#kbreise15 | Die Stadtgeist KA App und das Tabevent Basel

Am Wochenende (5.6.-7.6.2015) habe ich an der Bloggerreise #kbreise15 teilgenommen. Dem Thema was Bloggerreisen sind und ob diese Sinn machen oder nicht, habe ich vor Kurzem bereits einen Beitrag gewidmet, nachdem ich an einer Podiumsdiskussion teilgenommen hatte. Ob meine Teilnahme an der Reise meine Sicht verändert hat, werde ich die Tage nochmal ausführlich verbloggen. Zunächst möchte ich meine Eindrücke des gebotenen Programms notieren solange diese noch frisch sind. Es war alles in allem eine ganz großartige Reise und ich hatte Gelegenheit, die von mir noch nicht bereisten Orte, Karlsruhe und Basel kennenzulernen. Sogar das Radio war dabei. Unsere Gastgeber das Karlsruhe Tourismus, die Kunsthalle Karlsruhe, das Stadtmarketing Basel und die Fondation Beyeler haben sich nicht lumpen lassen und uns ein volles Programm wie Rund-um-sorglos-Paket geboten. Neben der Unterbringung in den 4-Sterne-Hotels Blauer Reiter (Karlsruhe) und Hotel Euler (Basel) gab es reichlich vorzügliches Essen. Da es nicht meine Art ist lange Reisebeschreibungen auf diesen Blog zu stellen, möchte ich als erstes zwei Programmpunkte vorstellen, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber beide auf GPS-Lösungen basieren.

Die Stadtgeist Karlsruhe App

In Karlsruhe haben wir am Samstag eine Führung zur Stadtgeist Karlsruhe App bekommen. Die App ermöglicht es dem Nutzer innerhalb des Stadtraums verschiedene relevante Punkte zu erkunden. Hier scheint vor allem die historische Relevanz ein Auswahlkriterium gewesen zu sein. Entstanden ist das Konzept zunächst unabhängig von der Stadt. Nachdem es den deutschen AppCampus Award 2013 gewonnen hatte, war es dank dem Preisgeld möglich das Projekt an die Stadt heranzutragen.

Ein internationeler Wettbewerb ausgeschrieben von Microsoft und Nokia für das nächste große mobile Ding, dotiert mit 70.000€. Im Rahmen der SmarterCity Initiative der Stadt wurde dieses Konzept für Karlsruhe umgesetzt. Zusammen mit der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH und in Kooperation mit der Karlsruher Tourismus GmbH und der Karlsruher Schienen- und Infrastruktur Gesellschaft (KASIG). Fachlich begleitet durch das Stadtarchiv. (Quelle: stadtgeist-karlsruhe.de)

Das Entwicklerteam stellte uns die App persönlich vor und gemeinsam haben wir zwei markante Punkte besucht. Location-Based-Marketing beziehungsweise GPS-basierte Angebote werden immer relevanter. Vor allem wenn es um App-Lösungen geht. Was kann nun diese App eigentlich? Und welchen Mehrwert bringt sie bei einem Besuch von Karlsruhe. Die App zeigt auf der Karte diverse Punkte in Karlsruhe, die für ein Stück Stadtgeschichte stehen, das sich einem nicht ohne weiteres am Ort selbst erschließt. Auf der integrierten Karte ist es möglich alle Punkte anzuschauen und einen auszuwählen. Daraufhin kann man entweder mit Hilfe der Karte oder des Kompasses die Stelle ausfindig machen. Angenehm fand ich die Anzeige der genauen Entfernung. Leider ist noch keine Routenlösung integriert, so dass man eine Menge Batterie und Datenvolumen braucht um an Ort und Stelle zu kommen. Vor allem natürlich Batterie. Das ist sicher ein Minuspunkt. Hat man den gewählten Punkt erreicht, scannt die App mit Hilfe der Kamera und Augmented Reality Technik die Umgebung. Eine historische Ansicht des Ortes erscheint und über den Button „Guide“ stehen nun Video- und Audiodateien zur Verfügung. Ein Kopfhörer ist hilfreich. Die wichtige Frage nach dem Mehrwert lässt sich guten Gewissens mit einem JA beantworten. Wer Karlsruhe kennt oder auch nicht, bekommt hier zahlreiche Geschichten direkt an den Orten erzählt, an denen sie sich ereignet haben. Ich fand es sehr nett, dass die Entwickler uns einen Einblick in den Enstehungsprozess gegeben haben, selbstverständlich braucht man für die App natürlich keine Führung um sie nutzen zu können. Die Hinweise zur Bedienung sollte man jedoch schon ansehen, da die Handhabe nicht vollständig selbsterklärend war. Insgesamt finde ich die App sehr gelungen. Sie bietet mir als Besucher von Karlsruhe eine Möglichkeit nach meinen individuellen Bedürfnissen die Stadt und ihre Geschichte zu erkunden und zu erleben. Mit 17 MB ist sie nicht wahnsinnig groß und die meisten sollten den Platz auf ihrem Smartphone übrig haben. Die Inhalte werden gestreamt, was natürlich die Appgröße klein hält, aber Datemvolumen frisst. Karlsruhe hat allerdings im öffentlichen Raum ein freies WLAN, das meist funktioniert hat. Auch dieser Schwachpunkt ist also vertretbar. Minuspunkt ist einzig der hohe Batterieverbrauch, den ich nur durch meinen Travelakku kompensieren konnte. Das Nachmachen einer solchen App in anderen Städten würde ich auf jeden Fall empfehlen!

