist das ein Fest für Abmahnanwälte, aber was hat die Kunst dadurch gewonnen? 

Meiner Meinung gewinnt Kunst an Aura dadurch, dass man über sie spricht, schreibt und sie eben auch abbildet. Das man sie feiert, liebt und wertschätzt. Den Eiffelturm schon tausende Male auf Fotos gesehen zu haben, sinkt nicht die Faszination desselben, ansonsten würde sich dort ja nicht jeder Parisbesucher mindestens einmal ablichten. Es ist der menschliche Wunsch zu zeigen „Ich war hier!“ oder „Das muss man gesehen haben“. Darüber hinaus wird bei dieser Debatte offensichtlich vergessen oder schlicht weg nicht gewusst, dass das Urheberrecht beim Urheber also Künstler/Architekten liegt. Das heißt eben auch, dass Städte nicht mehr mit ihren Wahrzeichen werben dürfen. Also nicht ohne schriftliche Genehmigung und ggf. Lizenzahlungen.

 Viele spannende Gebäude und Kunstwerke im öffentlichen Raum wurden aus Steuergeldern finanziert, ein Umstand, den es zu öffentlichem Eigentum macht. Man kann nicht mit dem Geld der europäischen Bürger unsere Städte immer schöner machen und den Zahlern dann ihr Recht auf Kommunikation und Teilhabe verweigern. Das ist auf mehreren Ebenen eine unfassbare Idee, die gerade in heutigen Zeiten von sozialen Medien und fotofähigen Smartphones einfach an der Lebensrealität von uns allen vorbei geht. Herrn Weisbrod steht es natürlich zu keine Fotos zu machen und mit anderen zu teilen. Das ist seine persönliche Freiheit, die ihm bleibt, mit oder ohne Panoramafreiheit!

Für wen die Panoramafreiheit auch ein absolutes Muss ist, der kann die Petition dafür unterschreiben!

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#kbreise15 | Digitales in Karlsruhe und Basel

Mein zweiter Beitrag zur #kbreise15 ist wirklich überfällig, denn wie bei meinem ersten Beitrag zur Reise, bieten mir die Kunsthalle Karlsruhe und die Fondation Beyeler die Möglichkeit eines Vergleichs unterschiedlicher Strategien neue Technologien in Ausstellungen einzubinden. Die Kunsthalle Karlsruhe setzt auf Bewährtes und die Fondation Beyerle wagte etwas Neues. Beides hat seine Berechtigung sowie Vor- und Nachteile. Doch bevor ich mein Fazit vorziehe, möchte ich beide Lösungen zunächst vorstellen.

Technologien in der aktuellen Ausstellung zur Markgräfin Karoline Louise in der Kunsthalle Karlsruhe

Die Kunsthalle setzt in ihrer Ausstellung auf Bewährtes und vor allem auf wenig Technik. Konzeptuell ist das für mich vollkommen in Ordnung. Man muss ja auch nicht! Nach wie vor sollen Museen keine Freizeitparks sein, trotz allem konkurrieren sie mittlerweile mit diesen. Der Museumsbesuch steht für viele eben nicht mehr auf dem Pflichtprogramm am Wochenende.

Die wenigen technologischen Elemente, die in die Ausstellung integriert worden sind, überzeugen und erweitern die Ausstellung sehr sinnvoll. Sowohl narrativ als auch pädagogisch. Gemeinsam mit Studenten wurden Filme erarbeitet, die einen Einblick in die zahlreichen Korrespondenzen der Markgräfin sowie in das Leben bei Hofe geben. Ich fand die Filme sehr unterhaltsam und kurzweilig, auch wenn ich sie auf Grund unseres straffen Zeitplans leider nicht vollständig gucken konnte.

