#BloggerFuerFluechtlinge | Das „Social Web“ wird richtig laut

Seit nun etwas mehr als einer Woche gibt es die Initiative Blogger für Flüchtlinge, ins Leben gerufen von Nico LummaStevan PaulKarla Paul und Paul Huizing. Es wurden bereits über 80.000 € Spenden (Stand: 31.08.15, 19 Uhr) gesammelt, die über betterplace.org transparent an Initiativen verteilt werden. Ich war eine der ersten 100 in der Facebook-Gruppe (mittlerweile sind es weit über 1000), in der wir uns austauschen und trotzdem habe ich lange an diesem Post gesessen und es nicht wie so viele andere geschafft, letzte Woche bereits einen Post zu veröffentlichen. Ich könnte das jetzt auf meinen vollen Terminplan schieben oder auf die anderen Blogs für die ich Beiträge geschrieben habe, aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Ich habe viel getwittert, Beiträge anderer Blogger geteilt und jedem, der es hören wollte (oder nicht) von der Initiative erzählt. Ich habe zudem mit einer anderen Bloggerin zahlreiche Fashion Blogger angeschrieben, ob sie nicht mitmachen wollen. Zeit war also da. Energie eigentlich auch. Trotzdem ist mir noch nie ein Blogbeitrag so schwer gefallen. Das erste Mal in meiner Zeit als aktive Bloggerin fehlen mir angesichts des braunen Terrors und dem andauernden Elend die Worte. Mein Blog mag eher unpolitisch daherkommen, aber ich habe mich schon immer für Verschiedenes engagiert. Privat. Nicht öffentlich. So halten das sicherlich viele Menschen. Doch die Initiative Blogger für Flüchtlinge ruft zu Recht dazu auf, dass wir laut werden und das Netz mit positiven Botschaften fluten, dass wir teilen was wir tun und fordern, dass man allen Menschen, die in unserem Land Schutz suchen, mit Menschlichkeit begegnet. Auch denen, die wir nicht dauerhaft aufnehmen werden. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Warum ich die Initiative unterstütze und warum ich hoffe, dass auch Institutionen sich mit ihren Blogs beteiligen, versuche ich in den folgen Zeilen mal einigermaßen geordnet aufzuschreiben.

Das Netz sollte ein sozialer Ort sein, nicht rechtsradikal!

Ich bin nicht nur beruflich ein großer Fan des Social Web und seiner vielen Möglichkeiten, doch wenn ich sehe wie diese Möglichkeiten von rechtsradikalen Gruppen genutzt werden, um sich zu versammeln und zu Angriffen auf Flüchtlingsheime aufzurufen, zweifle ich an der Menschlichkeit dieses Landes bzw. des ganzen Kontinents. Mir scheint, dass sich die Politik viel zu sehr darum bemüht Zäune zu bauen und Menschen schneller abzuschieben. Der Umgang mit den Menschen, die ein Bleiberecht haben und auch mit all denen, die versuchen eines zu bekommen, scheint mir nicht im Vordergrund zu stehen. Hinzu kommen viele Menschen, die den Eindruck wecken wir werden demnächst „überflutet“ und aus unserer eigenen Kultur vertrieben. Das kann und will ich so nicht stehen lassen. Das Netz sollte ein sozialer Raum sein! Daran müssen wir alle arbeiten. Das heißt volksverhetzende Aufrufe nicht nur zu melden, sondern bei der Polizei anzuzeigen. Das heißt, dass wir gemeinsam unsere Stimme erheben und sagen, dass wir für Menschenrechte und Menschlichkeit einstehen und diese für unsere Gesellschaft einfordern. Das heißt, dass wir erwachsen mit Ängsten umgehen und Ausländerfeindlichkeit keine Plattform bieten.

Weil Flucht niemals „einfach“ ist

Ich kenne Menschen, die hierher gekommen sind, weil in ihrem Land täglich Bomben vom Himmel fallen und ich kenne nicht einen, dem diese Entscheidung leicht gefallen ist. Niemand lässt seine Heimat, sein Hab und Gut und seine vertraute Umgebung und Kultur hinter sich, um über eine Todesroute ins Ungewisse zu ziehen. Wer das ernsthaft glaubt, hat wohl noch nie wirklich nachgedacht. In dieser Debatte höre ich auch immer wieder viele Märchen zum Zweiten Weltkrieg und der Zeit davor und danach. Und ich finde es wirklich schlimm wie verklärt die Geschichte mittlerweile von manchen dargestellt wird. Warum zum Beispiel Juden damals nicht „einfach“ das Land verlassen haben, hat Juna ganz wunderbar auf ihrem Blog beschrieben. Ein wunderbarer Post, nur traurig, dass man sowas nochmal klar stellen muss. Ähnliche Verklärungen gibt es auch über die Zeit nachdem Zweiten Weltkrieg. Da wird glorreich beschrieben wie Deutschland seine Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Gebieten aufnahm und alle Hand in Hand das Land wieder aufbauten. Wie unruhig die Zeiten sind, sehe ich besonders daran, dass meine Oma das erste Mal in ihrem Leben das Bedürfnis hat, mir vom Krieg zu erzählen. Ihr ganzes Leben lang hat sie ihre Erfahrungen für sich behalten. Heute regt sie sich so sehr über die rechte Gewalt gegen Flüchtlinge auf, dass sie den Drang hat von ihren eigenen Erfahrungen zu sprechen. Aufgewachsen ist sie in Danzig und als sie acht Jahre alt war und der Krieg verloren, ist sie mit ihrer Mutter zu Fuß geflüchtet bzw. zuerst auf einem Boot und dann zu Fuß über das Eis und bis nach Nordrhein-Westfalen. Mit offenen Armen, wie das gerne dargestellt wird, wurden sie nicht empfangen und Helfen oder Abgeben wollten erst recht die wenigsten. Gerettet hat sie am Ende, dass es eben schon immer Menschen gegeben hat, die denen geholfen haben, die es nötig hatten. Hätte es die nicht gegeben, würde ich wohl heute ganz sicher nicht diesen Beitrag veröffentlichen. Auch deshalb möchte ich zu denen gehören, die den Unterschied machen und hoffe, dass wir am Ende des Tages die breite Masse sind und nicht die Ausnahmen.

Es übersteigt meine Vorstellungskraft bei Weitem auch nur annähernd zu verstehen was Menschen auf der Flucht durchmachen müssen und finde schon den Versuch so furchtbar, dass ich Gänsehaut bekomme. Meine Oma war damals noch ein Kind und auch heute sind viele Kinder und Jugendliche unter den Flüchtlingen, die hier ankommen, wie unter denen die auf dem Weg umgekommen sind. Es übersteigt noch viel mehr meine Vorstellungskraft wie man sich dem Elend verschließen kann und einfach behauptet, das wäre nicht unser Problem. Wir leben in einer globalisierten Welt und sind ein reiches Land, ein Land, in dem mal eben 75 Mil. Euro für den Transfer eines einzigen Fußballspielers bezahlt werden können, da werden wir jawohl denen Hilfe geben können, die sie sonst nirgendwo bekommen.

Gegen Vorurteile kämpfen

Auch in meinem näheren Umfeld begegnen mir immer wieder Vorurteile. Oft nur kleine, aber dennoch. Wie schnell können kleine Vorurteile groß werden und außer Kontrolle geraten. Wer Flüchtlingen ein Handy neidet, der denkt in Statussymbolen und nicht an die Notwendigkeit den Verwandten zu sagen, dass man überlebt hat oder Fotos der eigenen Kinder zu retten! Aber der Spiegel hat gängige Vorurteile in diesem wunderbaren Video viel besser zusammengefasst als ich das an dieser Stelle könnte.

Ein wichtiges Ziel bei Blogger für Flüchtlinge ist es auch, Menschen aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Je mehr dazu beitragen, desto besser!

Ich möchte in einer offenen Welt leben

Seit ich klein bin, bin ich viel gereist und „leide“ auch heute permanent unter Fernweh. Ich möchte dabei aber nicht in einer Welt leben, in der ich Freizügigkeit und offene Grenzen erlebe und andere Menschen hinter Stacheldraht stehen. Ich möchte in einer offenen Welt leben, in der Glaube und Religion friedlich ausgelebt werden können und Menschen sich gegenseitig ihre Kulturen näher bringen und offen füreinander sind. Ich war in armen und in reichen Ländern, doch überall habe ich Gastfreundschaft und Herzlichkeit erlebt. Eine Welt, die ihre Grenzen und Mauern wieder aufbaut, ist mein persönlicher Alptraum. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede und nicht jede Hürde kann ohne Weiteres überwunden werden, aber warum wehren wir uns so sehr dagegen gemeinsam am Wohlstand und dem Miteinander einer Weltgemeinschaft zu arbeiten. Europa war mal so ein wunderbarer Ansatz, der Grundgedanke war auf jeden Fall der richtige und zu diesem sollten wir zurückkehren.

Wir sollten den Menschen, die zu uns kommen eine Chance geben. Die Chance, die jeder bekommt, der das Glück hatte hier geboren zu sein, was alleine mal keine Leistung ist, sondern ein Glücksfall. Alle Menschen, die ich kenne, die hierher gekommen sind, wollten arbeiten und sich eine Existenz aufbauen. Ich kenne keinen einzigen, der sich heute, einige Jahre nach seiner Flucht, auf dem Sozialsystem ausruht. Leider können wir keine Nazis gegen Flüchtlinge eintauschen, wir können aber klar machen, das in einem funktionierenden, demokratischen, weltoffenen Land kein Platz für Fremdenhass ist. Dafür kann jeder etwas tun! Es beginnt schon indem Moment, indem man Stammtisch-Gerede keinen Platz im Freundeskreis einräumt.