Das Tabevent in Basel

Am Sonntag wurde für uns in Basel ein Tabevent veranstaltet. Das Ganze ist im Wesentlichen schnell erklärt. Ein Tabevent ist eine moderne, GPS- und Cloud-basierte Schnitzeljagd, die mit Hilfe von Tablets durchgeführt wird. Nichts verstanden? Kein Wunder. Lässt man das Marketing-Vokabular weg, lässt sich das Konzept folgendermaßen beschreiben: Eine Gruppe wird in Teams eingeteilt. Jedes Team bekommt ein Tablet in die Hand und los geht’s. In der Anwendung sieht man eine Karte, die Aufgaben mit unterschiedlicher Schwierigkeitsstufe anzeigt. Diese kann man nun aufsuchen. In einem Umkreis von 80 Metern steht die Aufgabe zur Verfügung. Von Multiple-Choice-Fragen zu historischen Gebäuden oder Landmarken bis hin zu interaktiven Aufgaben, kann alles hinterlegt werden. Die Teilnehmer entscheiden ganz frei wie sie die Schnitzeljagd strategisch bewältigen wollen. Sämtliche Ergebnisse wie auch Fotos oder Videos, die für die einzelnen Aufgaben erstellt wurden, gehen in die Eventcloud. Die wird vom Operator überwacht, der bei falscher Umsetzung, Punkte abziehen kann. Mit diesem kann man auch über eine Chatfunktion kommunizieren, falls man Hilfe benötigt. Ebenso lässt sich der Highscore aller Teams einsehen.

Kreativität war gefragt. Hier unser #Selfie zum Thema "Fragen knacken bei Tabevents". Hinten rechts Sabrina und vorne Tamara von Blonderblog.ch
Kreativität war gefragt. Hier unser #Selfie zum Thema „Fragen knacken bei Tabevents“. Hinten rechts Sabrina und vorne Tamara von Blonderblog.ch
Ich bin via Losverfahren in einem Team mit den Mädels von Blonderblog gelandet. Tamara und Sabrina kannte ich vor der Bloggerreise nicht und ich bin mir auch nicht sicher ob ich das Glück gehabt hätte, ihren Blog zu entdecken, da sie über Fashion und Lifestyle schreiben. Das ist einer der Punkte, den ich an der Reise ganz wunderbar fand. Ich habe andere Blogger kennengelernt, die nicht auf meiner persönlichen Agenda standen und deren Artikel ich ganz großartig finde. Genauso wie die Menschen, die dahinter stehen. Da wir das „Blondienen-Team“ waren, hat uns ein besonderer Ehrgeiz gepackt. Nach einem schnellen Strategie-Meeting hatten wir entschieden: schnell und effizient wollten wir sein. Also nichts wie hin zu den 50 und 100 Punkte fragen. 10er, 20er und 30er haben wir bewusst außen vorgelassen und uns vor allem mit den schwierigen Aufgaben auseinandergesetzt. Da neben vielen Wissensfragen auch kreative Fotoideen gefragt waren, sind wir richtig aufgedreht und waren nicht mehr zu bremsen. Das war wirklich ein riesen Spaß und das, obwohl es sonntagmorgens stattfand. Ich bin ein großer Fan dieses neuen Formats und kann es sowohl für Reisegruppen als auch für Firmenevents nur empfehlen. Wenn sich jetzt einige kluge Köpfe auch noch ein tolles Angebot für Museen ausdenken, dann wäre ich noch begeisterter. Ich könnte mir viele Szenarien vorstellen, wo eine solche Lösung zum Einsatz kommt. Zum Beispiel bei Schulklassen.

 

Das war mein erster Post zur #kbreise15.