Blick auf den Film zum Leben am Hof der Markgräfin.
Besonders gelungen fand ich die Media Station in Saal 7 der Ausstellung. Da in diesem Saal die originale Hängung der Sammlung gezeigt wird, wurde hier bewusst auf Schildchen  verzichtet. Die Präsentation an sich hat mir bereits sehr gut gefallen, bin ich doch ein großer Fan von Petersburger Hängung. Um dem Besucher trotzdem die Möglichkeit zu geben, herauszufinden welche Werke gezeigt werden, wurde eine Media Station in den Saal integriert. Hier kann man an einem Touch-Screen jedes Bild anklicken und bekommt sowohl die Werk-Info als auch Scans der Originalquellen wie Briefe oder Urkunden zum Erwerb. Hier hätte man noch narrativer sein können, aber an sich finde ich das Ganze sehr gelungen. Vor allem die Chance zu nutzen  auf diese Weise mehr zu den Werken zu präsentieren, weil man durch den Screen viel mehr Platz zur Verfügung hat als auf einem kleinen Schild. Und man ermutigt den Besucher aus seiner Gewohnheit auszubrechen immer erst auf die Schilder zu gucken, welches Werk/welcher Künstler zu sehen ist. Das ist ja so eine Unart in Ausstellungen nicht mehr die Kunst zu genießen, sondern zunächst zu schauen ob da ein allgemein anerkannter Meister hängt oder nicht.

Schwierig finde ich jedoch, dass es nur eine einzige Media Station im Raum gab. Wie das genau logistisch funktioniert, wenn das Museum wirklich voll ist, ist mir ein Rätsel.

Oben: Ein Gemälde aus Saal 7. Jean-Baptiste Perronneau, Mädchen mit Katze, 1747/50, Kunsthalle Karlsruhe. Unten: Die Ansicht vom Gemälde in der Media Station.

Am Ende der Ausstellung erwartet den Besucher in der Kunsthalle Karlsruhe dann noch eine Computer Station, an der die gesamten Forschungsergebnisse zur Ausstellung eingesehen werden können. Da der Ausstellung eine zweijährige Forschungsphase voran ging, gibt es sicher viel zu entdecken und zu lesen. Auch hier leider wieder nur ein einziger Rechner. Aber der Ansatz ist der Richtige. Leider konnte ich mir diese Station nur im Vorbeilaufen anschauen, hoffe aber, dass die Ergebnisse dauerhaft online zugänglich sein werden, sind sie doch ein wichtiger Teil der Stadt- und Sammlungsgeschichte.

 

Die Paul Gauguin Bücher in der Fondation Beyerle

In der Fondation Beyeler haben wir uns eigentlich die Marlene Dumas Ausstellung angeschaut, die, wie nicht anders zu erwarten von diesem erstklassigen Museum, ganz wunderbar war. Nun ist die Marlene Dumas nicht ganz mein Fall, aber das ist natürlich eine Geschmacksfrage und hat nichts mit der Ausstellung zu tun. Besonders interessiert haben mich die Paul Gauguin Bücher, von denen ich bereits im Vorfeld soviel gehört hatte. Und ich kann nur sagen, die sind wirklich großartig. Hier wurde ein Medienmix umgesetzt, der meiner Meinung nach für jede Altersgruppe eine echte Bereicherung darstellt. Die Besucher sehen das wohl genauso, denn um die Bücher scharrten sich massenweise Jung und Alt. Gott sei Dank gab es einige davon. Ein ganzer Raum wurde dafür zur Verfügung gestellt. Und selbst, wenn man die Technik verstanden hat, die unten im zweiten Trailer von den Machern der iart AG ganz wunderbar erklärt wird, sind diese Bücher beinahe magisch in ihrer Funktion. Hier ist nochmal eine ganz neue Dimension des Eintauchens in die Welt des Künstlers möglich. Fast meint man, die Werke führten hier ein Eigenleben, an dem man teilhaben kann.

Und hier die Making-Of Trailer zu den Büchern:

 

Mein Fazit

Durch die #kbreise15 durfte ich zwei Museen kennen lernen, die ich bis dahin leider noch nicht besuchen konnte. Gleichzeitig war es wunderbar in so kurzer Zeit zwei Häuser zu erleben, die sich sehr unterschiedlich präsentieren. Die Kunsthalle Karlsruhe ist ein sehr sympatisches Haus, das aber noch einen weiten Weg vor sich hat, wenn es um neue Medien und Technologien geht. Leider gibt es noch kein WLAN und die Leihgeber lassen auch hier keine Fotografie in der Ausstellung zu. Aber dieser Problematik habe ich ja ebenfalls einen Beitrag gewidmet und werde das an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Als Lösung sehe ich aber beispielsweise Foto-Stationen, an denen die Besucher ihre Lust auf Erinnerungsbilder kontrolliert ausleben können. Die Ansätze neue Technologien zu integrieren und eine zeitgemäße Präsentation zu erreichen finde ich gelungen, wenn auch noch etwas zurückhaltend. Da darf gerne noch mehr kommen in der Zukunft! Loben und hinweisen möchte ich aber auf die Tatsache, dass die Kunsthalle es schafft immer noch zu forschen. Forschung in Museen wird aus Geld- und Zeitgründen immer weniger und die Leistung zwei Jahre in ein umfangreiches Projekt zur Sammlungsaufarbeitung zu investieren, verdient Respekt und Anerkennung.