Meine Freunde sollen auf der Straße keine Angst haben müssen

Ich habe Freunde aus der ganzen Welt. Vielen leben hier, weil sie hier arbeiten oder bereits hier studiert haben. Dabei sind Menschen, die aus dem Iran, Ägypten oder Indien kommen. Nicht alle von ihnen sind als Flüchtlinge her gekommen, manche einfach, weil sie hier eine gute berufliche Perspektive haben. Nun bekommen einige von ihnen langsam Sorgen in Deutschland nachts auf die Straße zu gehen, weil sie bereits angepöbelt wurden. Doch auch viele kleine Momente im Alltag lassen mich manchmal daran zweifeln, ob wir ein so freundliches Land sind. Das sind die Momente, wenn Freunde von mir sich anhören müssen, dass sie so gut deutsch sprechen, als wäre das nicht zu erwarten, wenn jemand einen dunkleren Teint besitzt. Oder die Überraschung, wenn einer von ihnen sich als an einer deutschen Uni promoviert zu erkennen gibt. Vorurteile und latente Ausländerfeindlichkeit begegnen einem täglich und viel zu lange wurde das in der Breite mit Stillschweigen quittiert. Es wird Zeit, dass wir das ändern und ehrlich sagen „Refugees Welcome“ – Deutschland ist ein buntes und offenes Land.

Das hier waren nur einige Punkte warum ich mich der Initiative Blogger für Flüchtlinge angeschlossen habe! Demnächst, habe ich mir fest vorgenommen, über mein Engagement für Flüchtlinge hier direkt vor Ort zu schreiben und meine konkreten Erfahrungen zu teilen. Vermutlich wird mir das wieder schwer fallen, aber auch das ist etwas was wir angesichts der Übergriffe und Nachrichtenlage lernen müssen, aus unserer Komfortzone kommen und uns für andere einsetzen!

Das wünsche ich mir besonders auch von den deutschen Kulturinstitutionen. Wenn es bereits einen Blog gibt, sollte der genutzt werden, aber auch auf einer Website kann man natürlich einen Beitrag einbauen. Viele engagieren sich ja vor Ort, es ist Zeit darauf aufmerksam zu machen. Institutionen haben einen Bildungsauftrag, der selten so wichtig war wie heute!

Wer sich engagieren möchte, kann sich auf der Website informieren und/oder hier spenden. Lasst uns gemeinsam laut und sichtbar sein!

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Blogger Relations | 6 Basics für erfolgreiche Kooperationen

Heute folgt nun endlich der zweite Teil meiner Grundlagen für erfolgreiche Blogger Relations. Im ersten Teil ging es darum, was meiner Meinung nach aus Blogger-Sicht von Institutionen und Firmen berücksichtigt werden sollte, wenn mit Bloggern dauerhaft kooperiert werden soll. Nun hat alles im Leben zwei Seiten und wenn eine Zusammenarbeit nachhaltig und erfolgreich sein soll, gibt es natürlich auch Grundlegendes, das man als Blogger beherzigen sollte. Selbstverständlich ist es nicht das Ziel jedes Bloggers kommerzielle Kooperationen einzugehen, geschweige denn hauptberuflich zu bloggen. Trotzdem tritt man natürlich, wenn der Blog frei zugänglich ist, in die digitale Öffentlichkeit und sollte sich dessen auch bewusst sein. Wenn man aber regelmäßig über Ausstellungen, Produkte, Bücher, Events oder Fashion schreiben möchte, sollte man das ein oder andere beherzigen. Den ersten Post habe ich aus Sicht eines Bloggers geschrieben, heute möchte ich versuchen aus der Sicht des Unternehmens/Museums zu schreiben, als jemand der Blogger betreut und regelmäßig sowohl Anfragen bekommt als auch solche stellt. Immer wieder merke ich in Gruppen, in denen ich mich mit anderen Bloggern austausche große Unsicherheiten und natürlich auch eine große Bandbreite an Erfolgen einzelner Blogger. Manchmal scheint mir, dass es nur an Kleinigkeiten liegt, warum der eine erfolgreicher ist als der andere. Natürlich nicht nur, aber auch. Vor allem, wenn man kommerzielle Kooperationen eingehen möchte, sollte man die folgenden Punkte auf jeden Fall berücksichtigen. Jeder muss natürlich seinen eigenen Weg gehen und jeder Blog ist anders, aber hier geht es erstmal nur um Basics, die eigentlich für Fashion- genauso relevant ist wie für Kulturblogger. Dieser Posts ist keineswegs erschöpfend oder gar ausreichend, wenn man erfolgreich sein möchte. Basics in rechtlichen Fragen etc. muss man sich auf jeden Fall auch aneignen. Und natürlich freue ich mich wie immer, über Erweiterungen und Hinweise, was möglicherweise fehlt oder auch noch dringend beachtet werden sollte. Natürlich sind das hier auch meine individuellen Erfahrungen, da gibt’s bestimmt noch mehr hinzuzufügen.

Gleichzeitig ist dieser Post auch als kleine Hilfe für Kollegen gedacht, die sich an manchen Tagen fragen, was man eigentlich bei so einer Zusammenarbeit mit Bloggern vom Gegenüber erwarten darf.

Immer schön höflich bleiben

Bereits in meinem ersten Post für Unternehmen und Institutionen habe ich auf den richtigen Umgang mit Mails etc. hingewiesen. Das gleiche gilt natürlich auch für Blogger. Wenn man mit offiziellen Vertretern eines Unternehmens Kontakt aufnimmt oder eine Anfrage erhält, tauscht man keine Mails mit seinen Freunden aus. Ein förmliches Sie sollte zunächst immer benutzt werden. Nun merke ich auch oft, dass man als Blogger einfach geduzt wird, das heißt aber noch nicht, dass man das mitmachen muss. Wie im Berufsleben zeigt sich, dass eine professionelle Sprache und Ansprache manchmal Gold wert ist. Denkt darüber nach welche Zielgruppe Ihr habt und wie Ihr von Unternehmen wahrgenommen werden wollt. Es macht einen großen Unterschied ob man eine Email mit „Hi“ oder „Hey Du“ beginnt oder mit „Guten Tag“ oder „Sehr geehrte(r)…“. Am Ende darf das natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ich finde es aber einfach höflicher. Die Emailadresse sollte natürlich auch professionell sein und auf den Blog verweisen und nicht „sexyMietze48“ im Namen führen 😉

Noch wichtiger ist das Berufen auf die allgemeine Höflichkeit natürlich, wenn mal etwas nicht so läuft wie es soll. Als Blogger hat man im Idealfall ein mächtiges Organ mit seinem Blog. Macht sollte man aber immer mit Bedacht ausüben. Nur weil man eine unverschämte Anfrage bekommt, muss man diese nicht auf dem gleichen Niveau beantworten. Legt Euch eine Standardvorlage zurecht für die 100. Email à la „Wir haben hier einen tollen Müsliriegel. Wenn wir Ihnen einen zuschicken, erwarten wir als Gegenleistung einen 900 Wörter Post!“. Nicht aufregen, höfliche Antwort hinschicken und fertig. Tut keinem Weh und zeigt dem jeweiligen Unternehmen im Zweifel, dass man mit Bloggern so nicht umgehen kann. Sollte ein Event völlig schief gelaufen sein, fragt erstmal höflich nach wie das sein kann. Gebt konstruktive Kritik und Vorschläge was anders hätte laufen müssen. Und bitte schreibt nicht sofort einen Verriss auf dem Blog. Vielleicht war etwas nicht beabsichtigt und das Unternehmen ist sogar dankbar für Eure Hinweise. Und am Ende des Tages hat man ja immer noch die Möglichkeit einfach gar nichts zu schreiben. Macht weniger Arbeit und sieht im Zweifel auch für Euch besser aus. Und jedem von uns passieren mal Fehler im Leben, die meisten Probleme lassen sich im persönlichen Austausch am besten klären.

Die Kunst Danke zu sagen

Das gehört natürlich auch irgendwie mit zum Thema Höflichkeit im Umgang. Dieses Thema ist mir aber so wichtig, dass ich ihm gerne einen eigenen Abschnitt widmen möchte. Ich bin selbst immer die erste, die sich beschwert, wenn ein Unternehmen/Museum meine Beiträge nicht teilt, nicht kommentiert oder überhaupt scheinbar nicht wertschätzt, selbst wenn ich eingeladen war. Das gleiche gilt natürlich auch andersherum. Wenn ich wirklich hervorragend betreut worden bin und die andere Seite ganz wunderbar war, dann verschicke ich ganz altmodisch eine Danke-Karte. Das mache ich übrigens auch, wenn erst was schief ging, dann aber sehr viel Zeit investiert worden ist, um es wieder gut zu machen. Wir sind alle nur Menschen. Als Blogger sind wir oft auch in einer privilegierten Situation, wir dürfen auf Eröffnungen, zu Events, bekommen Dinge gratis, die wir wollen (manchmal auch nicht) und werden im großen und ganzen meist sehr gut umsorgt. Das sollte man zu schätzen wissen. Danke-Karten sind im anglo-amerikanischen Bereich übrigens verbreiteter. Eine altmodische, handgeschriebene Karte ist in heutigen Zeiten auch einfach etwas besonderes und kann zum Ausdruck bringen, dass man sich ebenfalls die Zeit genommen hat Danke zu sagen. Eine Email ist natürlich auch eine Möglichkeit, die ich ebenfalls meistens benutze, aber manchmal möchte, dass mein Danke mehr ist als eine Email, die dann im Nirvana des Alltäglichen verschwindet. Richtige Karten kann ich Euch nur ans Herz legen, die kommen wirklich gut an.

Professionalisiert Euch

Neben einem guten Umgang und der Kunst Danke zu sagen, sollte man sich als Blogger auch allgemein professionalisieren. Dazu gehört auch eine eigene Emailadresse für den Blog. Das geht bei einem guten Website-Design weiter. Heute gibt es für jede Plattform und jedes CMS so unendlich viele gute kostenfreie oder günstige Templates, die man installieren kann, das mir völlig unklar ist, warum es immer noch so viele Blogs in 90er-Jahre Optik gibt. Wenn ich eine Anfrage von einem Blogger bekomme und es kaum ertragen kann die Seite anzuschauen, weil ganz viel blinkt und springt oder einfliegt, dann bin ich mit einer Kooperation zurückhaltend. Für mich als Unternehmensvertreter steht immer die Frage im Raum und an erster Stelle, wer sind die Leser und kann ich die Beiträge später guten Gewissens über meine Kanäle teilen. Auch die Frage ob die Optik zum Stil des Unternehmens passt, spielt bei meinen Antworten und auch bei meiner Blogger-Auswahl eine große Rolle. Dabei sollte aber auch keine andere Seite kopiert worden sein, einfach einigermaßen zeitgemäß und passend zum jeweiligen Thema sollte es sein. Und natürlich responsiv!