Für die Vollständigkeit hier auch die anderen Teilnehmer, die in den nächsten Tagen sicher ebenso fleißig bloggen werden. Ein dickes #ff für alle davon!

Anke von Heyl
www.kulturtussi.de

Michelle van der Veen
www.museumsglueck.wordpress.com

Angelika Schoder
www.musermeku.hypotheses.org

Miriam Steinbach
www.dieschreibmaschine.net

Lea Zeitman
www.isawsomethingnice.ch

Sabrina Pesenti und Tamara Cantieni
www.blonderblog.ch

Dimitri Burkhard
www.newlyswissed.com

Wera Wecker
www.kulturundkunst.wordpress.com

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Bloggerrelations und Bloggerreisen – Eine Podiumsdiskussion auf dem #scmuc15

Am Samstag, 25. April 2015, fand das vierte stARTcamp in München statt. Die Kulturkonsorten haben sich wieder mächtig ins Zeug gelegt und einen rundum gelungenen Tagungstag für uns auf die Beine gestellt. Ich werde jetzt mal nicht den ganzen Tag ausführlich beschreiben. Damit haben Claudia Wagner und Christian Henner-Fehr schon begonnen und ich verlasse mich drauf, dass noch einige anwesende Blogger folgen werden. Ich schreibe an dieser Stelle nur soviel: Obwohl und gerade weil ich selber ein startcamp organisiere und weiß wie anstrengend das ist, ist das startcamp München mein Lieblingsstartcamp im Jahr. Es sind natürlich alle super, aber mein Highlight ist jedes Jahr München! Mein eigenes kann ich auch nur wenig genießen, weil ich so in die Organisation eingebunden bin.

Genug mit Lobreden. Davon gibt es unter den Teilnehmern immer genug. Obwohl Christian Gries in einer Session versucht hat ein Streitgespräch anzuregen, dass es in Münster dieses Jahr nach seinem Vortrag ebenfalls gegeben hatte, waren die Teilnehmer voll von Selbstbestätigungen à la „Wir machen ja so positive Erfahrungen im Netz!“. Mir fehlt im Allgemeinen oft die Reflexion unserer Arbeit. Niemand wagt sich an die große Frage, wozu wir eigentlich im Social Web agieren und auf welche Weise. Nicht alles was passiert muss wirklich sein und wenig scheint mir wirklich gut konzipiert. Nicht umsonst werden bei Best Practice Beispielen immer nur die gleichen Aktionen genannt wie #myRembrandt oder das Rijksstudio. Ich werfe an dieser Stelle mal ein, dass wir vielleicht mal ein Streitcamp brauchen 😉

Neben den vielen „klassischen“ Session, in denen jemand ein bestimmtes Thema vorgestellt hat, schlug Angelika Schoder eine Podiumsdiskussion zum Thema „Bloggerrelations und Bloggerreisen“ vor. Eine Podiumsdiskussion habe ich selbst noch auf keinem Barcamp erlebt und war sofort begeistert mal ein neues Session-Format auszuprobieren. Da Angelika weitere Blogger für das Podium gesucht hat, habe ich mich gemeldet. Gemeinsam mit Tanja Praske, Wera Wecker und Isabel Koch mit Christian Gries als Moderator haben wir über Bloggerreisen und -relations diskutiert bzw. gesprochen. Benjamin Heinz hat davon übrigens ein super Foto geschossen:

Ich war die einzige Teilnehmerin, die noch nicht an einer Bloggerreise teilgenommen hat und habe auf dieses sehr spezielle Thema vor allem einen Blick von außen. Persönlich finde ich die Idee, dass eine Institution oder Stadt mich einlädt und ein Wochenende bespaßt, damit ich über ihre Angebote schreibe natürlich reizvoll. Aus Sicht einer Institutionsmitarbeiterin beim Marta Herford sehe ich die Angelegenheit kritisch. Selbstverständlich schafft eine solche Aktion eine immense Reichweite und Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, aber ist das wirklich nachhaltig? Schaffe ich es damit Blogger langfristig an mein Haus zu „binden“? Wenn mich beispielsweise eine Bloggerreise nach München führen würde, wäre das erstmal großartig und ich würde sicher auch umfassend davon berichten. Aber! Aber regulär bin ich vielleicht 1-2 Mal im Jahr in München und dann mache ich selbstverständlich das worauf ich Lust habe. Vor allem macht man mit einer Bloggerreise wohl einen guten Eindruck. Das ist natürlich auch wichtig und kann durchaus als Hauptziel einer Strategie funktionieren. Aber langfristig finde ich es wichtiger, dass sich Museen und Institutionen auf Blogger einstellen. Also nachhaltige, durchdachte Bloggerrelations führen und aufbauen.