Die Fondation Beyeler legt die Latte für Museen sehr, sehr hoch. Der Ort an sich begeistert natürlich schon, vor allem an einem so sonnigen Tag wie wir ihn erleben durften und ich werde noch diesen Jahr wieder hinreisen. Lobenswert finde ich das äußerst gut funktionierende, öffentliche WLAN, das jedem Besucher auf dem gesamten Gelände zur Verfügung steht. Auch hier aber leider ein Fotografierverbot, das der Gesetzeslage und den Leihgebern geschuldet ist. Für uns gab es glücklicherweise eine Ausnahme, was die Probleme natürlich dauerhaft  nicht löst. Die Paul Gauguin Bücher haben mich jedoch voll für die Fotoproblematik entschädigt! Was für ein tolles Projekt. Ich wünsche mir, dass sich diese Technik durchsetzt und sie flächendeckend für mehr Museen machbar und finanzierbar wird. Mit den Büchern hat man Spaß, man lernt etwas, die haptische Erfahrung rundet den Besuch  ab und natürlich wird auch das wertvolle Medium Buch wieder in das Bewusstsein der Menschen gebracht. Großes Lob dafür! Und auch ein großes Lob dafür, dass die Informationen dazu so umfangreich ins Netz gestellt werden. Alleine zur Gauguin Ausstellung findet man 45 Videos auf dem Youtube-Kanal des Museums. Ich glaube mehr kann man kaum erwarten.

#MuseumSelfies, Fotografierverbote und das Urheberrecht

Warum Museen umdenken müssen!

Nachdem in den letzten Wochen nicht nur bei uns im Museum, sondern auch im Netz wieder verstärkt über das Thema diskutiert wurde, habe ich mich entschieden meine Eindrücke und Gedanken dazu doch zu verbloggen. So lange wir in Deutschland keine Rechtssicherheit und klare Regelungen für Museen haben, muss eben über das leidige Thema diskutiert werden.

Sehr anregend für mich war der Vorschlag von der wunderbaren Kunstvermittlerin Anke von Heyl kreativ mit dem neuen Phänomen des Museumselfie umzugehen. Aber kreativer Umgang wird dann schwer, wenn Museen kein Recht haben, die Kunst, die sie zugänglich machen und zeigen auch im digitalen Raum zu präsent zu machen? Und hier sind keine Werbeanzeigen gemeint, sondern das reine unkommerzielle Fördern junger Künstler, das Sichtbarmachen neuer Positionen und das Vermitteln der jüngeren Kunstgeschichte. All dies ist streng genommen mit dem deutschen Urheberrecht nicht vereinbar. Vor allem die Werke, die ein Museum für die eigene Sammlung gekauft hat und die teilweise als Schätze in Depots lagern, weil sie momentan nicht in den Ausstellungsplan passen, dürfen der Öffentlichkeit nicht präsentiert werden.

Das Absurde einer Sammlung

Das ist vor allem absurd, da besonders in der Politik (beim Ringen um öffentliche Gelder) immer betont wird, dass Museen erhalten und finanziell unterstützt werden müssen, weil sie Kunst für die Gesellschaft bewahren und sich verpflichten ihre Sammlungen zugänglich zu machen. Wie soll das nun praktisch funktionieren, wenn die meisten Museen zuviel Angst vor hohen Lizenzforderungen haben, um sich zu trauen ihre Sammlungen online zugänglich zu machen. Ein wichtiger Schritt nicht nur für die Gesellschaft, sondern ebenso für die Forschung, die ebenso nicht im Geld schwimmt und daher darauf angewiesen ist, dass Museen ihre Werke zugänglich machen.