Ganz wichtige Basisausstattung für jeden Blogger sind zudem Visitenkarten. Man könnte denken, dass wäre auch altmodisch, aber nach wie vor sind Visitenkarten das A und O des professionellen Umgangs. Ich trage zum Beispiel ständig drei unterschiedliche mit mir herum. Eine für diesen Blog (schließt meine Beratungs- und Schulungstätigkeiten ein), eine für MuseumLifestyle und natürlich eine vom Verlag. In meinem Filofax habe ich außerdem Hüllen mit allen Visitenkarten wichtiger Kontakte, die ich so in den letzten Jahren gesammelt habe. Visitenkarten haben den großen Vorteil, dass man seine Kontakte schnell wiederfindet, auch wenn man den Ansprechpartner vielleicht nicht mehr weiß. In meinem mobilen Adressbuch wäre ich aufgeschmissen, wenn ich nicht mehr wüsste wie der Nachname des Ansprechpartners war oder die Mailadresse. Darüber hinaus haben Visitenkarten den großen Vorteil, das sie etwas über Euch und euren Blog erzählen können. Vom Papier über das Design bis hin zur gesamten Qualität kann eine Visitenkarte darüber entscheiden, ob Euch ein Unternehmensvertreter interessant findet. Eine Visitenkarte ist Eure Handschrift im Kleinformat, deshalb sollte in die Auswahl Zeit investiert werden. Am besten ist es natürlich Ihr habt ein eigenes Blog-Logo, das auf eine Seite gedruckt werden kann. Ein Logo ist auf Dauer auch ein wichtiger Wiedererkennungswert. Wenn Ihr im Lifestylebereich unterwegs seid, kommt Ihr auf keinen Fall drum herum. Aber auch hier heißt das oberste Gebot Professionalität. Bastelt auf keinen Fall selbst irgendwas, wenn Ihr von Typographie und Design nichts versteht. Schaut Euch im Bekanntenkreis um, ob es jemanden gibt, der Euch helfen kann!

Zur Professionalität gehört natürlich auch eine gewisse Qualität. Gute Texte ohne Rechtschreibfehler und hochwertige Fotos sind mittlerweile ein unbedingtes Muss für jeden Blog. Die Zeiten der verwackelten Handyfotos sind vorbei! Schaut Euch mal richtig erfolgreiche Blogger an, die meisten arbeiten mit Fotografen zusammen. Natürlich kann sich das gerade am Anfang kein Mensch leisten. Einfach nehmen, geht natürlich auch gar nicht. Auch bei Unternehmen gibt es immer weitere Rechtinhaber und die Nutzung von Fotomaterial muss unbedingt immer vorher abgeklärt werden! Man sollte sich auf jeden Fall eine gute Kompakt- oder Spiegelreflexkamera besorgen und Basics in Photoshop oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen sollte man sich ebenso zulegen. Selbst für Instagram reichen verwackelte Handybilder nicht aus. Damit lockt man keine Sponsoren oder Kooperationspartner an. Auf den meisten Blogs begegnen mir auch wirklich gute Bilder, oft sind aber die Texte nicht so toll. Natürlich zählt immer um welches Produkt es geht und auch die Textlänge ist mir erstmal egal, aber wenn jeder Satz grammatikalisch eine Zumutung und die Rechtschreibung mangelhaft ist, dann kommt für mich eine Zusammenarbeit schon nicht mehr in Frage, auch nicht bei den tollsten Bildern. Auch der Inhalt muss stimmen. Wenn Ihr unsicher seid, besorgt Euch am besten jemanden der Korrektur liest. Das ist total OK, das machen viele Blogger. Die richtigen Profis haben oft sogar Lektoren und Übersetzer. Das ist keine Schande, jeder professionelle Autor hat die auch an seiner Seite.

Für Kooperationen sollte dauerhaft außerdem ein Media-Kit mit allen Zahlen erstellt werden. Da könnt Ihr Euch bei klassischen Magazinen oder anderen Blogs inspirieren lassen, aber auch, wenn es bloß ein einfaches PDF ist, sollte es alle Daten zu Followern, Email-Abonnenten etc. enthalten. So sieht jemand direkt auf einen Blick welche Reichweite euer Blog hat. Selbstverständlich kann man auch weitere Kooperationspartner nennen, um Interesse zu wecken.

Ein Einlesen in Marketing-Strategien und Social Media Management kann ich auch nur empfehlen. Bei manchen Bloggern scheitert es vor allem daran, dass sie ihre Texte einfach nicht zu ihren potentiellen Lesern bekommen. Heute reicht es leider schon lange nicht mehr irgendwo im Internet gute Inhalte zur Verfügung zu stellen. Man muss diese fleißig teilen und dahin bringen wo die Leser sind. Wenn man irgendwann einen großen Stamm Email-Abonnenten hat, steht man natürlich schon richtig gut da, aber auch da muss man erstmal ankommen und prinzipiell gibt es immer noch irgendwo Leser, die man noch nicht erreicht.

Kennt Euren Wert

Egal ob Ihr auf kommerzielle Kooperationen wert legt oder nicht, kennt Euren Preis und Euren Marktwert. In den USA spricht man schon lange von Benchmarks, wenn es um Blogger geht. Hier ist das noch nicht so üblich. Immer öfter höre ich aber Klagen über unverschämte Angebote. Da schicken Unternehmen Gutscheine raus mit einer ganzen Latte von Forderungen als Gegenleistung. Das ist nicht in Ordnung, aber auch für die wirklich netten Anfragen ist es gut, wenn man eine feste Preisstaffel im Hinterkopf hat. Überlegt Euch wie lange Ihr für einen Beitrag braucht, wie viele Leser (unique user) Ihr monatlich erreicht und ob Ihr Fotografen engagiert oder nicht. Natürlich sollte man realistisch bleiben! Trotzdem auch standhaft. Ich habe bereits mehr als einmal Angebote abgelehnt, auch wenn es natürlich nett gewesen wäre ein bisschen „Taschengeld“ zu verdienen. Aber auch Agenturen, Firmen und Institutionen sprechen miteinander. Tut Euch den Gefallen und werdet nicht der Blog, von dem alle wissen, dass man dort Beiträge schon für 50 Euro bekommt. Damit macht Ihr euch selbst das Geschäft kaputt und anderen Bloggern natürlich auch. Nach wie vor sind Blogger, selbst wenn sie einige hundert Euro für einen Beitrag nehmen, viel günstiger als klassische Werbung. Wenn Ihr einen professionellen Blog betreibt, der einige tausend Leser erreicht, dann seid Ihr das wert. Das soll nicht heißen, dass man nicht kleine Labels, gute Museen oder soziale Projekte mit Beiträgen umsonst unterstützt oder über Events schreibt, auf denen man Spaß hatte. Auch wenn ich irgendwo hin möchte und frage ob ich als Blogger kommen kann, erwarte ich natürlich nicht das gleiche wie bei einer Anfrage, die mir gestellt wird, weil jemand unbedingt möchte, dass ich über ihn schreibe. Da sollte man schon unterscheiden. Mein Grundsatz ist einfach, dass ich nicht umsonst arbeite. Wenn mich jemand engagiert, dann kostet das eben Geld wie jede andere Dienstleistung auch. Positive oder vorgeschriebene Beiträge lasse ich mir natürlich trotzdem nicht diktieren. Als Grundeinstellung würde ich das prinzipiell auch allen anderen Bloggern empfehlen.

Bleib Dir treu

Mit diesem Punkt hätte ich auch beginnen können. Blogs leben von der so oft zitierten Authentizität eines Bloggers. Egal wie viel Geld man möglicherweise verdient, egal wie viele Produkte oder Einladungen man bekommt, man muss sich treu bleiben, sonst verliert man seine Leser. Und verliert man seine Leser, macht das Bloggen keinen Sinn. Der rote Faden eines Blogs entwickelt sich natürlich und auch jeder Blogger entwickelt sich weiter. Manchmal kann es auch Zeit für einen neuen Blog sein, weil manche Themen einfach nicht auf den alten passen oder eine ganz andere Lesergruppe ansprechen. Verliert Eure Ziele und Wünsche niemals aus den Augen. Manchmal kann das am schwersten sein. Manchmal ist es hart eine Anfrage abzulehnen, die wirklich lukrativ wäre, aber am Ende des Tages fühlt man sich doch wohler, wenn man sich nicht „verkauft“ hat. Für diesen Blog habe ich bereits mehr Anfragen abgelehnt als angenommen, aber ich habe das Gefühl, dass das die Qualität erhalten und den Inhalt auf Kurs gehalten hat. Lasst Euch niemals aus der Bahn werfen, wenn Euer Blog eine Herzensangelegenheit ist, dann steht man auch jede Durststrecke durch. Lasst Euch auch nichts erzählen, die Menge der Beiträge ist zum Beispiel nicht zwangsläufig entscheidend. Dieser Blog lebt und wächst seit zwei Jahren stetig, obwohl ich im Schnitt nur einmal im Monat einen Beitrag schreibe. Wichtig ist, dass Ihr zufrieden seid!