Zu funktionierenden Bloggerrelations gehört für mich zunächst ein funktionierender Pressebereich, der auch Blogger explizit anspricht. Unter Bloggern herrscht immer noch eine große Unsicherheit ob sie Pressebilder verwenden dürfen etc. Ein kurzer, freundlicher Text kann da Wunder wirken. Darüber hinaus sollte selbstverständlich ein Ansprechpartner genannt werden! An wen kann man sich wenden, wenn man weitere Fragen hat oder vielleicht an weiterführenden Informationen zur Ausstellung interessiert ist um besser darüber schreiben zu können. Sinnvoll finde ich auch, wenn Blogger sich in Presseverteiler eintragen können, wenn sie dies wünschen. Dann sind sie frühzeitig informiert, welche Veranstaltungen etc. in Zukunft stattfinden werde. Noch eleganter ist darüber hinaus ein ganz eigener Bloggerverteiler. Es wird viel Aufwand betrieben um wichtige Journalisten mit allen relevanten Informationen zum Haus zu versorgen, warum dies nicht auch in abgestimmter Form für Blogger.

In Städten in denen zahlreiche Blogger leben, wäre es für Museen sicher lohnenswert an einem Samstag auch mal eine Bloggerveranstaltung ähnlich einer Pressekonferenz zu veranstalten. Ich schreibe bewusst ähnlich, da Blogger anders sind als Journalisten. Blogger schreiben nicht nur meist unbezahlt in ihrer Freizeit, sie haben auch sehr individuelle Blicke auf ihre Themen. Darüber hinaus lieben die meisten die Vernetzung, das heißt, wenn man Blogger einlädt möchten die sich auch gegenseitig kennen lernen. Es gibt nichts schöneres als sich auszutauschen und zu vernetzen, man kennt sich ja mindestens aus dem Netz. Deshalb ist eine charmante Führung mit anschließendem Kaffeetrinken etc. viel effektiver als der Ablauf einer Pressekonferenz um Blogger zu begeistern. Und Institutionen müssen in den sauren Apfel beißen und solche Veranstaltungen idealerweise am Wochenende oder abends machen. Blogger sind berufstätig und können sich nicht ständig Urlaub nehmen. Tatsächlich finde ich persönlich manche Einladung an mich als Blogger fast unverschämt. Beziehungen sind ein Geben und Nehmen! Ich kann nicht in der Woche durch das ganze Land reisen um mir gratis eine Ausstellung anzuschauen. Jemand der bei Audi arbeitet und privat über Autos bloggt, kann sich auch keinen Urlaub nehmen und dann über Porsche bloggen. Denkt über sowas nach liebe Kollegen! Etwas Banales wie der Tag kann ausschlaggebend sein wie erfolgreich eine Bloggerveranstaltung wird.

Ebenso sollte von Museen auch mal über den Tellerrand geschaut werden. Angelika und Tanja haben begeistert berichtet wie spannend es für sie war auf einer Bloggerreise auch mal einen Mode- oder Reiseblogger zu treffen. Warum sich nicht auch mit Technik- oder Architekturbloggern vernetzen? Die Idee ist sicher nicht so verrückt wie sie auf den ersten Blick klingt.

Aber auch die Blogger sollten das ein oder andere beachten. Als ich mein erstes Bloggertreffen organisiert habe, haben sich 50% der Blogger nicht auf meine Einladung zurück gemeldet. Dabei habe ich jedem eine persönliche Mail geschrieben, in der ich zum Ausdruck gebracht habe warum ich gerade diesen Blogger gerne dabei hätte und wieso. Das ist viel Arbeit! Für jeden, der sich für diese Dinge in einem Museum einsetzt, gehen in der Regel harte Diskussionen voraus warum Bloggerrelations eigentlich sein müssen. Das kann man auch als Blogger mit einer netten Antwort honorieren. So schwer ist es ja nicht 2-3 Zeilen zu schreiben, warum man nicht teilnehmen kann oder möchte.

Ich werde mich auf jeden Fall weiter für Bloggerrelations einsetzen und hoffe, dass diese bald zum Standard in deutschen Institutionen gehören. Selbstverständlich werde ich auch weiter bloggen und Einladungen zu Veranstaltungen zumindest beantworten 😉

Foto: Katrin Dengler
Foto und Beitragsbild: Katrin Dengler | Großes Dankeschön dafür!

Die Diskussion gibt es nun zum Nachhören beim Radio.