In den Diskussionen wird dann meist auf die VG Bild-Kunst geschimpft. Das ist einfach und ich gebe zu, dass ich auch schon geflucht habe. Nicht weil ich etwas gegen diese Institution, die letztendlich die Rechte der Künstler vertritt habe, sondern weil das Ergebnis in der Regel ist, dass ich Werke der dort vertretenen Künstler schlichtweg nicht zeigen kann. Die meisten Museen können es sich eben schlicht nicht leisten im Jahr mehrere tausend Euro zu bezahlen nur um Werke digital abbilden zu dürfen. An dieser Stelle betone ich gerne nochmal, es geht hier um die reine Zugänglichmachung, es geht nicht um kommerzielle Zwecke, für die sehr wohl gezahlt werden sollte. Selbstverständlich könnte man nun sagen: „Dann zeigt wenigstens die Künstler, die sich noch nicht vertreten lassen.“ Kann man machen, aber auch dann sollte man mit jedem Künstler eine Vereinbarung treffen. Sonst können in Zukunft Forderungen entstehen.

Momentan sieht es also so aus, dass man eigentlich mit jedem Künstler bzw. Rechteinhaber eigene Verträge aufsetzen muss, einfach nur, damit man online beispielsweise seine museumseigene Sammlung präsentieren kann. Selbst bei einer kleinen Sammlung ein immenser Aufwand.

„Fotografieren verboten!“ und die verschenkte Chance der Besucherinteraktion

Aktuell ist die gelebte Praxis oft das strikte Fotografierverbot in deutschen Museen. Ein nicht mehr zeitgemäßer, grauenhafter Zustand. Wer mutig ist, muss sich innerlich zumindest auf Zahlungsaufforderungen vorbereiten. Kann es doch sein, dass ein glücklicher Besucher sein Selfie vor dem „falschen“ Bild macht und in den virtuellen Raum schickt. Dabei liegt gerade in diesem Verhalten die große Chance für die Zukunft der Museen und ebenso für die Künstler.

Ein Selfie ist niemals vor einem beliebigen Bild gemacht worden, sondern vor einem, das Eindruck hinterlassen hat. Neben dem Bild wird in der Regel stolz verkündet wo es aufgenommen wurde und wer der Künstler ist. Hier entsteht ein emotionaler Moment mit der Kunst, den keine Präsentation, kein Wandtext … schaffen kann. Und der verbreitet sich auch noch und wird nicht geheim gehalten. Das „Schlimmste“, das daraufhin passieren kann ist, das weitere Besucher kommen und Menschen erreicht werden, die bisher noch nicht im Museum waren oder Museumsbesuche nicht unbedingt für ihre Freizeit in Erwägung ziehen.

Aus diesen Gründen brauchen wir ein Umdenken in Deutschland. Die Museen müssen sich trauen das Fotografieren endlich flächendeckend zu erlauben. Nur in der Masse wird das dazu führen, dass neue Regeln entwickelt werden. Ein runder Tisch und eine offene Diskussion, nicht nur unter geplagten Museumsmitarbeitern, sondern mit Juristen, der VG Bild-Kunst und der Politik ist längst überfällig und sollte dringend in Angriff genommen werden. Museen brauchen die Möglichkeit ihre eigenen Sammlungen auch online zugänglich zu machen! Und Besucher brauchen das Vertrauen und die Wertschätzung „ihre“ Museen in Besitz nehmen zu dürfen und stolz auf deren Arbeit zu sein!

Virtuelle Museen? Eine Definitionsfrage!

Im November 2013 habe ich die Betreuung des virtuellen Museum des LWL-Museum für Kunst und Kultur übernommen. Ein Projekt, dessen Entwicklung ich seit Anfang 2012 aktiv verfolgt habe. Damals hatte das Museum gemeinsam mit der WWU Münster einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Unterstützt durch eine PowerPoint Präsentation konnte jeder seine Idee vom idealen virtuellen Museum einreichen. Tatsächlich habe ich es damals unter die besten drei Vorschläge geschafft.

Mittlerweile habe ich einige Vorträge zum virtuellen Museum gehalten. Den letzten beim #kmtreff vom Kulturmanagement Network. Davor beim stARTcamp Münster und einem Bloggertreffen. Die anschließenden Diskussionen und zuletzt der Beitrag von Christian Henner-Fehr zum Thema haben mich nachdenklich gemacht.