Manage deine Erwartungen

Der letzte Punkt für diesen Beitrag hat einen direkten Bezug zu allen Hinweisen davor. Als Blogger muss man unbedingt seine Erwartungen auf einem realistischen Level halten. Immer wieder begegne ich Bloggern, die die nächste Masha Sedwick werden wollen. Generell lebe ich auch nach dem Motto „Think big“, aber realistisch sollte man schon sein. Nicht jeder Blog wird es soweit bringen, dass man plötzlich hauptberuflich bloggt und 6 Angestellte hat, die einen unterstützen. Das ist und bleibt die Ausnahme. Dafür gibt es einfach zu viele von uns. Und auch in schlechten Zeiten, wenn einem nicht so recht das richtige Thema einfällt oder negatives Feedback kommt, muss man in der Lage sein sich selbst zu motivieren und darf auf keinen Fall die „beleidigte Leberwurst“ spielen. Auch wenn man alles Herzblut in eine Anfrage steckt, weil man wirklich gerne mit einem Unternehmen zusammenarbeiten möchte, kann es eine Absage geben. Auch wenn man auf eine Ausschreibung antwortet, wird es immer mal wieder zu Rückschlägen kommen. Am besten cool bleiben und immer wieder zwischendurch die eigenen Erwartungen überprüfen. Manchmal hat man auch schon viel gewonnen, wenn man fragt, ob man obwohl es nicht geklappt hat, in den Verteiler für die Zukunft aufgenommen wird. Daraus kann dann später immer nochmal eine Zusammenarbeit entstehen. Es hat auch einfach noch niemandem geholfen, größenwahnsinnig zu werden. Und natürlich sind Blogger heute ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation, auch im Marketing weiß man das in der Regel. Trotzdem hat kein Unternehmen und mit Sicherheit kein Museum auf den Blogger mit Star-Alluren gewartet. Da habe ich wirklich schon die wildesten Forderungen gehört. Eine Kooperation ist eine Zusammenarbeit, man arbeitet also zusammen und nicht gegeneinander. Das Unternehmen braucht gute Blogger, wir brauchen aber auch Menschen, die mit uns zusammenarbeiten möchten. Ich kenne genug Kollegen, die an vielen Tagen keine Lust mehr auf Kooperationen haben, weil die mitunter wirklich anstrengend werden können. Auch hier hilft ein gesundes Bewusstsein für die eigenen Erwartungen. Wenn man dabei realistisch bleibt, steht erfolgreichen Kooperationen nichts mehr im Weg.

Fazit

So ganz habe ich es natürlich nicht geschafft, meine eigenen Erfahrungen als Blogger außen vor zu lassen. Ich bin eben doch nie nur Unternehmensvertreter, sondern immer auch Blogger und umgekehrt. Manchmal hilft das auch für das gegenseitige Verständnis. Ist ein bisschen wie mit den Auto- und den Fahrradfahrern, die Rücksicht steigt, wenn man mal die Seiten wechselt. Und generell hilft es natürlich, wenn man sich mal in die Situation des Gegenüber hineinfühlt. Aber bevor das hier Punkt 7 wird und ein Buch statt einem Blogbeitrag, ist für heute Schluss. Als nächstes widme ich mich dann dem wichtigen Thema der Krisenkommunikation, wenn etwas mal so richtig schief läuft bei einer Zusammenarbeit. Nun bin ich gespannt auf Rückmeldungen.

GASTBEITRAG | „Warum ich abmahne!“ von Marco Wittler

Das Internet gilt heute immer noch für viele Menschen als ein rechtsfreier Raum. Jeder darf alles und es gibt keine Konsequenzen für mein Handeln. Man ist ja anonym und bei Facebook gibt man einfach einen Fantasie-Namen an.

Deswegen boomen seit Jahren illegale Tauschbörsen und Downloadportale, in denen man so ziemlich jede Art von Medien umsonst runterladen kann. Warum auch dafür bezahlen? Die Filmstudios, Schauspieler, Musiker, Autoren, Fotografen, Texter, … bekommen doch eh schon viel zu viel Geld. Die sind raffgierig und wollen einem nur das Geld aus der Tasche ziehen.

Das ist im Moment in unserer Mitnahmegesellschaft eine weit verbreitete Meinung. Man regt sich über Kunstschaffende auf, man verteufelt die GEZ, die GEMA und alle anderen, die an ihren Werken etwas verdienen wollen. Es ist ja auch unverschämt, dass sie ihre Werke nicht umsonst anbieten. Frechheit.

Dass diese Künstler damit aber neue Projekte finanzieren, ihren Lebensunterhalt verdienen, ihre Steuern davon bezahlen und ihre Altersversorgung damit aufbauen, scheint niemand zu bedenken. Wahrscheinlich interessiert es auch niemanden.

Umso saurer werden die Raubkopierer und Contentdiebe, wenn sie erwischt werden und von Anwälten mit Abmahnungen und Unterlassungserklärungen bedroht werden. Dann kommt die »böse Abmahnindustrie«, die »unverschämten Abzocker«. Die sind ja die Bösen. Der Raubkopierer ist nur ein kleines Opfer von »raffgierigen Rechteinhabern«, die nicht mal Fünfe gerade sein lassen können. Wie dreist und kaltblütig.

Das sind nur die großen Beispiele, die immer in den Medien breit getreten werden. Da treten dann immer die gleichen bekannten Anwaltsgesichter im Fernsehen auf und geben Rat, wie man sich in solchen Fällen am besten wehren kann. Zusätzlich findet man unzählige Kanzleien bei Google, die sich auf die Gegenwehr bei Abmahnungen spezialisiert haben. Man muss schließlich gegen Anwälte vorgehen, die sich an Contentdieben bereichern wollen und allein damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Es gibt aber auch die kleinen Fälle. Da sind Autoren, die in ihrer Freizeit Bücher schreiben, lokale Bands, die in Eigenarbeit ihre CDs produzieren oder auch Fotografen, die von Veranstaltung zu Veranstaltung hetzen, um das ein oder andere schöne Foto zu schießen und natürlich die Blogger, die stundenlang an ihren Rechnern sitzen und Beiträge in ihren jeweiligen Nischen schreiben, um damit etwas Geld zu verdienen.

Die ganz große Kohle ist damit natürlich nicht zu machen. Reich und berühmt werden nur die Wenigsten. Es ist die Leidenschaft, die diese Menschen antreibt. Die einen arbeiten an ihrer Kunst, an ihren Projekten neben dem normalen Beruf und hoffen immer auf die eine Chance. Andere rackern sich praktisch zu Tode, um hauptberuflich zu künstlern. Arbeit ist es für alle.

Wer heute etwas aus seiner Passion machen will, kommt um das Internet gar nicht mehr herum. Man muss sich präsentieren, sich vernetzen und sich durch harte, lange Arbeit einen Namen aufbauen. Da reicht es natürlich nicht aus, eine einfache Homepage zu erstellen und zu umschreiben, was man macht und kann. Man muss seine Kunst präsentieren. Der Fotograf zeigt also seine Fotos, der Autor veröffentlicht seine Storys online, usw. Da kommt man nicht drum herum.

Neben den Lesern und Bewunderern dieser Künstler kommen dann auch irgendwann die Raubkopierer und Contentdiebe. Ihnen gefallen die Werke natürlich auch. Sie gefallen ihnen sogar so gut, dass sie darin ihre Chance sehen. Per Copy / Paste sind Fotos und Texte ganz schnell in die eigene Homepage, in Blogs und Foren eingefügt. Dauert wirklich nur ein paar Sekunden und ist gar nicht schwer. Und schon hat man ohne wirkliche Arbeit Inhalte, mit denen man nun selbst Leser und Bewunderer anlocken kann und Traffic generiert. Manch Kopierer ist ja noch so ehrlich und schreibt den Namen des Rechteinhabers und die Quelle unter das Werk. Andere sind so dreist und geben alles als ihren eigenen kreativen Erguss aus. Was beide gemeinsam haben: Sie haben etwas gestohlen und neu publiziert. Sie haben gegen das Urheberrecht verstoßen.

Das Problem an dieser Thematik ist, dass sich niemand schuldig fühlt. Die Werke sind doch eh schon im Internet. Was macht es denn da, wenn sie noch einmal irgendwo sind? Deswegen sind auch die Schadenersatzforderungen völlig überzogen. Und das ist der eigentliche Knackpunkt, an dem es interessant wird.

An dieser Stelle wird es Zeit, dass ich mich vorstelle. Ich bin Marco Wittler. Ich bin Kreaktivist. Das soll heißen, dass ich sehr viele kreative Hobbies habe, mit denen ich mich austobe. Ich bin Zauberer, ich bin Feuerspucker, ich bin Autor, ich bin Blogger und noch einiges mehr. Da mir das aber zum Einleiten grundsätzlich zu lang wird, bezeichne ich mich eben als Kreaktivist. Da das aber alles »nur« Hobbys sind, meine großen Leidenschaften, verdiene ich meinen eigentlichen Lebensunterhalt in einem normalen 40-Stunden-Job. Von der Kunst selbst kann ich nicht leben.

Ich bin aber nicht nur Kreaktivist. Ich bin auch Opfer. Nein, ich leide nicht unter krankhaften Abmahnungen, die mir ins Haus flattern. Ich bin das Opfer auf der anderen Seite. Ich leide unter einer chronischen Form von Contentdiebstahl.

In meinem Blog veröffentliche ich seit dem Jahr 2006 Gute Nacht Geschichten für Kinder. Bis heute sind weit über 700 Kurzgeschichten entstanden. Das lockt nicht nur Leser an, sondern eben auch Raubkopierer.

Ich begebe mich alle paar Monate auf die Suche. Eine Suche, die mehrere Stunden und Tage in Anspruch nimmt – Zeit, in der ich mich nur mit Google beschäftige und nichts Kreatives erzeugen kann.

Ich kopiere einzelne Sätze aus meinen Werken und füge sie bei Google ein (in Anführungsstrichen). Dabei vermeide ich Sätze, die Orte und persönliche Namen inne haben, denn die werden regelmäßig ausgetauscht.

Traurigerweise werde ich bei jeder Suche fündig. Meist sind es Nutzer aus Foren, private Homepage-Ersteller oder Blogger, die ihren Blog aufhübschen wollen. Es sind Privatleute. Es sind Menschen, die sich über das Urheberrecht noch nie Gedanken gemacht haben. Sie wissen nicht einmal, dass sie sich strafbar gemacht haben. Sie haben sich nie darüber informiert. Oft sind es sogar Teenager.

Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Unternehmen meine Texte verwerten, z.B. für ihre Homepage. Oder auch »Autoren«, wenn man sie so nennen möchte, die im Internet überall wahllos Texte sammeln und daraus eine Anthologie erstellen und diese bei Demand-Verlagen selbst verkaufen.

