#MuseumSelfies, Fotografierverbote und das Urheberrecht

Warum Museen umdenken müssen!

Nachdem in den letzten Wochen nicht nur bei uns im Museum, sondern auch im Netz wieder verstärkt über das Thema diskutiert wurde, habe ich mich entschieden meine Eindrücke und Gedanken dazu doch zu verbloggen. So lange wir in Deutschland keine Rechtssicherheit und klare Regelungen für Museen haben, muss eben über das leidige Thema diskutiert werden.

Sehr anregend für mich war der Vorschlag von der wunderbaren Kunstvermittlerin Anke von Heyl kreativ mit dem neuen Phänomen des Museumselfie umzugehen. Aber kreativer Umgang wird dann schwer, wenn Museen kein Recht haben, die Kunst, die sie zugänglich machen und zeigen auch im digitalen Raum zu präsent zu machen? Und hier sind keine Werbeanzeigen gemeint, sondern das reine unkommerzielle Fördern junger Künstler, das Sichtbarmachen neuer Positionen und das Vermitteln der jüngeren Kunstgeschichte. All dies ist streng genommen mit dem deutschen Urheberrecht nicht vereinbar. Vor allem die Werke, die ein Museum für die eigene Sammlung gekauft hat und die teilweise als Schätze in Depots lagern, weil sie momentan nicht in den Ausstellungsplan passen, dürfen der Öffentlichkeit nicht präsentiert werden.

Das Absurde einer Sammlung

Das ist vor allem absurd, da besonders in der Politik (beim Ringen um öffentliche Gelder) immer betont wird, dass Museen erhalten und finanziell unterstützt werden müssen, weil sie Kunst für die Gesellschaft bewahren und sich verpflichten ihre Sammlungen zugänglich zu machen. Wie soll das nun praktisch funktionieren, wenn die meisten Museen zuviel Angst vor hohen Lizenzforderungen haben, um sich zu trauen ihre Sammlungen online zugänglich zu machen. Ein wichtiger Schritt nicht nur für die Gesellschaft, sondern ebenso für die Forschung, die ebenso nicht im Geld schwimmt und daher darauf angewiesen ist, dass Museen ihre Werke zugänglich machen.

In den Diskussionen wird dann meist auf die VG Bild-Kunst geschimpft. Das ist einfach und ich gebe zu, dass ich auch schon geflucht habe. Nicht weil ich etwas gegen diese Institution, die letztendlich die Rechte der Künstler vertritt habe, sondern weil das Ergebnis in der Regel ist, dass ich Werke der dort vertretenen Künstler schlichtweg nicht zeigen kann. Die meisten Museen können es sich eben schlicht nicht leisten im Jahr mehrere tausend Euro zu bezahlen nur um Werke digital abbilden zu dürfen. An dieser Stelle betone ich gerne nochmal, es geht hier um die reine Zugänglichmachung, es geht nicht um kommerzielle Zwecke, für die sehr wohl gezahlt werden sollte. Selbstverständlich könnte man nun sagen: „Dann zeigt wenigstens die Künstler, die sich noch nicht vertreten lassen.“ Kann man machen, aber auch dann sollte man mit jedem Künstler eine Vereinbarung treffen. Sonst können in Zukunft Forderungen entstehen.

Momentan sieht es also so aus, dass man eigentlich mit jedem Künstler bzw. Rechteinhaber eigene Verträge aufsetzen muss, einfach nur, damit man online beispielsweise seine museumseigene Sammlung präsentieren kann. Selbst bei einer kleinen Sammlung ein immenser Aufwand.

„Fotografieren verboten!“ und die verschenkte Chance der Besucherinteraktion

Aktuell ist die gelebte Praxis oft das strikte Fotografierverbot in deutschen Museen. Ein nicht mehr zeitgemäßer, grauenhafter Zustand. Wer mutig ist, muss sich innerlich zumindest auf Zahlungsaufforderungen vorbereiten. Kann es doch sein, dass ein glücklicher Besucher sein Selfie vor dem „falschen“ Bild macht und in den virtuellen Raum schickt. Dabei liegt gerade in diesem Verhalten die große Chance für die Zukunft der Museen und ebenso für die Künstler.

Ein Selfie ist niemals vor einem beliebigen Bild gemacht worden, sondern vor einem, das Eindruck hinterlassen hat. Neben dem Bild wird in der Regel stolz verkündet wo es aufgenommen wurde und wer der Künstler ist. Hier entsteht ein emotionaler Moment mit der Kunst, den keine Präsentation, kein Wandtext … schaffen kann. Und der verbreitet sich auch noch und wird nicht geheim gehalten. Das „Schlimmste“, das daraufhin passieren kann ist, das weitere Besucher kommen und Menschen erreicht werden, die bisher noch nicht im Museum waren oder Museumsbesuche nicht unbedingt für ihre Freizeit in Erwägung ziehen.

Aus diesen Gründen brauchen wir ein Umdenken in Deutschland. Die Museen müssen sich trauen das Fotografieren endlich flächendeckend zu erlauben. Nur in der Masse wird das dazu führen, dass neue Regeln entwickelt werden. Ein runder Tisch und eine offene Diskussion, nicht nur unter geplagten Museumsmitarbeitern, sondern mit Juristen, der VG Bild-Kunst und der Politik ist längst überfällig und sollte dringend in Angriff genommen werden. Museen brauchen die Möglichkeit ihre eigenen Sammlungen auch online zugänglich zu machen! Und Besucher brauchen das Vertrauen und die Wertschätzung „ihre“ Museen in Besitz nehmen zu dürfen und stolz auf deren Arbeit zu sein!