Das Thema virtuelle Museen oder Ausstellungen beschäftigt den Kulturbereich. Schlagwörter wie Augmented Reality, Storytelling oder Smartplace schwirren durch den Raum. Jedoch fällt mir immer wieder auf, dass die Meinungen was ein virtuelles Museum eigentlich ist, weit außeinander gehen. Es gibt keine klare Definition worum es sich bei einem virtuellen Museum eigentlich handelt und damit keine gute Grundlage für eine konstruktive Diskussion.

Bei dem Projekt Museum 24/7 wurde die Idee sehr wörtlich genommen. Es wurde ein virtueller Raum geschaffen, der ähnlich einem Computerspiel das reale Museumserlebnis imitiert. Im Gegensatz zum Google Art Project handelt es sich nicht um einen rein abfotografierten realen Raum, sondern um einen ganz eigenen. Aber ist es notwendig, dass reale Erlebnis zu imitieren? Braucht man für eine virtuelle Ausstellung Wände oder reicht es Bilder online zu zeigen. Und ab wann kann ich von einem virtuellen Museum sprechen?

In diesem Zusammenhang wird als Paradebeispiel des virtuellen Museums in jeder Diskussion zum Thema immer das Rijksmuseum in Amsterdam genannt. Dort wurden 150.000 Werke der Sammlung online gestellt. Hochaufgelöst ermöglicht Rijksstudio dem User die Werke nicht nur zu teilen, liken oder anzuschauen, sondern als eigene Sammlung zu verschiedenen Themen zu speichern. Zudem kann jedes Werk als Postkarte, Poster oder Handyhülle bestellt werden. Dies ist vor allem interaktiv und es macht Spaß. Trotzdem würde ich dieses erfolgreiche Projekt eher als virtuelle Sammlung kategorisieren und nicht als virtuelles Museum.

Selbstverständlich kommt hier die Frage ins Spiel, was eine Ausstellung ist. In ein virtuelles Museum gehört für mich eine Ausstellung, Das bietet mir das Rijksmuseum tatsächlich nicht. Natürlich werden auch hier Informationen zu den einzelnen Werken präsentiert, diese stehen jedoch nicht im Vordergrund. Die Auswahl, die ich mir als User abspeichern kann, stellt auch meine persönliche Sammlung zu einem bestimmten Thema aus der Sammlung des Museums dar und keine eigene Ausstellung.

Von einer digitalen Sammlung haben Forscher einen großen Vorteil. Ein virtuelles Museum mit einer kuratierten Ausstellung bietet ihnen weniger Mehrwert, wenn hier nicht gerade die Bilder hängen, die sie aus der jeweiligen Sammlung für ihre eigenen Projekte suchen. Als Kunsthistorikerin begeistern mich digitale Sammlungen, weil sie mir den Zugriff auf verschiedene Kunstwerke ermöglichen zu denen ich nicht „mal eben“ hinreisen kann.

Also warum überhaupt virtuelle Museen? Weil hier im Gegensatz zu einer virtuellen Sammlung, die einfach eine riesige Menge Objekte abbildet, umfassende Vermittlungsarbeit geleistet werden kann. Wenn ich einen Raum schaffe, in dem sich die Besucher bewegen können, kann ich virtuelle Führungen anbieten. Die Besucher können sich mit den Mitarbeitern, aber auch untereinander austauschen und vernetzen. Es besteht die Möglichkeit von Schulklassen im Unterricht den Museumsbesuch vorzubereiten. Die Möglichkeit gemeinsam Kunst zu erleben, jenseits von Barrieren und Öffnungszeiten, ist hier viel größer als in einer digitalen Sammlung.

Art Cologne 2014

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Der Eingang zur Art Cologne mit Werken von Richard Serra.

Alle Jahre wieder pilgert die deutsche Kunstwelt zur Art Cologne, auch ich bin natürlich wie jedes Jahr gefahren, um zu gucken was die großen Galerien zeigen. Alleine gucken ist langweilig, deshalb habe ich mich dieses Jahr mit Sandra Vacca getroffen, die ich vom Bloggertreffen kenne.

Bevor ich zu meinem Resumé der Messe komme, möchte ich kurz klar stellen, dass ich Kunstmessen wichtig finde. Galerien und Kunstmessen haben ihre Berechtigung und sind ein wichtiger Baustein im schnellen Karussell, dass sich Kunstwelt nennt. Die meisten Galerien arbeiten jahrelang mit Künstlern zusammen, bauen sie auf und sorgen dafür, dass sie bekannt werden. Diese Arbeit an der Front können Museen nicht leisten. Neben den Galerien machen das Kunstvereine, auch hier kann man junge Künstler entdecken. Passend dazu wird auf der Art Cologne jedes Jahr der ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine verliehen. Dieses Jahr wurde der Bielefelder Kunstverein ausgezeichnet. Das hat mich besonders gefreut, denn der Kunstverein aus meiner Heimat macht wirklich großartige Ausstellungen.