Mein Nachteil an diesen Raubkopierern ist, dass ich bei Google schlechtere Suchergebnisse bekomme. Durch den Doppelcontent rutsche ich mit meinem Blog im Ranking ab, werde auf hintere Seiten verbannt oder mein Link wird ausgeblendet. Das kostet mich nicht nur Besucher und Leser, dass kostet mir im Ernstfall auch Geschäftspartner, denn es kommt immer wieder vor, dass jemand eine Abdrucklizenz erwerben möchte. Wenn diese Geschäftspartner mich nun nicht finden (denn sie suchen nicht nach meinem Namen, sondern nach Geschichten mit bestimmten Inhalten), verliere ich Geld und Verträge. Ich verliere auch Projekte, die ich später als Referenzen angeben kann, um mich bei zukünftigen Geschäftspartnern zu profilieren.

Es kostet mich auch Verträge mit Verlagen, die unsicher werden, weil meine Texte von mehreren Internetnutzern veröffentlicht wurden. Wenn meine Werke sogar schon in Büchern stehen, habe ich keine Chance mehr, sie bei einem Verlag unterzukriegen.

Zusätzlich kostet es mich sehr viel Zeit, nach kopierten Inhalten zu suchen, die Raubkopierer / Seitenbetreiber ausfindig zu machen zu kontaktieren oder sogar in Korrespondenz mit einem Anwalt zu treten. Von den Nerven ganz zu schweigen.

Es ist also nicht so, dass man einfach nur Kopien von rechtlich geschütztem Material anfertigt, man nimmt dem Rechteinhaber tatsächlich Geld weg, bzw. hindert ihn daran es zu bekommen.

Teilweise bleibe ich sogar auf meinen Anwaltskosten sitzen, wenn der »Autor« einer Anthologie mittellos ist, der sich einen Nebenerwerb aufbauen wollte. Diese Raubkopierer sind in der Regel nicht einmal in der Lage, die Kosten zu tragen, ganz abgesehen vom Schadenersatz.

Was aber in diesen sofort verständlichen Punkten noch gar nicht auftaucht, ist der Imageschaden, der angerichtet werden kann. Ein ganz konkretes Beispiel aus meiner eigenen Arbeit ist eine Gute Nacht Geschichte für Kinder (!), die im letzten Herbst für eine Onlinewerbung missbraucht wurde. Der Contentdieb war ein Swingerclub, der zu einer seiner Partys einlud. Das ist natürlich etwas, womit ich nicht in Verbindung gebracht werden möchte.

Contentdiebstahl ist also kein Kavaliersdelikt. Die Rechteinhaber sind auch keine raffgierigen Monster, die sich an den »Abmahnopfern« bereichern wollen. Wir Künstler sind die eigentlichen Opfer. Aber in allen Medien werden wir als Böse abgestempelt. Wir sind Monster, die keinen Spaß verstehen, die nie ein Auge zudrücken wollen. Wir machen unsere Kunst nur aus einem Grund: Wir wollen damit Geld machen.

Ich gebe zu, der letzte Grund stimmt. Ich mache meine Kunst, weil ich Spaß daran habe, aber es gefällt mir auch, wenn ich dafür honoriert werde, denn ich habe sehr viele Arbeitsstunden rein gesteckt, um Menschen damit zu unterhalten.

Natürlich würde ich auch auf jegliche Entlohnung verzichten. Ich würde meine Werke jedem kostenlos zur Verfügung stellen. Auch ohne Erlaubnis. Aber dazu bin ich natürlich nur bereit, wenn in Zukunft alle anderen auch für mich kostenlos arbeiten. Wie heißt es so schön? Eine Hand wäscht die andere und umsonst ist nur der Tod.

Also, lieber Künstler, liebe Mitleidende, die ihr euch nicht an die Öffentlichkeit traut oder von dieser niedergemacht werdet: Schützt eure Werke und zeigt Raubkopierern nicht nur den erhobenen Zeigefinger.

Das Urheberrecht ist ein gültiges Gesetz und ihr dürft es auch anwenden.

Zum Schluss noch ein paar Tipps:

* Sichert euren Content. Es gibt für Bloggger Plugins, die die rechte Maustaste abschalten. Das ist zwar kein Allheilmittel, aber hält zumindest die meisten Raubkopierer auf.

* Sucht regelmäßig nach euren Werken. Google ist da die einfachste und eine sehr effektive Art. Sätze in Anführungszeichen benutzen oder die Bilder Rückwärtssuche. Lasst euch nicht einfach alles bieten.

* Sichert euch Screenshots von Rechtsverstößen. Anschließend Seitenbetreiber selbst per Mail anschreiben. Macht sie auf ihren Verstoß aufmerksam und verlangt eine Löschung. Falls eine solche nicht geschieht, könnt ihr immer noch zum Anwalt gehen.

* Wer kommerziell kopiert, sollte generell durch Anwälte abgemahnt werden. Wer auf eure Kosten Geld machen will, giert praktisch nach einer Geldstrafe.

* Macht andere Künstler aufmerksam, wie man sich sinnvoll schützen und wehren kann. Es gibt noch so viele Unwissende unter uns.

* Schafft euch Beweise, damit ihr eure Urheberrechtschaft auch beweisen könnt. Das Veröffentlichungsdatum in eurem Blog reicht nicht aus. Das kann man nachträglich verändern. Es gibt Verteidiger, die auf Beweise pochen, um Contentdiebe rauszuhauen. Am Ende seid ihr die Dummen, zahlt die Rechnung und verliert das Recht an euren Werken. Macht nach jedem Beitrag, der inhaltlich schwer genug ist, einen Screenshot (mit dem Veröffentlichungsdatum) und hinterlegt es beim Anwalt oder Notar. Wer schon mit diesen Leuten arbeitet, hat es da einfacher.

Ach ja, dieser Text unterliegt natürlich auch dem Urheberrecht und ist geschützt. Egal, ob ein Copyright drunter steht oder nicht. Also Finger weg vom Copy / Paste. Aber es gibt ja auch die Möglichkeit, ihn zu verlinken. Ist viel einfacher und rechtlich kein Problem.

(c) 2015, Marco Wittler

Blogger Relations | 5 einfache Grundregeln

Dieses Thema brennt mir schon länger unter den Nägeln. Leider habe ich in letzter Zeit einfach nicht die Muße gefunden endlich aufzuschreiben was es bei Blogger Relations zu beachten gibt. Dieser Post richtet sich an Institutionen und Firmen. Der zweite Teil, der bald folgen wird, richtet sich dann an andere Blogger.

Wenn es um die Zusammenarbeit mit Bloggern, oder selbst die erste Kommunikation geht, sollten einige simple Regeln beachtet werden. Eigentlich sollte man meinen, das manches selbstverständlich ist, leider erlebe ich jeden Tag das Gegenteil. Dabei geht es mir vor allem darum anderen Bloggern, wie auch denen, die sie betreuen möchten oder sollen, ein paar einfache Grundsätze mit auf den Weg zugeben, die das Leben für alle Beteiligten einfacher machen. Das ich bisher noch nicht dazu gekommen bin diesen Post endlich zu schreiben, liegt auch an meinem neuen Blogprojekt, das ich gemeinsam mit Wera Wecker im Juni online geschickt habe. Ein Lifestyle-Blog zu schreiben und zu organisieren, hat mir einige Aspekte des Bloggerdaseins neu vor Augen geführt. Obwohl es Blogs nun seit über 10 Jahren gibt, steckt der Umgang zwischen Bloggern und Institutionen/Firmen immer noch in den Kinderschuhen. Oft auch auf beiden Seiten. Was ich im Folgenden den Mitarbeitern von Museen oder Firmen mit auf den Weg geben möchte, schreibe ich als Bloggerin. Als Bloggerin von Kunst, Kultur und tatsächlich mittlerweile auch Lifestyle-Themen. Alle Situationen, die ich schildere sind mir selbst passiert und basieren nicht auf der Annahme, das sowas möglicherweise passiert. Anregungen, die sich an andere Blogger richten, beruhen auf meinen Erfahrungen als Betreuerin und Ansprechpartnerin von Bloggern im Museum und im Verlag. Selbstverständlich nenne ich weder Namen, noch Blogs, noch die konkreten Events. Es soll hier wirklich darum gehen Anregungen und Hilfestellung zu geben. Wer findet, dass das erwähnte selbstverständlich sein sollte, darf sich vor Augen führen, dass ich alles selbst erlebt habe 😉

Blogger Relations im Unternehmen oder Museum

I. Der Email-Kontakt
Liebe Kollegen, wenn Euch jemand eine freundliche Email schreibt und Euch mitteilt, dass er über Eure aktuelle Ausstellung berichten möchte, antwortet auf die gleiche freundliche Art. Macht Euch klar, dass es viele Blogger gibt, die nicht aus dem Kunstbereich kommen und keine Experten für Bildrechte, Fotografieverbote oder andere Aspekte der Kunstwelt sind. Für mich persönlich ist das kein Problem, aber generell sollte man interessierte Blogger nicht alleine lassen. Erstellt Euch einen FAQ Zettel mit den wichtigsten Hinweisen zu Eurem Haus und der Ausstellung, den Ihr als pdf versenden könnt. Noch besser ist es natürlich diesen bereits im Pressebereich der Homepage zu platzieren. Das gleiche gilt natürlich für Unternehmen, wenn ein Blogger freiwillig über ein Produkt schreiben möchte, dann beantwortet wenigstens die Mail, das gebührt die allgemeine Höflichkeit und wurde mal im Volksmund als „gute Manieren“ bezeichnet. Das gilt umso mehr, wenn Ihr einen Aufruf an Blogger online gestellt habt. Oft schreiben Firmen und mittlerweile auch Museen aus, dass sie Blogger für bestimmte Events oder Kooperationen suchen, antworten dann aber wochenlang nicht auf Mails. Liebe Kollegen das ist ganz schlechter Stil. Es ist immer viel zu tun, aber wenn Ihr explizit dazu aufruft, dass Blogger sich melden sollen, dann ist eine Eingangsbestätigung mit einem Hinweis wann die Auswahl getroffen wird, Pflicht und keine Kür.

Und bitte freut Euch einfach, wenn jemand sich an Euch wendet und aus freien Stücken ohne Bezahlung (!) über Euch schreiben möchte, das ist ein großes Kompliment!