Trotzdem muss ich zu meinem Bedauern sagen, dass auf großen Messen wie der Art Cologne das 20. Jahrhundert irgendwie „überpräsent“ ist. Viele Newcomer gibt es nicht zu entdecken. Auch wenn Sandra und ich begeistert sind über Werke von Andy Warhol, Mel Ramos (Pop-Art geht halt immer) und Bacon. Mich begeistert darüber hinaus noch die Installation von Paul McCarthy und Werke von Jürgen Klauke. Jedoch sind das alles Künstler, die international anerkannt sind und bereits in vielen Museen hängen bzw, regelmäßig ausgestellt werden. Wo sind sie, die Künstler die wir vielleicht noch nicht kennen?

Nicht bei der jungen Galerie Waldburger aus Brüssel, die ich hier trotzdem kurz als ein persönliches Highlight von mir erwähnen muss. Denn der charmante Galerist hat ausschließlich Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Lynn Hershmann Lesson mitgebracht. Die Pionierin auf dem Gebiet der Medienkunst gehört zu meinen absoluten Lieblingskünstlerinnen. Ein ganzer Messestand mit Werken zu ihrem langjährigen Performance-Projekt „Roberta Breitmore“ begeistert mich daher natürlich. Besonders gefreut hat mich zudem, dass die Künstlerin selbst anwesend war. Ich durfte sie bereits 2012 anlässlich ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Bremen kennenlernen. Als Gast des Sammlers Lutz Teutloff, für dessen Sammlung ich damals Social Media gemacht habe, war ich bei der Eröffnung. Im Anschluss fand ein Essen mit der Künstlerin und den Ausstellungsmachern statt.

Der Messestand der Galerie Waldburger aus Brüssel mit Arbeiten von Lynn Hershman Leeson. Zu sehen sind die Künstlerin, der Galerist, sowie Dr. Anne Schloen aus Köln.
Der Messestand der Galerie Waldburger aus Brüssel mit Arbeiten von Lynn Hershman Leeson. Zu sehen sind die Künstlerin (links), sowie der Galerist im Gespräch mit Dr. Anne Schloen aus Köln. Anne Schloen macht u.a. das wunderbare Magazin „Moff“.

Gegen Ende unseres Rundgangs über die Messe haben wir sie dann doch noch gefunden. Die Künstler, die wir noch nicht kennen, die uns aber sofort überzeugen. Interessanterweise finden wir unser persönliches Messe-Highlight nicht in der oberen Etage der Contemporary Art, sondern unten. Die Galerie Ernst Hilger aus Wien hat mitten im Messeteil zur Moderne einen Teil des Projekts Cash, Cans & Candy installiert. Ein großartiges Projekt mit Street Art Künstlern, dass ich von einer so „klassischen“ Galerie nicht erwartet hatte. Auf der Art Cologne wurden hervorragende Arbeiten der Künstler Nychos (Austria), XOOOOX (Germany), Stefan Strumbel (Germany), FAILE (USA), Shepard Fairey (USA), Stinkfish (Colombia), The Stencil Network (Puerto Rico) Alexis Diaz (Puerto Rico) gezeigt. Nach einem sehr netten Gespräch mit der Kuratorin steht fest, die Galerie Hilger werde ich auf jeden Fall besuchen, wenn ich im Juni in Wien bin. Von diesen Künstlern möchte ich mehr sehen. Viel mehr! Am liebsten hätte ich direkt das ein oder andere Werk mitgenommen, aber gerade habe ich mir selbst einen Kaufstop für Kunst auferlegt. Bis nach meinem Studium wird erstmal nur geguckt und nicht gekauft. 

Alles in allem war mein Besuch der Art Cologne wie jedes Jahr ein voller Erfolg. Ein schöner Pflichttermin im Kunstjahr, der viel Spaß gemacht hat. Viel Altbekanntes und ein echtes Highlight bei der Galerie Hilger. Einfach ganz viel gute Kunst. Was will man mehr?