II. Der Pressebereich
Die vorbildlichen und auch zeitgemäßen Internetseiten, egal ob nun von Museen oder Unternehmen, sprechen nicht nur die Presse an, sondern auch Blogger. Ihr erspart Euch viel Zeit und Arbeit, wenn Ihr bereits auf der Presseseite klar kommuniziert auf welche Weise Ihr mit Bloggern zusammen arbeitet, oder auch nicht. Gerne auch, ob diese den Pressebereich nutzen dürfen, wie man Zugang zu diesem erhält und ob Ihr beispielsweise freien Eintritt für Blogger anbietet. Firmen sollten für den eigenen Email-Frieden daraufhinweisen, ob sie Interesse an Bloggern haben oder bereits mit einer festen Auswahl zusammenarbeiten. Verlage sollten erklären, ob es Rezensionsexemplare für Blogger gibt und mit welchen Auflagen diese verbunden sind. Auch hier niemals Erklärungen zu möglichen Rechten Dritter und Fotografieregeln vergessen. Ich denke niemand möchte derjenige sein, der für eine Abmahnung eines Bloggers bekannt wird. Blogger sind keine Journalisten, der Großteil bloggt als Hobby und aus Leidenschaft. Ein gut gepflegter Pressebereich ist also eine Win-Win-Situation für alle. Positive Beispiele unter den Museen sind beispielsweise das Rijksmuseum Amsterdam, die Bundeskunsthalle in Bonn oder das Max-Ernst-Museum in Brühl.

III. Der FAQ Zettel
An dieser Stelle sei nochmal ganz klar gesagt, Blogger sind keine Journalisten. Auch wenn es hauptberufliche Blogger gibt, die sehr erfolgreich sind, sind diese deshalb noch keine Experten auf dem Gebiet des Urheberrechts. Und machen wir uns nichts vor, auch die von uns, die es aus beruflichen Gründen am besten wissen sollten, sind oft unsicher, wenn es um das Internet gibt. Deshalb kann ich jedem nur eine gut geführte FAQ Liste empfehlen. Macht Euch klar an welchen Stellen es Unsicherheiten geben könnte. Seht es aber auch unter dem Service-Aspekt! Schreibt Eure Hashtags rein, macht klar wer die Ansprechpartner im Haus sind und weist darauf hin wie mit Gratis-Produkten umgegangen werden darf. Dürfen diese beispielsweise weiterverkauft oder verschenkt werden. Sehr vorbildlich auf diesem Gebiet ist die Verlagsgruppe Randomhouse, die auf ihrem Bloggerportal (ja ein ganzes Portal nur für Blogger ;-)) eine umfangreiche FAQ Seite haben, auf der eigentlich jede Frage beantwortet wird, die rund um ein kostenfreies Rezensionsexemplar entstehen könnte.

IV. Das Blogger-Event
Der Punkt ist erreicht an dem konkret auf Einladung mit Bloggern zusammengearbeitet werden soll. Ihr seid der Meinung, dass es Blogger gibt, die Euch durch einen Bericht digital weiterbringen oder eine Zielgruppe erreichen, die Euch einfach nicht beachtet? Gut! Das sind die richtigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Blogger-Event. Wenn Ihr Zweifel habt, ob wirklich stimmt was alle sagen und ihr Blogs eigentlich unsinnig findet, lasst es bitte. Blogger merken das. Blogger merken auch sofort, ob Ihr ihren Blog gelesen habt. Ich war tatsächlich schon als Gast auf Events und wurde von Menschen eingeladen, die keinen blassen Schimmer hatten, über was ich wirklich schreibe. Das war nicht nur ein wirklich seltsames Gefühl, sondern auch einfach respektlos! Vor allem kann sowas auch daneben gehen. Ich stand schon daneben als eine Foto-Bloggerin eine Sinnkrise hatte, weil sie auf ein Event eingeladen wurde, wo man nicht fotografieren durfte. Sprich sie konnte nicht berichten und hätte sich das Event auch sparen können. Wer jetzt gedacht hat, aber sie war doch auf ein tolles Event eingeladen, sollte nochmal nachdenken und einsehen, dass er noch nicht bereit für Blogger Relations ist! Ich persönlich werde lieber zu 100 Events nicht eingeladen, die ohnehin nicht zu mir passen, als meinen Abend irgendwo zu verbringen, der meinen Blog nicht weiterbringt und den Veranstalter auch nicht, da ich im Zweifel nicht drüber schreiben werde.

Und bitte, bitte macht Euch auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit klar. Viele Anfragen sind ein Aufruf zur Schleichwerbung und das ist schlichtweg verboten. Und Juristen ist es herzlich egal ob mancher mittlerweile lieber „Native Advertising“ sagt. Zu diesem Thema kann ich diesen Beitrag einer Juristin nur als Pflichtlektüre empfehlen.

V. Die richtige Auswahl
Das bringt mich auch schon zu meinem letzten Punkt für Museen und Firmen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass es sich hier um Grundregeln handelt. Am Ende gehört natürlich noch eine ganze Menge mehr Arbeit zu nachhaltigen Blogger Relations. Diese Grundregeln sollen den Einstieg erleichtern. Aber wenn der Einstieg erstmal geschafft ist, hat man eine solide Grundlage für erfolgreiche Blogger Relations. Die Auswahl der richtigen Blogger für die eigenen Events ist nicht ganz einfach und erfordert sehr viel Recherche und Arbeit. Oh ja echte Arbeit 😉 aber dabei gilt wie für alles im Leben, was sich lohnt, fällt eben nicht vom Himmel. Wenn man selbst keine Blogs liest, ist es doppelt hart. Denn dann ist nun der Moment gekommen, damit anzufangen. Macht Euch Gedanken welche Art von Blog zu Euch passt, letztendlich findet man fast alles im Netz. Und denkt dabei bitte nicht zuerst an Reichweite und große Followerzahlen. Das ist nicht alles! Es lohnt sich immer zu schauen welche konkreten Inhalte es gibt, welchen roten Faden, der Blogger verfolgt, wie rege die Beteiligung der Community ist und welche anderen Partner der Blogger hat. Ihr vertreibt Champagner? Dann wird der Teenager, der Primark-Tüten auspackt nicht zu Euch passen. Egal ob dieser eine Million Fans hat. Wenn jemand wie ich über Digitales in Museen schreibt, dann ladet mich bitte nicht auf ein Symposium zu Architekturtheorie ein. Das ergibt einfach keinen Sinn. Fangt erstmal an zu lesen und macht Euch eine Liste, wen Ihr interessant findet. Verfolgt die Blogs eine Weile und hinterlasst auch mal einen freundlichen Kommentar. Das ist ein erster Kontakt. Das macht eine spätere Anfrage auch gleich viel leichter.

Ebenso ist es wichtig, sich klar zu machen in welcher Lebenssituation der Blogger ist. Dieser Punkt ist wirklich sehr wichtig für den Erfolg. Bloggt jemand hauptberuflich, muss er damit seine Miete bezahlen. Das heißt er wird eine Bezahlung erwarten und zwar mit gutem Grund oder arbeitet Ihr umsonst? Wenn jemand wie ich in seiner Freizeit bloggt und vollzeit arbeitet, sind Einladungen für Werktage ans anderen Ende von Deutschland eher nicht von Erfolg gekrönt. Und wenn Ihr mich wirklich sehen wollt und ich mir Urlaub, ein Bahnticket und ein Hotel nehmen soll, erwarte ich ebenfalls die Übernahme der Kosten. Ist es eine wirklich gute Veranstaltung direkt um die Ecke, kann es auch ohne klappen. Aber es kann ja wirklich keiner erwarten, dass man bei einer konkreten Einladung auch noch Geld mitbringt, oder? Die Blogger, die ich gerne lese und die richtig gute, aufwendige Blogs führen, sind es wert eingeladen zu werden, aber man sollte die Rahmenbedingungen wie Entfernung, Arbeitsausfall und Aufwand schon mitdenken.

Das waren meine 5 Grundlagen für jeden, der mit Bloggern zusammenarbeiten möchte. Grundlagen sind natürlich kein Master-Plan und hinter einer erfolgreichen Zusammenarbeit steckt darüber hinaus viel Engagement und Arbeit. Richtig angefangen wird sich diese aber dauerhaft auszahlen, denn die meisten Blogger sind sehr treue Seelen, die gerne und viel kommunizieren. Das war mein erster Teil mit 5 einfachen Regeln für gute Blogger Relations. Der zweite Teil folgt in Kürze!

Warum die Panoramafreiheit NICHT die Aura von Kunstwerken zerstört!

In der Die Zeit vom 2.7.15 hat Lars Weisbrod einen Kommentar zur Panoramafreiheit geschrieben, der höchstwahrscheinlich witzig und ironisch sein sollte. So schreibt er, dass die Abschaffung der Panoramafreiheit in Europa endlich die Aura von Kunstwerken retten würde. Darüber hinaus erfahren wir, dass der Autor offensichtlich fotowütige Freunde hat, die aus ihrem Urlaub 500 Fotos vom Eiffelturm mitbrachten. Etwas, das ebenso verboten werden sollte. 

Die Aussagen möchte ich eigentlich nur ironisch – gar satirisch – verstehen, befürchte jedoch, da der massive Aufschrei gegen das geplante Verbot in der Öffentlichkeit bisher ausblieb, dass die meisten Menschen gar nicht begreifen wie einschneidend die Abschaffung der Panoramafreiheit in Europa für unsere Lebensrealität wäre. Es geht nicht nur um die 500 mittelmäßigen Fotos vom Eiffelturm. Es geht um essentielle Kommunikationsmöglichkeiten. Museen, die von Star-Architekten wie Zaha Hadid oder Frank Gehry gebaut wurden, dürften nicht mehr abgebildet werden. Der Otto-Normal-Verbraucher dürfte sich streng genommen davor überhaupt nicht mehr fotografieren. Denn sein wir ehrlich, wer kann die Rechtslage öffentlicher Gebäude überblicken? 

Was macht zum Beispiel eine Stadt wie Münster, die alle 10 Jahre die Skulpturprojekte veranstaltet. Eine Ausstellung im öffentlichen Raum, nach der viele Werke in der Stadt verbleiben. Einige davon sind so raffiniert im Stadtbild platziert, dass sie nicht sofort als Kunst erkennbar sind. Ein künstlerischer Kommentar zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. So gibt es im Münster beispielsweise 2 Bushaltestellen, die von Künstlern als Werk zur Ausstellung beigetragen wurden. Die meisten Menschen wissen dies wahrscheinlich gar nicht. Sollte nach Abschaffung der Panoramafreiheit eine dieser Bushaltestellen auf einem Foto auftauchen ist das ein Fest für Abmahnanwälte, aber was hat die Kunst dadurch gewonnen? 

Meiner Meinung gewinnt Kunst an Aura dadurch, dass man über sie spricht, schreibt und sie eben auch abbildet. Das man sie feiert, liebt und wertschätzt. Den Eiffelturm schon tausende Male auf Fotos gesehen zu haben, sinkt nicht die Faszination desselben, ansonsten würde sich dort ja nicht jeder Parisbesucher mindestens einmal ablichten. Es ist der menschliche Wunsch zu zeigen „Ich war hier!“ oder „Das muss man gesehen haben“. Darüber hinaus wird bei dieser Debatte offensichtlich vergessen oder schlicht weg nicht gewusst, dass das Urheberrecht beim Urheber also Künstler/Architekten liegt. Das heißt eben auch, dass Städte nicht mehr mit ihren Wahrzeichen werben dürfen. Also nicht ohne schriftliche Genehmigung und ggf. Lizenzahlungen.

 Viele spannende Gebäude und Kunstwerke im öffentlichen Raum wurden aus Steuergeldern finanziert, ein Umstand, den es zu öffentlichem Eigentum macht. Man kann nicht mit dem Geld der europäischen Bürger unsere Städte immer schöner machen und den Zahlern dann ihr Recht auf Kommunikation und Teilhabe verweigern. Das ist auf mehreren Ebenen eine unfassbare Idee, die gerade in heutigen Zeiten von sozialen Medien und fotofähigen Smartphones einfach an der Lebensrealität von uns allen vorbei geht. Herrn Weisbrod steht es natürlich zu keine Fotos zu machen und mit anderen zu teilen. Das ist seine persönliche Freiheit, die ihm bleibt, mit oder ohne Panoramafreiheit!

Für wen die Panoramafreiheit auch ein absolutes Muss ist, der kann die Petition dafür unterschreiben!

#kbreise15 | Digitales in Karlsruhe und Basel

Mein zweiter Beitrag zur #kbreise15 ist wirklich überfällig, denn wie bei meinem ersten Beitrag zur Reise, bieten mir die Kunsthalle Karlsruhe und die Fondation Beyeler die Möglichkeit eines Vergleichs unterschiedlicher Strategien neue Technologien in Ausstellungen einzubinden. Die Kunsthalle Karlsruhe setzt auf Bewährtes und die Fondation Beyerle wagte etwas Neues. Beides hat seine Berechtigung sowie Vor- und Nachteile. Doch bevor ich mein Fazit vorziehe, möchte ich beide Lösungen zunächst vorstellen.

Technologien in der aktuellen Ausstellung zur Markgräfin Karoline Louise in der Kunsthalle Karlsruhe

Die Kunsthalle setzt in ihrer Ausstellung auf Bewährtes und vor allem auf wenig Technik. Konzeptuell ist das für mich vollkommen in Ordnung. Man muss ja auch nicht! Nach wie vor sollen Museen keine Freizeitparks sein, trotz allem konkurrieren sie mittlerweile mit diesen. Der Museumsbesuch steht für viele eben nicht mehr auf dem Pflichtprogramm am Wochenende.

Die wenigen technologischen Elemente, die in die Ausstellung integriert worden sind, überzeugen und erweitern die Ausstellung sehr sinnvoll. Sowohl narrativ als auch pädagogisch. Gemeinsam mit Studenten wurden Filme erarbeitet, die einen Einblick in die zahlreichen Korrespondenzen der Markgräfin sowie in das Leben bei Hofe geben. Ich fand die Filme sehr unterhaltsam und kurzweilig, auch wenn ich sie auf Grund unseres straffen Zeitplans leider nicht vollständig gucken konnte.

Blick auf den Film zum Leben am Hof der Markgräfin.
Besonders gelungen fand ich die Media Station in Saal 7 der Ausstellung. Da in diesem Saal die originale Hängung der Sammlung gezeigt wird, wurde hier bewusst auf Schildchen  verzichtet. Die Präsentation an sich hat mir bereits sehr gut gefallen, bin ich doch ein großer Fan von Petersburger Hängung. Um dem Besucher trotzdem die Möglichkeit zu geben, herauszufinden welche Werke gezeigt werden, wurde eine Media Station in den Saal integriert. Hier kann man an einem Touch-Screen jedes Bild anklicken und bekommt sowohl die Werk-Info als auch Scans der Originalquellen wie Briefe oder Urkunden zum Erwerb. Hier hätte man noch narrativer sein können, aber an sich finde ich das Ganze sehr gelungen. Vor allem die Chance zu nutzen  auf diese Weise mehr zu den Werken zu präsentieren, weil man durch den Screen viel mehr Platz zur Verfügung hat als auf einem kleinen Schild. Und man ermutigt den Besucher aus seiner Gewohnheit auszubrechen immer erst auf die Schilder zu gucken, welches Werk/welcher Künstler zu sehen ist. Das ist ja so eine Unart in Ausstellungen nicht mehr die Kunst zu genießen, sondern zunächst zu schauen ob da ein allgemein anerkannter Meister hängt oder nicht.

Schwierig finde ich jedoch, dass es nur eine einzige Media Station im Raum gab. Wie das genau logistisch funktioniert, wenn das Museum wirklich voll ist, ist mir ein Rätsel.

Oben: Ein Gemälde aus Saal 7. Jean-Baptiste Perronneau, Mädchen mit Katze, 1747/50, Kunsthalle Karlsruhe. Unten: Die Ansicht vom Gemälde in der Media Station.

Am Ende der Ausstellung erwartet den Besucher in der Kunsthalle Karlsruhe dann noch eine Computer Station, an der die gesamten Forschungsergebnisse zur Ausstellung eingesehen werden können. Da der Ausstellung eine zweijährige Forschungsphase voran ging, gibt es sicher viel zu entdecken und zu lesen. Auch hier leider wieder nur ein einziger Rechner. Aber der Ansatz ist der Richtige. Leider konnte ich mir diese Station nur im Vorbeilaufen anschauen, hoffe aber, dass die Ergebnisse dauerhaft online zugänglich sein werden, sind sie doch ein wichtiger Teil der Stadt- und Sammlungsgeschichte.

 

Die Paul Gauguin Bücher in der Fondation Beyerle

In der Fondation Beyeler haben wir uns eigentlich die Marlene Dumas Ausstellung angeschaut, die, wie nicht anders zu erwarten von diesem erstklassigen Museum, ganz wunderbar war. Nun ist die Marlene Dumas nicht ganz mein Fall, aber das ist natürlich eine Geschmacksfrage und hat nichts mit der Ausstellung zu tun. Besonders interessiert haben mich die Paul Gauguin Bücher, von denen ich bereits im Vorfeld soviel gehört hatte. Und ich kann nur sagen, die sind wirklich großartig. Hier wurde ein Medienmix umgesetzt, der meiner Meinung nach für jede Altersgruppe eine echte Bereicherung darstellt. Die Besucher sehen das wohl genauso, denn um die Bücher scharrten sich massenweise Jung und Alt. Gott sei Dank gab es einige davon. Ein ganzer Raum wurde dafür zur Verfügung gestellt. Und selbst, wenn man die Technik verstanden hat, die unten im zweiten Trailer von den Machern der iart AG ganz wunderbar erklärt wird, sind diese Bücher beinahe magisch in ihrer Funktion. Hier ist nochmal eine ganz neue Dimension des Eintauchens in die Welt des Künstlers möglich. Fast meint man, die Werke führten hier ein Eigenleben, an dem man teilhaben kann.

Und hier die Making-Of Trailer zu den Büchern:

 

Mein Fazit

Durch die #kbreise15 durfte ich zwei Museen kennen lernen, die ich bis dahin leider noch nicht besuchen konnte. Gleichzeitig war es wunderbar in so kurzer Zeit zwei Häuser zu erleben, die sich sehr unterschiedlich präsentieren. Die Kunsthalle Karlsruhe ist ein sehr sympatisches Haus, das aber noch einen weiten Weg vor sich hat, wenn es um neue Medien und Technologien geht. Leider gibt es noch kein WLAN und die Leihgeber lassen auch hier keine Fotografie in der Ausstellung zu. Aber dieser Problematik habe ich ja ebenfalls einen Beitrag gewidmet und werde das an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Als Lösung sehe ich aber beispielsweise Foto-Stationen, an denen die Besucher ihre Lust auf Erinnerungsbilder kontrolliert ausleben können. Die Ansätze neue Technologien zu integrieren und eine zeitgemäße Präsentation zu erreichen finde ich gelungen, wenn auch noch etwas zurückhaltend. Da darf gerne noch mehr kommen in der Zukunft! Loben und hinweisen möchte ich aber auf die Tatsache, dass die Kunsthalle es schafft immer noch zu forschen. Forschung in Museen wird aus Geld- und Zeitgründen immer weniger und die Leistung zwei Jahre in ein umfangreiches Projekt zur Sammlungsaufarbeitung zu investieren, verdient Respekt und Anerkennung.

Die Fondation Beyeler legt die Latte für Museen sehr, sehr hoch. Der Ort an sich begeistert natürlich schon, vor allem an einem so sonnigen Tag wie wir ihn erleben durften und ich werde noch diesen Jahr wieder hinreisen. Lobenswert finde ich das äußerst gut funktionierende, öffentliche WLAN, das jedem Besucher auf dem gesamten Gelände zur Verfügung steht. Auch hier aber leider ein Fotografierverbot, das der Gesetzeslage und den Leihgebern geschuldet ist. Für uns gab es glücklicherweise eine Ausnahme, was die Probleme natürlich dauerhaft  nicht löst. Die Paul Gauguin Bücher haben mich jedoch voll für die Fotoproblematik entschädigt! Was für ein tolles Projekt. Ich wünsche mir, dass sich diese Technik durchsetzt und sie flächendeckend für mehr Museen machbar und finanzierbar wird. Mit den Büchern hat man Spaß, man lernt etwas, die haptische Erfahrung rundet den Besuch  ab und natürlich wird auch das wertvolle Medium Buch wieder in das Bewusstsein der Menschen gebracht. Großes Lob dafür! Und auch ein großes Lob dafür, dass die Informationen dazu so umfangreich ins Netz gestellt werden. Alleine zur Gauguin Ausstellung findet man 45 Videos auf dem Youtube-Kanal des Museums. Ich glaube mehr kann man kaum erwarten.

#kbreise15 | Die Stadtgeist KA App und das Tabevent Basel

Am Wochenende (5.6.-7.6.2015) habe ich an der Bloggerreise #kbreise15 teilgenommen. Dem Thema was Bloggerreisen sind und ob diese Sinn machen oder nicht, habe ich vor Kurzem bereits einen Beitrag gewidmet, nachdem ich an einer Podiumsdiskussion teilgenommen hatte. Ob meine Teilnahme an der Reise meine Sicht verändert hat, werde ich die Tage nochmal ausführlich verbloggen. Zunächst möchte ich meine Eindrücke des gebotenen Programms notieren solange diese noch frisch sind. Es war alles in allem eine ganz großartige Reise und ich hatte Gelegenheit, die von mir noch nicht bereisten Orte, Karlsruhe und Basel kennenzulernen. Sogar das Radio war dabei. Unsere Gastgeber das Karlsruhe Tourismus, die Kunsthalle Karlsruhe, das Stadtmarketing Basel und die Fondation Beyeler haben sich nicht lumpen lassen und uns ein volles Programm wie Rund-um-sorglos-Paket geboten. Neben der Unterbringung in den 4-Sterne-Hotels Blauer Reiter (Karlsruhe) und Hotel Euler (Basel) gab es reichlich vorzügliches Essen. Da es nicht meine Art ist lange Reisebeschreibungen auf diesen Blog zu stellen, möchte ich als erstes zwei Programmpunkte vorstellen, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber beide auf GPS-Lösungen basieren.

Die Stadtgeist Karlsruhe App

In Karlsruhe haben wir am Samstag eine Führung zur Stadtgeist Karlsruhe App bekommen. Die App ermöglicht es dem Nutzer innerhalb des Stadtraums verschiedene relevante Punkte zu erkunden. Hier scheint vor allem die historische Relevanz ein Auswahlkriterium gewesen zu sein. Entstanden ist das Konzept zunächst unabhängig von der Stadt. Nachdem es den deutschen AppCampus Award 2013 gewonnen hatte, war es dank dem Preisgeld möglich das Projekt an die Stadt heranzutragen.

Ein internationeler Wettbewerb ausgeschrieben von Microsoft und Nokia für das nächste große mobile Ding, dotiert mit 70.000€. Im Rahmen der SmarterCity Initiative der Stadt wurde dieses Konzept für Karlsruhe umgesetzt. Zusammen mit der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH und in Kooperation mit der Karlsruher Tourismus GmbH und der Karlsruher Schienen- und Infrastruktur Gesellschaft (KASIG). Fachlich begleitet durch das Stadtarchiv. (Quelle: stadtgeist-karlsruhe.de)

Das Entwicklerteam stellte uns die App persönlich vor und gemeinsam haben wir zwei markante Punkte besucht. Location-Based-Marketing beziehungsweise GPS-basierte Angebote werden immer relevanter. Vor allem wenn es um App-Lösungen geht. Was kann nun diese App eigentlich? Und welchen Mehrwert bringt sie bei einem Besuch von Karlsruhe. Die App zeigt auf der Karte diverse Punkte in Karlsruhe, die für ein Stück Stadtgeschichte stehen, das sich einem nicht ohne weiteres am Ort selbst erschließt. Auf der integrierten Karte ist es möglich alle Punkte anzuschauen und einen auszuwählen. Daraufhin kann man entweder mit Hilfe der Karte oder des Kompasses die Stelle ausfindig machen. Angenehm fand ich die Anzeige der genauen Entfernung. Leider ist noch keine Routenlösung integriert, so dass man eine Menge Batterie und Datenvolumen braucht um an Ort und Stelle zu kommen. Vor allem natürlich Batterie. Das ist sicher ein Minuspunkt. Hat man den gewählten Punkt erreicht, scannt die App mit Hilfe der Kamera und Augmented Reality Technik die Umgebung. Eine historische Ansicht des Ortes erscheint und über den Button „Guide“ stehen nun Video- und Audiodateien zur Verfügung. Ein Kopfhörer ist hilfreich. Die wichtige Frage nach dem Mehrwert lässt sich guten Gewissens mit einem JA beantworten. Wer Karlsruhe kennt oder auch nicht, bekommt hier zahlreiche Geschichten direkt an den Orten erzählt, an denen sie sich ereignet haben. Ich fand es sehr nett, dass die Entwickler uns einen Einblick in den Enstehungsprozess gegeben haben, selbstverständlich braucht man für die App natürlich keine Führung um sie nutzen zu können. Die Hinweise zur Bedienung sollte man jedoch schon ansehen, da die Handhabe nicht vollständig selbsterklärend war. Insgesamt finde ich die App sehr gelungen. Sie bietet mir als Besucher von Karlsruhe eine Möglichkeit nach meinen individuellen Bedürfnissen die Stadt und ihre Geschichte zu erkunden und zu erleben. Mit 17 MB ist sie nicht wahnsinnig groß und die meisten sollten den Platz auf ihrem Smartphone übrig haben. Die Inhalte werden gestreamt, was natürlich die Appgröße klein hält, aber Datemvolumen frisst. Karlsruhe hat allerdings im öffentlichen Raum ein freies WLAN, das meist funktioniert hat. Auch dieser Schwachpunkt ist also vertretbar. Minuspunkt ist einzig der hohe Batterieverbrauch, den ich nur durch meinen Travelakku kompensieren konnte. Das Nachmachen einer solchen App in anderen Städten würde ich auf jeden Fall empfehlen!

Das Tabevent in Basel

Am Sonntag wurde für uns in Basel ein Tabevent veranstaltet. Das Ganze ist im Wesentlichen schnell erklärt. Ein Tabevent ist eine moderne, GPS- und Cloud-basierte Schnitzeljagd, die mit Hilfe von Tablets durchgeführt wird. Nichts verstanden? Kein Wunder. Lässt man das Marketing-Vokabular weg, lässt sich das Konzept folgendermaßen beschreiben: Eine Gruppe wird in Teams eingeteilt. Jedes Team bekommt ein Tablet in die Hand und los geht’s. In der Anwendung sieht man eine Karte, die Aufgaben mit unterschiedlicher Schwierigkeitsstufe anzeigt. Diese kann man nun aufsuchen. In einem Umkreis von 80 Metern steht die Aufgabe zur Verfügung. Von Multiple-Choice-Fragen zu historischen Gebäuden oder Landmarken bis hin zu interaktiven Aufgaben, kann alles hinterlegt werden. Die Teilnehmer entscheiden ganz frei wie sie die Schnitzeljagd strategisch bewältigen wollen. Sämtliche Ergebnisse wie auch Fotos oder Videos, die für die einzelnen Aufgaben erstellt wurden, gehen in die Eventcloud. Die wird vom Operator überwacht, der bei falscher Umsetzung, Punkte abziehen kann. Mit diesem kann man auch über eine Chatfunktion kommunizieren, falls man Hilfe benötigt. Ebenso lässt sich der Highscore aller Teams einsehen.

Kreativität war gefragt. Hier unser #Selfie zum Thema "Fragen knacken bei Tabevents". Hinten rechts Sabrina und vorne Tamara von Blonderblog.ch
Kreativität war gefragt. Hier unser #Selfie zum Thema „Fragen knacken bei Tabevents“. Hinten rechts Sabrina und vorne Tamara von Blonderblog.ch
Ich bin via Losverfahren in einem Team mit den Mädels von Blonderblog gelandet. Tamara und Sabrina kannte ich vor der Bloggerreise nicht und ich bin mir auch nicht sicher ob ich das Glück gehabt hätte, ihren Blog zu entdecken, da sie über Fashion und Lifestyle schreiben. Das ist einer der Punkte, den ich an der Reise ganz wunderbar fand. Ich habe andere Blogger kennengelernt, die nicht auf meiner persönlichen Agenda standen und deren Artikel ich ganz großartig finde. Genauso wie die Menschen, die dahinter stehen. Da wir das „Blondienen-Team“ waren, hat uns ein besonderer Ehrgeiz gepackt. Nach einem schnellen Strategie-Meeting hatten wir entschieden: schnell und effizient wollten wir sein. Also nichts wie hin zu den 50 und 100 Punkte fragen. 10er, 20er und 30er haben wir bewusst außen vorgelassen und uns vor allem mit den schwierigen Aufgaben auseinandergesetzt. Da neben vielen Wissensfragen auch kreative Fotoideen gefragt waren, sind wir richtig aufgedreht und waren nicht mehr zu bremsen. Das war wirklich ein riesen Spaß und das, obwohl es sonntagmorgens stattfand. Ich bin ein großer Fan dieses neuen Formats und kann es sowohl für Reisegruppen als auch für Firmenevents nur empfehlen. Wenn sich jetzt einige kluge Köpfe auch noch ein tolles Angebot für Museen ausdenken, dann wäre ich noch begeisterter. Ich könnte mir viele Szenarien vorstellen, wo eine solche Lösung zum Einsatz kommt. Zum Beispiel bei Schulklassen.

 

Das war mein erster Post zur #kbreise15.

Für die Vollständigkeit hier auch die anderen Teilnehmer, die in den nächsten Tagen sicher ebenso fleißig bloggen werden. Ein dickes #ff für alle davon!

Anke von Heyl
www.kulturtussi.de

Michelle van der Veen
www.museumsglueck.wordpress.com

Angelika Schoder
www.musermeku.hypotheses.org

Miriam Steinbach
www.dieschreibmaschine.net

Lea Zeitman
www.isawsomethingnice.ch

Sabrina Pesenti und Tamara Cantieni
www.blonderblog.ch

Dimitri Burkhard
www.newlyswissed.com

Wera Wecker
www.kulturundkunst.wordpress.com